Wein

Prämierte Baselbieter Weine auch ohne Kürung

Die vier Gewinner.

Die vier Gewinner.

Aus der Not eine Tugend gemacht: Die Kürung des Baselbieter Staatswein war wegen der Coronakrise nicht möglich. Deshalb stellte der Weinproduzentenverband kurzfristig auf einen anderen Wettbewerb um.

Dieser Tage hätte zum fünften Mal die Kürung des Baselbieter Staatsweins in vier Kategorien stattfinden sollen. Doch auch für diesen Anlass durchkreuzte die Coronakrise die Pläne der Veranstalter. Diese liessen sich aber nicht in die Knie zwingen und führten kurzerhand mit fünf auswärtigen Profidegustanten einen Wettbewerb durch, um die vier Baselbieter Weine des Jahres 2020 zu bestimmen (siehe Box).

«65 Weine wurden eingereicht», verriet Paul Leisi, der Präsident des Verbands der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn, gestern an einer Medienkonferenz im Basler «Teufelhof», wo die siegreichen Winzer die Diplome erhielten. 150 Pakete mit vier Flaschen der prämierten Weine gelangen nun für je 70 Franken in den Verkauf. Damit soll die Vermarktung von hiesigen Weinen, deren Produzenten wegen des Lockdowns mit geschlossenen Gaststätten vorübergehend ihre Absatzkanäle verloren haben, unterstützt werden.

Der Leiter des Ebenrain-Zentrums in Sissach, Lukas Kilcher, verspricht, die Kürung des Baselbieter Staatsweins im kommenden Jahr gewohnt würdevoll im Schloss Ebenrain zu organisieren, was heuer nicht möglich gewesen wäre. Sie hätte durch Schutzmassnahmen ihre Ausstrahlung verloren.
«2019 war ein herausforderndes und arbeitsintensives Rebjahr», erzählte der seit April amtierende Rebbaukommissär Urs Weingartner. Für die Weinbauern war es nicht einfach, die Pilzkrankheiten Echten Mehltau und Falschen Mehltau zu bekämpfen. Die Summe aller Einflüsse hat den Sönderungsaufwand – das Trennen des gesunden vom faulen und unreifen Traubengut – erhöht und die Menge der Gesamternte auf einen knapp mittleren Ertrag von 764 Tonnen Trauben verringert. 2018 wurde mit 1026 Tonnen die drittgrösste Ernte seit zwei Jahrzehnten eingefahren.

Hohe Qualität trotz Wetterextremen

«Die Qualität des Weinjahrgangs 2019 ist ausgezeichnet», freut sich Weingartner und verweist auf die Witterungsverhältnisse: Der kühle Frühling mit zwei Spätfrostphasen Mitte April und Anfang Mai hemmte das Wachstum der Reben und führte teils zu Ertragsreduktionen. Ab Juni sorgte der drittwärmste Sommer seit Messbeginn 1864 wie im Vorjahr für eine vorzeitige Blüte, eine rasche Entwicklung und einen unerwartet frühen Erntebeginn schon ab Mitte September. Der Blauburgunder erreichte im vergangenen Jahr durchschnittlich 95,2 Grad Oechsle. Der Riesling-Sylvaner erlitt gebietsweise beträchtliche Sonnenbrandschäden, erreichte jedoch mit 81,3 Grad Oechsle einen nahezu identischen Wert wie 2018 (81,4).

Die Rebfläche im Baselbiet misst 114 Hektaren, was einem knappen Prozent der gesamten Schweizer Rebfläche entspricht. Zwei Drittel im Kanton Baselland sind mit roten Trauben bestockt. Aesch ist mit 22,3 Hektaren die grösste Weinbaugemeinde vor Maisprach (18,2) und Sissach (14,1).

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