Mobile Einsatzkonzept

Polizei drängt Diebesbanden im Baselbiet zurück

Nicht jede Schwerpunktaktion gegen Kriminaltouristen führt zu einem Verhaftungserfolg (gestellte Szene). ZVG/Polizei BL

Nicht jede Schwerpunktaktion gegen Kriminaltouristen führt zu einem Verhaftungserfolg (gestellte Szene). ZVG/Polizei BL

Die Baselbieter Polizei wird ihr mobiles Einsatzkonzept gegen Kriminaltouristen weiter ausbauen.

Die Polizeiaktion von vergangener Woche gab im Leimental zu reden: Entlang der Tramlinie 17 kontrollierten Einsatzkräfte an den Stationen zwischen Bottmingen und Oberwil die Trampassagiere. Es sei gerade eine Einbruchswelle im Gang, erteilten die Polizisten den Passanten bereitwillig Auskunft. Möglicherweise hätten sich die Täter ins Tram geflüchtet, daher das Grossaufgebot. Einen Verdächtigen konnten sie im Zuge dieser Fahndung allerdings nicht festnehmen, wie der neue Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler einräumt.

Obschon Polizei und Grenzwache in der Bekämpfung der Einbruchskriminalität 2015 die Trendwende geschafft haben, und der Kriminaltourismus in der Region Basel 2016 weiter zurückgedrängt werden konnte, können sich die einzelnen Gemeinden nicht restlos in Sicherheit wiegen. Alleine Muttenz erlebte in den vergangenen 14 Tagen eine Serie von 11 Einbrüchen.

Die Täter entkamen in allen Fällen. Die letzte Festnahme eines Tatverdächtigen in Muttenz rührt vom 1. Februar her. Solche Wellen mögen der Grund dafür sein, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung Schwankungen unterworfen ist.

Aktionen kommen gut an

Aufschlussreich ist diesbezüglich die Feststellung von Marcel Friederich. Der Gemeindeverwalter der stark exponierten Grenzgemeinde Schönenbuch pendelt selber täglich via Biel-Benken zu seinem Arbeitsort und gerät mehrmals pro Woche in eine Strassenkontrolle – «immer an unterschiedlichen Orten». Dennoch habe er den Eindruck erhalten, dass nach dem «sehr sicheren 2015» und der gleich intensiven ersten Jahreshälfte 2016 zuletzt der Druck der Polizei etwas nachgelassen hätte.

«Wir hatten in Schönenbuch zuletzt wieder mehrere Einbruchswellen, die in der Bevölkerung den guten Eindruck gedämpft haben.» Unter anderem wurde die Gemeindeverwaltung selbst zum Ziel eines Einbruchversuchs. Alles in allem anerkennt Friederich aber die Anstrengungen und die hohe Strassenpräsenz der Polizei. «Die gemeinsame Kontrollaktion mit der Militärpolizei ist besonders gut angekommen, wir hatten viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung», stellt der Gemeindeverwalter fest.

Unabhängig davon wird der kommende 30. März für die Baselbieter Sicherheitsbehörden ein äusserst erfreulicher Tag werden. Wenn Sicherheitsdirektor Isaac Reber und Polizeikommandant Mark Burkhard vor die Medien treten, um die Kriminalstatistik 2016 zu präsentieren, werden sie in den zentralen Bereichen der Anzahl Einbruchdiebstähle und der aufgeklärten Fälle satte Verbesserungen ausweisen können.

Dabei hatte Regierungsrat Reber vor einem Jahr gewarnt, dass nur schon das Halten des Ergebnisses von 2015 – die Polizei sorgte damals für eine Abnahme der Einbruchsdiebstähle um fast 30 Prozent – eine sehr schwierige Aufgabe werden würde.

Intern ist spasseshalber von einem «Eisernen Vorhang» die Rede, den Polizei und Grenzwache im Leimental entlang der Grünen Grenze zu Frankreich aufgezogen hätten. Alternativ dazu fallen auch Begriffe wie «Westwall» oder «Burkhardlinie»; dies in Anlehnung an das berüchtigte französische Festungswerk des Kriegsministers André Maginot im Zweiten Weltkrieg. Im Zuge der Aktion «Ladro» (Italienisch für Einbrecher) führten die Baselbieter Sicherheitskräfte 2015 rund 6000 Strassenkontrollen im Zuge von Schwerpunktaktionen durch.

Die Analyse-Software «Precobs», die Einbrüche räumlich bis zu einem gewissen Grad vorhersagen kann, und die verstärkte Patrouillentätigkeit in den Quartieren bilden weitere Grundsteine der mobilen Einsatztaktik, die Polizeikommandant Burkard seinem Korps seit 2014 verpasst hat.

Im Zuge der im November 2016 angekündigten Reorganisation und der damit verbundenen Schliessung von sechs Posten soll die Baselbieter Polizei dauerhaft mobiler und flexibler aufgestellt werden. Dies soll gleichzeitig Einsatzkräfte frei machen, um im Bedarfsfall einen zweiten Schwerpunkt bilden zu können; etwa im Bereich der Brandstiftung oder Raubkriminalität, sollte es die Situation verlangen.

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