Baum-Miete

Piksende Nachhaltigkeit: Hier wächst der Weihnachtsbaum mit der Familie mit

«Mussten auch schon Bäume aussortieren»: Baumvermieter Patrick Bollinger.

«Mussten auch schon Bäume aussortieren»: Baumvermieter Patrick Bollinger.

Dieser Gärtner hat eine Marktlücke entdeckt. Patrick Bollinger aus Röschenz vermietet Weihnachtsbäume im Topf. Auf diese Weise kann eine Familie Jahr für Jahr den selben Baum mieten.

Den gibt sie nicht mehr aus der Hand: Ylva, siebenjährig und strahlend übers ganze Gesicht, hält das Bäumchen mit festem Griff. Ihr Bruder This musste gerade den Kinderwagen räumen: Der dient nun als Transportgefährt für den grossen Weihnachtsbaum, den die Röschenzer Familie gerade gemietet hat. Patrick Bolliger winkt zum Abschied, dann widmet er sich den nächsten Kunden, während Partnerin Eva Schnell im Stübli Kaffee ausschenkt, Schwätzchen hält, kassiert.

Etwas Besseres als Greta Thunberg hätte den beiden nicht passieren können. Als Patrick Bolliger vor fünf Jahren damit begann, Weihnachtsbäume für die Festtage in Töpfen zu vermieten, konnte er nicht wissen, dass Schlagworte wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Grüne Welle den öffentlichen Diskurs bald dominieren würden. Mit 100 Bäumen hat der Gärtner und Betreiber des Gartenservice-Unternehmens Bolliger in Röschenz 2015 begonnen. Es war ein Versuchsballon, denn seine Weihnachtsbäume waren – und sind – keineswegs günstiger als gekaufte, vor allem verglichen mit günstigen Importbäumen aus Skandinavien und Europas Osten. Je nach Grösse beträgt der Mietzins 60 bis 90 Franken. Doch das Konzept fand Anklang: Mittlerweile vermietet Patrick Bolliger 450 Nordmanntannen.

Mit seinen Mietbäumen trifft er den Nerv der Zeit. Natürlich sind die Ansprüche an Weihnachtsbäume auch heute noch hoch. Schön sollen sie sein, buschig, füllig und – selbstredend – ebenmässigen Wuchses. Doch heute stellt auch die Nachhaltigkeit einer Stubentanne ein gewichtiges Auswahlkriterium dar.

Statt wegwerfen jedes Jahr derselbe Baum

Nachhaltigkeit war übrigens auch Patrick Bolligers Triebfeder. Er sah die zahllosen Tännchen nach den Festtagen an den Strassenrändern liegen, hingeworfen und vertrocknet. Und er sah all die unverkauften Exemplare in den Gartencentern, Baumärkten und Detailhändlerfilialen. «Das war mir schon lange ein Dorn im Auge», sagt er. Er habe nichts gegen abgesägte Weihnachtsbäume. «Aber wir müssen doch überlegt leben und konsumieren.» So entstand seine Idee, dass Familien ihre Geschenke jedes Jahr unter den selben Baum legen. Und so kam es denn auch: Manche der nummerierten Bäume sind fix für gewisse Familien reserviert – auf Jahre hinaus.

Wer bei Bolliger einen Weihnachtsbaum mietet, unterschreibt eine Vereinbarung. Sie verpflichtet den Mieter, den Baum täglich zu wässern, ihn nicht zu nah an die Heizung zu stellen, keine Äste abzutrennen oder ihn gar anzuzünden. Einen verkokelten Baum hat Patrick Bolliger zwar noch nicht zurückbekommen. «Aber dass Äste abgeschnitten, Spitzen abgeknickt oder der Baum viel zu wenig gegossen wurde, kommt immer wieder vor. Darum mussten wir auch schon einige Bäume aussortieren.» Aber grundsätzlich trügen seine Kunden Sorge.

Nach Dreikönig fängt die Arbeit erst richtig an

Diese kommen übrigens nicht nur aus dem Laufental, sondern auch aus Basel und Agglomeration, ja sogar aus dem Oberbaselbiet. Bolliger und sein Team liefern die Bäume aus und holen sie auch wieder ab, Stichtag ist der Dreikönigstag. Dann beginnt für den Gärtner die wirkliche Arbeit. «In der Weihnachtszeit haben wir den geringsten Aufwand mit den Bäumen», verrät er. Die Hege und Pflege, die er ihnen übers Jahr angedeihen lässt, wenn sich die Bäume in seiner Baumschule erholen, ist weitaus aufwendiger. Weil die Arbeit des Gärtners aber vor allem im Sommerhalbjahr anfällt, ergänzt die Weihnachtsbaum-Vermietung sein Portfolio ideal.

Erstmals vermietet Bolliger in dieser Weihnachtssaison übrigens auch den passenden Baumschmuck. Kugelkompositionen in der Box, komplett mit Stern für den Wipfel, Dekoanhängern und einer Lichterkette. Nachhaltigkeit im Doppelpack quasi. Und wenn man die Lauf-Enten hinzurechnet, die den Bäumen den Sommer über die Schnecken von den Wurzeln halten, sind die Mietbäume sogar dreifach nachhaltig.

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