Kehricht

Plötzlich wollen alle den Gebührensack – Basel machte es mit seinem «Bebbi-Sagg» vor

Arlesheim, Birsfelden, Muttenz und Reinach stellen per neues Jahr von Vignetten auf Gebührensäcke um. Die Säcke hätten zwei entscheidende Vorteile gegenüber den Gebühren-Marken.

Basel-Stadt und die Stadt Zürich waren früh dran. Der «Bebbi-Sagg» und der «Züri-Sack» wurden beide 1993 eingeführt. Fast zwanzig Jahre älter ist der St. Galler Sack: Die Stadt lancierte ihn 1975, als ersten Gebührensack der Schweiz. Etliche Ortschaften zogen nach – nur die grossen Baselbieter Agglomerationsgemeinden blieben fast ausnahmslos bei den Gebührenmarken. Jetzt stellen gleich vier Orte um. Ab 1. Januar 2020 müssen in Arlesheim, Birsfelden und Reinach die offiziellen Säcke benutzt werden. Muttenz führt seinen «Muttenzer Sagg» schon per Dezember ein.

Die offiziellen Säcke böten entscheidende Vorteile, sagt Markus Eigenmann, Gemeindepräsident von Arlesheim: «Wir hatten immer wieder Probleme mit fehlenden Vignetten. Wir mussten die Säcke durchsuchen, um herauszufinden, von wem der Abfall stammt. Danach wurde eine Busse ausgestellt. Viele Gebüsste haben sich jedoch beschwert, sie hätten die Abfallmarke aufgeklebt, sie müsse jedoch abgefallen sein.»

Es gibt immer mehr Unterflur-Container

Ein weiterer Punkt, der für einheitliche Behälter spreche: die steigende Zahl von Unterflur-Containern, die vor allem bei neueren Überbauungen immer öfter anzutreffen seien. «Es ist für unser Personal ziemlich aufwändig, zu prüfen, ob alle hineingeworfenen Säcke auch eine Vignette besitzen», sagt Eigenmann. Die Kontrollen würden mit dem «Arlesheimer Sagg» einfacher. Reaktionen zur Umstellung habe er bisher nicht erhalten. «Aber das kommt schon noch – wenn es soweit ist.»

Die Gebühren bleiben in allen vier Gemeinden gleich. Die Vignetten behalten noch eine Zeit lang ihre Gültigkeit oder können umgetauscht werden.

Muttenz steht auf Rot, Birsfelden wählt Currygelb

Die Gebührensack-Einführung war ein Projekt der Birsstadt, dem Verbund von zehn Gemeinden im Birstal. So wurde die Ausschreibung für die Säcke gemeinsam erarbeitet. Die Birsstadt-Mitglieder Grellingen und Dornach gehören dem Entsorgungsgebiet der Kelsag an. Das Unternehmen arbeitet mit eigenen Abfallsäcken.

Auch bei den Farben haben sich Arlesheim, Birsfelden, Muttenz und Reinach abgesprochen. So wollen sie Abfalltourismus verhindern – das Phänomen, dass Einwohner eines Ortes Säcke in Gemeinden kaufen, wo die Gebühren tiefer sind. Arlesheim wählte blaue Säcke mit weisser Schrift, der «Birsfälder Sagg» wird currygelb mit roten Buchstaben, der «Muttenzer Sagg» wiederum ist knallrot mit weissem, der «Rynacher Sagg» gelb mit blauem Aufdruck.

Mehr Stichproben in Aussicht

Pratteln ist rund um Basel die grosse Ausnahme. Die Gemeinde stellte schon 2007 auf den eigenen Abfallsack um. Er ist strahlend gelb – das habe sofort Wirkung erzielt, sagt Gemeindepräsident Stephan Burgunder: «Die Zahl der illegal deponierten Abfallsäcke nahm rapide ab. Die Hemmschwelle ist grösser, einen schwarzen Sack in einen Container mit lauter offiziellen gelben Säcken zu werfen.» Jüngst habe die Disziplin aber etwas abgenommen, sagt Burgunder. Betroffen seien «einige Quartiere mit Wohnblöcken». Wegen des wild entsorgten Mülls gab es auch einen Vorstoss im Einwohnerrat. Der Gemeinderat stellte in Aussicht, mehr Stichproben durchzuführen.

Keinen Wechsel plant die grösste Baselbieter Gemeinde. Man sei mit den Vignetten zufrieden, sagt Allschwils Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli: «Ich habe nichts Negatives vernommen über das System mit den Gebührenmarken.»

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