Birsfelden

Photovoltaik-Anlage darf nicht auf Dach des Kraftwerks gebaut werden

Blick vom Rocheturm auf das Kraftwerk Birsfelden.

Blick vom Rocheturm auf das Kraftwerk Birsfelden.

Auf dem Dach des Kraftwerkes in Birsfelden war bis vor Kurzem eine Photovoltaikanlage geplant. Der Heimatschutz hat den Bau dieser Anlage nun verhindert – das besondere Faltdach des Kraftwerks ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Das Kraftwerk Birsfelden bleibt optisch so wie es ist: Es wird keine Photovoltaikanlagen auf dem als Kulturdenkmal geschützten Faltdach geben. Der Heimatschutz Baselland hat vor der Baurekurskommission einen vollen Erfolg eingefahren, wie er am Donnerstag in einer Pressemitteilung selbst mitteilte. Das Kraftwerk, das schon vor zwei Jahren das Baugesuch für die Photovoltaikanlage eingereicht hatte, legte demnach keinen Rekurs gegen das Urteil ein, das somit rechtskräftig ist.

Die Baurekurskommission stützte sich laut Mitteilung des Heimatschutzes bei ihrem Urteil «auf eine Expertise der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege». Als schützenswert würden darin genannt «die filigrane Architektur der Maschinenhalle, die optische Leichtigkeit und die Transparenz der Gebäudekonstruktion und die Materialisierung». Ausdrücklich werde auch das gefaltete Dach erwähnt.

Darauf hatte die Kraftwerk Birsfelden AG eine Anlage geplant, die mit 200 bis 310 Kilowatt Strom 30 bis 55 Haushalte hätte versorgen können. Das ist nun nicht mehr möglich. Je nach Variante hätte die Investition 500 000 bis eine Million Franken gekostet. Diese Zahlen stammen aus einem Bericht von «Online-Reports» aus dem September 2013 – Kraftwerksleiter Sascha Jäger wollte sich gestern auf Anfrage der Basellandschaftlichen Zeitung nicht mehr dazu äussern.

Keine weiteren Auskünfte

«Wir nehmen diese Mitteilung zur Kenntnis», lautet seine knappe Stellungnahme zum Kommuniqué des Heimatschutzes. Vom Urteil wisse er bereits seit dem 21. Juli; das Kraftwerk habe keinen finanziellen Schaden durch das Urteil und werde auch keine weiteren Schritte – weder rechtlich noch baulich – unternehmen. Zu einer alternativen Solarenergiegewinnung – der Heimatschutz hatte zum Beispiel ein Solarfloss auf dem Stausee vorgeschlagen – wollte Jäger gestern ebenfalls keine Stellung nehmen.

Der Baselbieter Heimatschutz freut sich in seiner Pressemitteilung über das Urteil: «Damit wird ein schweizweit einzigartiges Kulturdenkmal mit seiner äusserst sensiblen Architektur erhalten.» Jürg Berrel, Altpräsident des Heimatschutzes und Wortführer in der Angelegenheit, spricht gegenüber der bz sogar vom wichtigsten Baselbieter Bauwerk des 20. Jahrhunderts. Und als Architekt und ehemaliger Präsident des Baselbieter Bauinventars, das den ganzen Kanton nach architektonischen Gesichtspunkten kartografierte, sollte er es wissen.

Der Heimatschutz versichert gleichzeitig, dass er nicht prinzipiell Solaranlagen auf Gebäuden verhindern wolle. «Wir stehen für gute Baukultur und für die alternative Energieerzeugung ein. Wir sind uns der daraus ergebenden Zielkonflikte bewusst», schreibt er in seiner Mitteilung. Solange es aber noch «riesige Flächen architektonisch wenig bedeutender Industrieanlagen» gebe, die ungenutzt seien, setze sich der Verein in der Interessensabwägung gegen «den Eingriff in hochrangige Baukunstwerke» ein. Das Unternehmen, das die Photovoltaikanlage hatte bauen wollen, habe sich natürlich bei ihm beschwert, erzählt Berrel. Er habe ihr dann aber erklärt, dass er selbst eine der ersten Solaranlagen im Baselbiet gebaut habe: «Da haben sie wohl eingesehen, dass ich eher ein Experte als ein Stänkerer bin», lacht er.

Kantone schweigen sich aus

Basels Regierungsrat Christoph Brutschin (SP), der laut «Online-Reports» 2013 in seiner Eigenschaft als Verwaltungsratspräsident des Kraftwerks «kein Verständnis» für das Anliegen des Heimatschutzes aufbringen konnte, will sich heute nicht mehr zum Thema äussern, weil er inzwischen sein Amt an seine Baselbieter Kollegin Sabine Pegoraro abgegeben habe. Doch auch von der Bau- und Umweltdirektion hiess es gestern nur, der Kanton sei in der Angelegenheit nicht selbst betroffen und verweise auf die Kraftwerksleitung.

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