Der dritte Juradurchstich soll wieder auf die Traktandenliste der Bundespolitik. Dies hat die Basler Ständerätin Anita Fetz (SP) jüngst mit markigen Aussagen in der bz gefordert. Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga könne nicht den deutschen Partnern vorwerfen, dass der Vierspurausbau zwischen Karlsruhe und Basel erst 2041 fertiggestellt werde, wenn die Schweiz gleichzeitig mit einer anderen Neat-Zulaufstrecke – dem dritten Juradurchstich – ebenfalls nicht vorwärtsmache. Fetz fordert deshalb vom Bund in einem Vorstoss verbindliche Aussagen, wann der versprochene Wisenbergtunnel zwischen Liestal und Olten gebaut wird.

Hats neben dem Herzstück Platz für zweites Projekt?

Nun doppelt im Baselbiet der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr nach: In einer Interpellation will er von der Regierung wissen, was der aktuelle Planungsstand des Tunnels sei und ob sich in den vergangenen Jahren etwas an der Linienführung geändert habe. Von konkreten Forderungen sieht Kirchmayr vorerst ab. Er sagt aber auch: «Es hat mich schon etwas erstaunt, dass der Kanton Baselland den Wisenbergtunnel beim Bund offenbar nicht einmal mehr fordern will.» Kirchmayr bezieht sich auf Aussagen in der bz aus der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) im vergangenen November. BUD-Verkehrsplaner Thomas Hohl liess damals offen, ob sich Baselland beim nächsten BahnAusbauschritt für den dritten Juradurchstich starkmachen soll. Priorität habe das Herzstück Basel und damit der Agglomerationsverkehr, so Hohl.

An diesem Grundsatz hat sich bis heute nichts geändert. Dennoch sei denkbar, dass sich Baselland beim nächsten Ausbauschritt auch für den dritten Juradurchstich einsetzt. «Dieser ist zwar vorab von nationalem Interesse», sagt Hohl. Aus kantonaler Sicht könnte er aber beispielsweise für einen IC-Halbstundentakt Basel–Luzern eine Schlüsselrolle spielen.
Für die Prioritätensetzung zeigt Kirchmayr Verständnis. Tatsächlich dürfte es schwierig werden, im nächsten Ausbauschritt zwei milliardenschwere Projekte aus der Region zu platzieren. Das Herzstück wird mit bis zu 2 Milliarden Franken veranschlagt, der dritte Juradurchstich sogar mit 5,6 Milliarden.

Der Kanton soll an Forderung festhalten

«Das Herzstück bringt unserer Region am meisten», sagt der Grellinger CVP-Landrat Franz Meyer. Es werde zurecht als prioritär erachtet. Doch auch Meyer findet: «Der Kanton muss an seiner Forderung für einen dritten Juradurchstich unbedingt festhalten. Dieser sei dringend nötig, sagt Meyer. Gerade der internationale Personen- und Güterverkehr wird im Ergolztal laut Studien in den kommenden Jahren stark zunehmen. «Die Trassen sind bereits heute besetzt», fügt Kirchmayr an. «Die SBB haben mit Hinweis auf mangelnde Kapazitäten mehrere Forderungen der Region nach Schnellzug- oder S-Bahnhalten abgelehnt.»

Zwischen Herzstück und drittem Juradurchstich besteht zudem ein planerischer Zusammenhang: So hat der Lenkungsausschuss für eine «Trinationale Langfristplanung Basel» festgestellt, dass die auf Schweizer Seite benötigten Bahn-Kapazitäten nur so lange ohne dritten Juradurchstich ausreichen, wie der Region Basel eine «richtige» S-Bahn vorenthalten wird. Genau das soll nun aber mit dem Herzstück und weiteren Ausbauten realisiert werden.