Bildungsprogramm

Plötzlich wurde es stockdunkel: Sekundarschule Gelterkinden ist nun eine Klimaschule

Schon fast romantisch: Unterricht bei Kerzenlicht.

Schon fast romantisch: Unterricht bei Kerzenlicht.

In Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation «My Blue Planet» ist die Sekundarschule Gelterkinden ins vierjährige Bildungsprogramm Klimaschule gestartet. Verschiedene Themenschwerpunkte sollen dabei in erlebnisorientierte Projekte einfliessen.

Um 7.50 Uhr gingen die Lichter aus. Alles dunkel, nichts geht mehr. Bloss die an Fernwärme angeschlossene Heizung funktioniert noch. Kompletter Stromausfall, ein Blackout. Und das bereits ein paar Minuten nach Unterrichtsbeginn am ersten Schultag im neuen Jahr. Ein schlechter Start ins 2021 für die Sekundarschule Gelterkinden. Könnte man meinen. Das Ganze ist aber inszeniert und der Auftakt zum vierjährigen Bildungsprogramm Klimaschule. Dabei fliessen verschiedene Themenschwerpunkte in erlebnisorientierte Projekte ein. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation «My Blue Planet».

Kerngruppe bereitete Blackout Day vor

«Wir liessen die Betroffenheit wirken», erzählt Gabriela Graf, Leiterin der sechsköpfigen Kerngruppe, die den gestrigen Blackout Day vorbereitet hat. Ein doppelseitiges Programm diente den Lehrpersonen als roter Faden für ihre Unterrichtsgestaltung. In der Dunkelheit haben sie mit den Schülerinnen und Schülern über Fragen diskutiert wie: Was löst das in euch aus? Habt ihr so was schon erlebt? Wie kommen wir nun zu Licht? Die Schüler überlegen, einige klauben ihre Handys hervor und rätseln, wie lange der Akku wohl noch reiche. Oder sitzen zum Fenster. Aber ohne Strom lassen sich auch die Storen nicht hochfahren.

Laut Sekundarlehrerin Gabriela Graf «stehen in der ersten Lektion die Emotionen im Zentrum». Den Schülern wird vor Augen geführt, was ein Stromausfall bedeutet. Worauf muss man verzichten, sollte dieser länger dauern?, wurde gefragt. Oder: Was würde im Alltag fehlen? In der zweiten Lektion wird thematisiert, woher der Strom kommt und welche Energiequellen es gibt. Danach besprechen die Jugendlichen den verteilten Flyer, der das vierjährige Klimaprojekt erklärt. Der richtige Zeitpunkt, um die Zukunft in die Wege zu leiten und Themen aufs Tapet zu bringen.

Die Schüler tragen diesen Blackout, von dem im Voraus nur Lehrkräfte und ein paar weitere Personen gewusst haben, mit Fassung. Niemand gerät in Panik. «Durchs Band finden die Schülerinnen und Schüler das Klimaprojekt toll», freut sich Graf.

Mehrere Themenschwerpunkte

Im Verlauf der nächsten vier Jahre gehören nebst dem gestrigen Stromausfall die Mobilität, Energie, Ernährung und Biodiversität zu Schwerpunkten. Letzteres fliesst bald ein. Ideal wegen des laufenden Um- und Erweiterungsbaus der Sekundarschule Gelterkinden und deren Umgebungsgestaltung, «die wir dann klima- und umweltfreundlich umsetzen können», blickt Gabriela Graf voraus. Die jetzigen Drittklässler sind zwar nur ein halbes Jahr involviert, sie erhalten aber schon einen respektablen Input, den sie später mitnehmen können.

Wegen Corona müssen die geplanten Vorhaben vorerst in Klassenverbänden bestritten werden, obwohl sie als Gemeinschaftsprojekte konzipiert wären. «My Blue Planet» hat schweizweit schon rund 25 Schulen begleitet, die Sek Gelterkinden ist die erste Baselbieter Schule, die von diesem Projekt Gebrauch macht. Darauf stiess Graf vor etwa eineinhalb Jahren, als die «Fridays For Future»-Bewegung aufkam. Sie suchte im Internet nach Angeboten für die Schule, schliesslich schälte sich jenes von «My Blue Planet» als passendes heraus.

«Mit dieser NGO können wir auf eine gute, kreative und organisierte Unterstützung im Hintergrund zählen.» Am Eröffnungskonvent fürs neue Schuljahr wurde das Bildungsprogramm den Lehrpersonen vorgestellt, die sich grossmehrheitlich dahinter stellten. «Sie waren sofort begeistert», betont Gabriela Graf. Und diese Begeisterung dürfte sich auf die Schüler übertragen.

www.klimaschule.ch

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