Öffentlicher Verkehr

Post und Schweizerhalle verschwinden vom BLT-Fahrplan

Auch die Station Binningen hat einen Zusatz erhalten: Sie heisst neu Binningen Schloss. Hinter der Änderung steckt aber nicht Baselland Tourismus.

Auch die Station Binningen hat einen Zusatz erhalten: Sie heisst neu Binningen Schloss. Hinter der Änderung steckt aber nicht Baselland Tourismus.

In der Nacht auf Sonntag ist Fahrplanwechsel. Die Passagiere müssen sich nicht nur an viele geänderte Abfahrtszeiten gewöhnen, sondern auch an einige neue Namen von Haltestellen.

In Binningen und Bottmingen erhalten die gleichnamigen Stationen neu den Zusatz «Schloss». Auf den kürzlich aufgestellten Stelen sind die Namen bereits verlängert worden, auf ihnen prangt nun «Binningen Schloss» und «Bottmingen Schloss».

Hinter dieser Verlängerung steckt aber nicht Baselland Tourismus oder die jeweilige Gemeinde, sondern die Baselland Transport, wie deren Direktor Andreas Büttiker auf Anfrage erklärt: «Wir nutzen den Fahrplanwechsel, um im gleichen Zug auch einige Haltestellennamen zu ergänzen – oder wohl eher: zu präzisieren.»

«Sorgt für Klarheit»

Die Massnahme drängte sich laut Büttiker wegen der Digitalisierung der Fahrpläne auf. Stationsnamen, die nur einen Ortsnamen enthalten, könnten bei der Online-Suche für Verwirrung sorgen. In Binningen etwa gibt es schon zwei Stationen mit Binningen im Namen, nämlich Binningen Kronenplatz und Binningen Oberdorf. «Wir haben nun, sagt Büttiker, «auch Binningen zu Binningen Schloss erweitert. Wer nach Binningen sucht, erhält neu alle drei Vorschläge. Das ist praktischer und sorgt für Klarheit.»

Auch das Bundesamt für Verkehr (BAV) empfiehlt diese Praxis. «Bedienen mehrere Stationen dieselbe Ortschaft», heisst es in den BAV-Richtlinien zur Schreibung von Stationsnamen, «so werden sie auch durch Beifügungen zum Ortschaftsnamen unterschieden.» Neben Binningen und Bottmingen betrifft diese Regelung acht weitere Stationen auf dem BLT-Netz. Einige davon, etwa Leymen, sind die einzigen in ihrer jeweiligen Ortschaft. Trotzdem erhalten sie Zusätze. «Wir haben dies nun einheitlich geregelt», sagt Büttiker. «Jeder Ortsname erhält eine Präzisierung, auch wenn ein Ort nur einen öV-Halt aufweist.»

Zwei BLT-Halte heissen ab dem 13. November komplett anders: Ruchfeld und Schweizerhalle Clariant. Die Station Ruchfeld bedient die Münchensteiner Hälfte des Dreispitz-Areals. Sie heisst neu «Freilager», benannt nach dem gleichnamigen Gebäude gleich vor der Station, das aber nicht mehr diese Funktion besitzt. Die Umbenennung veranlasst hat laut Büttiker die Christoph Merian-Stiftung, die Grundeigentümerin des Dreispitz-Areals. Die CMS entwickelt derzeit das südliche Areal unter dem Namen Freilager. Im Fall von Schweizerhalle waren es ebenfalls die Eigner, die einen neuen Namen wünschten: Die Endhaltestelle der Buslinie 60 heisst neu «Muttenz Infrapark».

«Für uns ist wichtig», sagt Büttiker, «dass die Menschen mit den Namen von Haltestellen etwas anfangen können, dies ist in beiden Fällen gegeben.» Vor allem Ruchfeld, ein Flurname, ist laut dem BLT-Direktor kaum noch bekannt – Freilager hingegen wird sich als Ortsname etablieren.

«Dorf» verdrängt «Post»

Das Bundesamt für Verkehr empfiehlt in seinen Richtlinien, Stationsnamen nur zurückhaltend zu ändern, denn dies könne «grosse Emotionen auslösen». Es hat als oberste Instanz sämtliche Neubenennungen im Tarifverbund Nordwestschweiz stattgegeben. Als Quelle von Namen sei auf «vertraute geografische Namen der Landesvermessung» zurückzugreifen; Fantasie- oder Marketingnamen sind unerwünscht. Grundsätzlich nicht als Stationsnamen verwendet werden dürften Namen von Unternehmen – ausser, wenn sich diese auch als Ortsnamen eingebürgert haben.

Ein Unternehmen tilgt seinen Namen gleich selber aus den Haltestellenplänen: Bei vier Haltestellen in der Nordwestschweiz entfernt die Postauto AG den Namenszusatz «Post». Das habe nichts mit der Digitalisierung zu tun, sagt Mediensprecher Urs Bloch auf Anfrage, sondern mit dem Strukturwandel. «In den betroffenen Gemeinden hat es gar keine Poststelle mehr.» Man wolle, ergänzt Bloch, verhindern, dass auswärtige Fahrgäste die Post suchen würden, «womöglich vergeblich». Die Postauto-Halte haben andere Ergänzungen erhalten, einmal das nüchterne Dorf.

Auswüchse bei Stationsnamen, wie sie das Bundesamt für Verkehr untersagt, sind schon wegen der international geltenden Zeichenbegrenzung kaum zu befürchten: Spätestens nach 30 Zeichen ist in jedem Fall Schluss.

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