Herbstsynode

Präventionspaket: Synode kämpft gegen sexuelle Ausbeutung

«Null Risiko ist nicht möglich», meint Stephan Ackermann, Mitglied des Baselbieter Kirchenrats. Aber er beantragt ein Präventionspaket. (Symbolbild)

«Null Risiko ist nicht möglich», meint Stephan Ackermann, Mitglied des Baselbieter Kirchenrats. Aber er beantragt ein Präventionspaket. (Symbolbild)

«Nicht erst seit MeToo ist die Grenzverletzung ein mediales Thema im Kontext mit den Kirchen.» Der Baselbieter Kirchenrat will Massnahmen in Prozessen und Strukturen verankern.

«Null Risiko ist nicht möglich», schränkte Stephan Ackermann, Mitglied des Baselbieter Kirchenrats, ein. Aber man könne das Bestmögliche tun, um sexueller Grenzverletzung vorzubeugen. Ackermann beantragte der Herbstsynode, die gestern im Landratssaal tagte, ein Präventionspaket.

Mitarbeitende der Kantonalkirche und Kirchgemeinden, die regelmässig in Kontakt mit Minderjährigen oder anderen besonders Schutzbedürftigen kommen, besuchen eine obligatorische Schulung zur Prävention sexueller Ausbeutung. Dazu wird ein Posten von 30'000 Franken ins Budget 2020 der Evangelisch-Reformierten Kirche (ERK) Baselland aufgenommen. Die Teilnahme gilt als Arbeitszeit.

Der Kirchenrat wolle die Mitarbeitenden der Kantonalkirche und der Kirchgemeinden sensibilisieren, sagte Ackermann: «Nicht erst seit MeToo ist die Grenzverletzung ein mediales Thema im Kontext mit den Kirchen.» Der Vorschlag beruhe auf dem Konzept von «Limita», einer Fachstelle für Prävention von sexueller Ausbeutung, das Schutzkonzept setze sich zusammen aus sechs Bausteinen: Personalmanagement, Wissensmanagement, Beteiligungsmanagement, Risikomanagement, Krisenmanagement, Beschwerdemanagement und Präventionsmanagement. «Die Massnahmen sind in den Prozessen und Strukturen zu verankern», so Ackermann.

«Jede Grenzverletzung ist eine zu viel»

Die Weiterbildung begrüsse sie, doch müsse der Antrag des Kirchenrates präzisiert werden, forderte Erna Reimann. Gemeinsam mit Sonja Tozzo, Markus Maurer und Nino Carbonetti beantragte sie, Absolventen des Kurses sollten ein schweizweit anerkanntes Zertifikat erhalten. Personen mit zeitgemässem Ausweis zur Thematik «Nähe und Distanz» sollten zudem von der Ausbildung befreit werden. Ackermann merkte an, ob ein Zertifikat anerkannt werde, könne nicht im Baselbiet entschieden werden. Das entscheide, wer jemanden einstelle.

Kirchenratspräsident Martin Stingelin setzte zu einem Plädoyer an. Um festzustellen, ob unterschiedliche Ausbildungswege zu gleichen Zielen führten, bedürfte es einer Äquivalenzprüfung. «Wollt ihr wirklich eine solche Prüfung für eine eintägige Weiterbildung, die ich schlicht und einfach als notwendig betrachte?» Selbstverständlich werde in der Praxis darauf geachtet, dass es keine Doppelspurigkeiten gebe – eine Praxisregelung, die sich einspielen werde. «Wir bewegen uns in einem öffentlichen Raum, und jede einzelne Grenzverletzung ist eine zu viel», sagte Stingelin, «wir stehen als Kirche in der Öffentlichkeit und haben eine Verantwortung. Ich bitte euch, diese Verantwortung wahrzunehmen und das nicht gleich mit Einschränkungen zu verbinden.»

Das Anliegen wurde klar angenommen

Unterstützung gab es unter anderem von Andreas Olbrich, Pfarrer der Kirchgemeinde Reigoldswil-Titterten. Als Pfarrer sei er «sehr dankbar» für die Weiterbildung.
Die Synode unterstützte den Kirchenrat klar. Auch jene, die den Antrag zur Ergänzung gestellt hatten. 60 Mitglieder der Synode folgten dem Kirchenrat, eines enthielt sich.

Meistgesehen

Artboard 1