Am kommenden Montag läuft im Kanton Baselland die Meldefrist für Listenverbindungen bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober ab. Kurz vor Ablauf dieser Frist könnte ein Seitenwechsel der GLP die Ausgangslage nochmals auf den Kopf stellen: Lange sah es so aus, als würden die Grünliberalen gemeinsam mit CVP und BDP ein Mitte-Bündnis eingehen. Dies hätte den von Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) gehaltenen Sitz gesichert.

Doch nun ist alles anders. Wie die bz weiss, verhandelt die Spitze der GLP mit jenen von SP und Grünen über ein Mitte-Links-Bündnis. «Es finden Gespräche statt», bestätigen Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer und Adil Koller, Co-Chef der SP, gegenüber der bz unisono.

Und auch GLP-Präsident Hector Herzig sagt: «Wir sind daran, diese Option zu prüfen. Diese Verbindung ist möglich.» Eine solche Listenverbindung wäre vor allem im Sinne der Grünen: Mit dieser Koalition im Rücken könnten sie schon mal den Champagner kalt stellen, um am 18. Oktober die Wiederwahl ihrer langjährigen Nationalrätin Maya Graf zu feiern. Dies nachdem Grafs Sitz lange als der unsicherste gegolten hat. Doch auch Adil Koller sagt: «Wir wollen die drei rot-grünen Sitze gegen den Ansturm des rechten Lagers verteidigen. Wenn die GLP helfen will, ist sie herzlich willkommen.»

Es gibt in dieser neu aufflammenden Liebe allerdings einen Störfaktor: Dieser heisst Hans Furer, grünliberaler Kandidat fürs Stöckli und damit Gegenspieler des amtierenden Baselbieter SP-Ständerats Claude Janiak.

Für Adil Koller ist die GLP-Ständeratskandidatur nicht automatisch ein No-Go für eine Listenverbindung bei den gleichzeitig stattfindenden Nationalratswahlen. Doch er findet: «Sollte es tatsächlich zur Mitte-Links-Koalition kommen, wäre eine GLP-Ständeratskandidatur schon sehr fragwürdig.»

Grünen-Chefin Brenzikofer will zu möglichen Bedingungen nichts verraten. Diese Zurückhaltung hat ihren Grund: Die nicht immer berechenbaren Grünliberalen haben im rot-grünen Lager viele auf dem Kieker und die Kandidatur Furers hat etliches Stirnrunzeln ausgelöst. Derweil sagt GLP-Vorstandsmitglied Gerhard Schafroth, dass er sich nicht vorstellen könne, den Kandidaten Furer zurückzuziehen.

Heute Abend entscheidet die Basis

Heute Abend könnte ein Entscheid zur Listenverbindung fallen: Dann führt nämlich die GLP ihre Mitgliederversammlung durch. «Dann werden wir das Thema diskutieren», sagt Herzig. Ganz sicher ist ein Beschluss aber nicht: Der Wahlausschuss der Partei könnte über die Koalition notfalls auch im Alleingang entscheiden. Doch das möchte Herzig vermeiden: «Ich will im Vorstand keinen Entscheid fällen und dann mit der Basis Probleme bekommen.» Tatsächlich stellt die Listenverbindung für die GLP intern ein heisses Eisen dar. So bestätigen mehrere Beobachter gegenüber der bz, dass es deswegen in der Partei «Chritz» gebe. Gerhard Schafroth räumt ein, dass es unterschiedliche Meinungen zur Frage der Listenverbindung und zum Kurs gebe. «Streit gibt es deswegen aber nicht.»

Herzig ist sich der Bedeutung des Entscheides bewusst, könnte dadurch statt Graf doch plötzlich Schneider-Schneiter zur Wackelkandidatin werden. Ein Affront gegenüber der CVP? «Die Frage ist, wer den Affront produziert hat», entgegnet Herzig und erinnert an den Alleingang der EVP und die Weigerung der CVP, wie von der GLP gewünscht mit den Grünen-Unabhängigen zusammenzuspannen.