Flüh

«Pfarrer» Weber bei den Nachbarn: Regierungsrat predigt vor Kirchgemeinde

Thomas Weber (l.) blühte in der Kirche richtig auf.

Thomas Weber (l.) blühte in der Kirche richtig auf.

Für einmal auf der Kanzel: Der Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber predigte am Sonntag morgen in der Kirchgemeinde Flüh.

Am Sonntag vor 47 Jahren wurde die Heiliggeistkirche Flüh als erste ökumenische Kirche des Landes von Abt Mauritius Fürst geweiht. Die Ökumene Solothurnisches Leimental feiert diesen Geburtstag jeweils am dritten Sonntag des Jahres und lädt dafür jeweils einen Regierungsrat ein, um die Predigt zu halten. «Das Zusammenspiel von Kirche und Politik ist ein wichtiges», erklärt Pfarrer Michael Brunner von der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Solothurnisches Leimental und betrachtet die Einladungen an Politiker in gewisser Weise als «Auftrag an die Gesellschaft. Wir zeigen auf unsere Art, dass wir mittendrin sind».

Am Sonntag ist es Thomas Weber, der zu den Menschen spricht. Der Baselbieter Regierungsrat wird den rund 80 Anwesenden – etwa die Hälfte davon ist Teil des Chors – zu Beginn von Kirchgemeindepräsident Helmut Zimmerli im Rahmen einer kurzen Frage-Session vorgestellt. Dabei erwähnt Zimmerli, bereits zwölf Minuten nach der Anfrage die Zusage des Politikers erhalten zu haben. «Das war am Tag meiner Wiederwahl – in solchen Situationen ist man aufnahmefreudiger für diese Dinge», sagt Weber und lächelt. Der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor blickt auf eine Vergangenheit als Kirchenpflegepräsident von Buus-Maisprach zurück – ein weiteres Argument für seine Zusage. «Der Bezug zur Kirche ist absolut da.»

«Eins sein, was bedeutet das eigentlich?»

Pfarrer Brunner thematisiert im Verlauf des Gottesdienstes die Hochzeit zu Kana aus dem Johannesevangelium. In dieser Erzählung geht einem Hochzeitspaar der Wein aus, ehe Jesus Christus aus dem Wasser in den Krügen Wein werden lässt. Weber greift dies auf: «Was wäre das für eine Schmach für den Bräutigam gewesen, wenn er seinen Gästen keinen Wein mehr hätte anbieten können? Die gute Stimmung wäre in diesem Moment umgeschlagen.» Die Einheit und Zusammengehörigkeit der Menschen sei durch «übernatürliches Eingreifen» gerettet worden. Dann kommt er auf die Einheit als zentrales Thema seiner Predigt zu sprechen: «Eins sein, was bedeutet das eigentlich?»

Weber zieht eine Verbindung zur in der Präambel der Bundesverfassung erwähnten «Einheit in der Vielfalt», thematisiert totalitäre und permissive Gesellschaften. «Einheit durch Gleichgültigkeit? Ich hoffe, dass das in der Schweiz nicht der Fall ist», sagt er.

Regierungsrat recherchierte biblische Zusammenhänge

Der Gast macht auf der Kanzel eine gute Figur, auch weil man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, der Rede eines Politikers zuzuhören. Immer wieder wird auf die Heilige Schrift verwiesen, die Frage nach dem Gottesbild gestellt. «Unser Gottesbild ist geprägt von Liebe», ist sich Weber sicher.

Applaus für seine Denkanstösse gibt es in der Kirche zwar nicht, doch im Nachhinein bedanken sich mehrere Besucher bei ihm für die Predigt. Deren Vorbereitung sei ungefähr mit der einer 1.-August-Rede vergleichbar gewesen, sagt der Regierungsrat. «Es hat schon eine Zeit gedauert, die biblischen Zusammenhänge zu recherchieren und den Gegenwartsbezug herzustellen», gibt Weber nach dem gelungenen Auftritt freimütig zu.

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