Die Besucherränge waren menschenleer, als Pink Floyd 1971 im Amphitheater von Pompeji ihren legendären Konzertfilm drehten. Es war eine gleichermassen kunstvolle wie künstliche Darbietung, die das Quartett am Wendepunkt ihrer Karriere zeigte. Davor hatte sich die Band mit ausufernder Psychedelik und fordernder Avantgarde einen Namen gemacht und schon wenige Monate später spielten Pink Floyd ihr leicht verdauliches Meisterwerk «The Dark Side of the Moon» ein.

Eines der Kernstücke des Pompeji-Konzertes war «A Saucerful of Secrets», ein wortloses Opus, in dem die Band mit Rückkopplungen und Perkussionseruptionen während zwölf Minuten die Grenzen des Spiel- und Hörbaren auslotet. Eine zentrale Rolle kommt darin dem Gong zu, der nicht vom Schlagzeuger Nick Mason bedient wird, sondern – mit einer guten Portion Selbstinszenierung – vom Bassisten Roger Waters.

Musikalisches Understatement

Dieses Bild war wohl vielen im Kopf, als Mason beim ersten Gastspiel seiner vor gut zwei Jahren gegründeten Formation A Saucerful of Secrets in der Zürcher Samsung Hall auf den Gong zu sprechen kam, der hinter seinem Schlagzeug prangte. «Ich glaube, heute könnte endlich mein grosser Moment sein», sagte der 75-Jährige. Danach schlug er betont vorsichtig ein einziges Mal gegen die klingende Metallplatte.

Das passt zum musikalischen und charakterlichen Understatement, das der Brite mit den Jahren kultivierte. Zeigte er im frühen Werk von Pink Floyd ab und an doch sein Können, so wurde er vor allem für sein songdienliches Spiel bekannt. Damit hob sich Mason deutlich ab vom Gros seiner Kollegen im progressiven Rock, die ihren Übereifer kaum je zu zügeln vermochten.

Der Ehrgeiz, sich als Instrumentalist zu profilieren, schien ihm zu fehlen. So buchte Mason erst vor wenigen Jahren seine angeblich ersten Schlagzeugstunden ausgerechnet beim Drum-Berserker Terry Bozzio. Dass das nicht auf sein Spiel abgefärbt hat, wurde auf den Konzerten, die A Saucerful of Secrets seit April 2017 spielen, von Fans und Presse freudig registriert.

Geist der alten Floyd

Zusammen mit seinen deutlich jüngeren Mitstreitern – darunter PinkFloyd-Sessionbassist Guy Pratt – lässt Mason kommenden Freitag den Geist der alten Floyd aufleben. Weil es neben den sperrigen Stücken auch einige skurrile Popnummern aus der Feder von Syd Barret ins Repertoire geschafft haben, darf man sich auf ein kurzweiliges Konzert frei von Stadion-Ballast freuen.

Auch wenn manche der Songs vielleicht besser in einem verrauchten Keller aufgehoben wären, so ist das Amphitheater in Augusta Raurica eine grossartige Kulisse für Masons Projekt. Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Pompeji-Konzert werden die Zuschauerränge dieses Mal garantiert nicht leer sein – das Konzert ist seit geraumer Zeit ausverkauft.


   

A Saucerful of Secrets Freitag, 5. Juli, Augusta Raurica, Augst. www.z-7.ch