Coop geht voran. In der Filiale in der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz ist es zappenduster an diesem frühen Dienstagnachmittag. Dabei hat die «Blackout»-Übung noch gar nicht richtig begonnen. Sie ist auf 14 Uhr angesetzt. Man habe beschlossen, die Filiale schon nach dem Mittag zu schliessen, erzählt die Verkäuferin, die vor dem Gebäude ihre sieben Sachen zusammenpackt. «Kunden hats eh fast keine», sagt sie. «Und wir können Überstunden abbauen.»

Um zwei Uhr wirds für alle ernst. Die Projektleiter trommeln sämtliche 60 Teilnehmer der Übung zusammen – fast alle Angestellte von Unternehmen, die am Bau beteiligt waren. Die Aufgabe der Mitarbeiter: In den nächsten zwei Stunden überprüfen, ob ihre Anlagen und Geräte auch tatsächlich so funktionieren, wie sie es sollten, wenn dem Riesenwürfel plötzlich der Saft abgestellt wird.

Für die Übung ist der Standort den ganzen Tag geschlossen. Die insgesamt 3800 Menschen, die im Gebäude arbeiten, dozieren und studieren, haben einen freien Tag.

Es gibt eine Menge zu überprüfen. Das 300 Millionen Franken teure Hochhaus beim Muttenzer Bahnhof hat im September 2018 den Betrieb aufgenommen und ist der grösste Standort im Hochschulverbund von vier Kantonen, zugleich auch das grösste öffentliche Gebäude im Baselbiet. Der Komplex umfasst, verteilt auf 13 Ober- und mehrere Untergeschosse, Werkstätten, Laborräume, Turnhallen, ein Rechenzentrum und mehr.

Die Lifte lassen ihren feuersicheren Vorhang hinunter

«Von der Infrastruktur her ist das ein stattliches Dorf», sagt Andreas Furler vom Baselbieter Hochbauamt. «Einfach nicht in der Fläche verteilt, sondern geschichtet.» Furler trägt die Gesamtverantwortung für die «Blackout»-Übung an der FHNW, oder für den «integralen Test der sicherheitsrelevanten Anlagen», wie die Veranstaltung im Fachjargon heisst.

Jetzt ist es zwanzig nach zwei. Eigentlich sollte das braune Hochhaus schon keinen Saft mehr haben. Aber es gab eine Fehlmanipulation: Die Sprinkleranlage wurde versehentlich ausgelöst. Von den Decken spritzt zwar kein Wasser. Die Lifte jedoch machten das, was sie immer tun sollten, wenn es brennt: Sie fuhren alle brav ins Erdgeschoss und liessen vor den Türen die Brandschutzrollladen hinunter. «Das ist jetzt ein bisschen doof», sagt Furler. Eine halbe Stunde später erschallt eine Lautsprecherdurchsage: «Achtung, es kommt zu einem Stromunterbruch. Bitte die Lifte nicht benutzen!»

Jetzt geht gar nichts mehr. Grüne Schildchen leuchten auf, signalisieren die Fluchtwege. Die Notstromleuchten spenden erstaunlich viel Licht. Das Gebäude besitzt, anders als etwa Spitäler, keine Diesel-Notstromaggregate. Trotzdem haben bestimmte Bereiche immer noch Elektrizität.

Das Rechenzentrum im ersten Untergeschoss wird nach einem Stromausfall noch rund zwanzig Minuten mit Energie aus Batterien versorgt. «So bleibt dem System genügend Zeit, alle Daten zu speichern und danach geordnet herunterzufahren», sagt Furler. Das Rechenzentrum ist deshalb so wichtig, weil es Daten aller FHNW-Standorte speichert. Eine identische Anlage gibt es in Windisch-Brugg. Ein Problem haben die Muttenzer Rechner jedoch. Ihnen wird warm. Ein mobiles Kühlaggregat versagt den Dienst. Leichte Hektik bricht aus, bis die Verantwortlichen Alternativen gefunden haben.

Teurer Test: 70'000 Franken kostet die Simulation

Um 17 Uhr wird der Strom wieder aufgedreht. Das Fazit von Projektleiter Furler: Das Gebäude hat den Stromausfall gut überstanden: «Alle sicherheitsrelevanten Systeme haben funktioniert. Pendenzen gibt es nur eine Handvoll. Tipptopp!» Der integrale Test kostet total 70 000 Franken. Die Firmen müssen entschädigt werden, hinzu kommt die Miete der Geräte, die Vor- und Nachbereitung, die Verpflegung der Teilnehmer und mehr.

Als nächstes steht eine Vollübung an. Dann werden noch mehr Systeme geprüft. Doch die Studierenden sollten sich nicht zu früh auf den freien Tag freuen. Die Vollübung ist erst nach drei Jahren Betrieb wieder vorgeschrieben – das wäre im Jahr 2021.