Verhaftung

Pratteler Musiker in türkischem Hochsicherheitstrakt: Warum wird dieser Mann festgehalten?

Die Polizei holte ihn nach einem Auftritt ab: Sänger Yilmaz Celik, hier bei einem Konzert im April 2018. (zvg / facebook)

Die Polizei holte ihn nach einem Auftritt ab: Sänger Yilmaz Celik, hier bei einem Konzert im April 2018. (zvg / facebook)

Yilmaz Celik wird in einem Hochsicherheits-Gefängnis in Ostanatolien festgehalten. Die Angehörigen in der Schweiz fragen sich, weshalb.

Es sollte eine Tournee werden, wie er sie schon Dutzende Male gemacht hat. Anfang Dezember reiste Yilmaz Celik aus Pratteln in die Osttürkei, um Konzerte zu geben. Doch nach einem Auftritt am Sonntag in der Stadt Tunceli warteten Polizisten auf ihn. Wie seine Familie erzählt, kam der 50-Jährige zuerst in Untersuchungshaft und später in ein Hochsicherheitsgefängnis, wo er noch immer einsitzt. «Wir konnten noch nicht mit ihm sprechen», sagt sein Sohn, der wie der Vater in Pratteln wohnt, zur «Schweiz am Wochenende». Nur sein Anwalt habe Kontakt zu ihm.

Yilmaz Celik ist in der kurdischstämmigen Community bekannt. Er gehört zur Untergruppe der alevitischen Zaza und singt in der gleichnamigen Sprache. Er könne sich die Inhaftierung nicht erklären, sagt der Sohn: «Mein Vater ist Sprachrohr unserer Kultur. Aber er hat sich nie politisch geäussert und ist auch nicht Mitglied der kurdischen Arbeiterpartei PKK oder einer ähnlichen Organisation.»

Jemand muss Yilmaz Celik angeschwärzt haben, vermuten die Angehörigen. Der offizielle Verhaftungsgrund laute auf Mitgliedschaft in einer linksorientierten Organisation.

Pikant: Yilmaz Celik hat laut seinem Sohn den türkischen Pass schon vor Jahren abgegeben, womit er alleinig Schweizer Staatsbürger ist. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) schreibt auf Anfrage, sie könne keine detaillierten Auskünfte zu Verhafteten erteilen, aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes. Sie habe jedoch Kenntnis von einem Schweizer, dem im Dezember in der Türkei die Freiheit entzogen wurde. Eine Ausreise sei ihm derzeit nicht möglich. «Eine weitere Person befand sich bereits in Haft; zusätzlich dürfen zwei Schweizer Staatsangehörige wegen laufender Verfahren die Türkei momentan nicht verlassen.»

Die Verhaftung von Yilmaz Celik hat die kurdischstämmige Gemeinschaft in der Region aufgeschreckt. Der Basler SP-Nationalrat Mustafa Atici, der selber kurdische Wurzeln besitzt, sagt auf Anfrage: «Wir wissen auch von anderen Personen, die beim Besuch von Angehörigen in der Türkei Probleme hatten. Die Situation ist wirklich unangenehm.» Um unter Verdacht zu geraten, reiche es manchmal schon, in sozialen Netzwerken Beiträge zu liken, die Demokratiedefizite in der Türkei thematisieren. Die aussenpolitische Kommission des Nationalrats sei über den Fall im Bild, sagt Atici. Grosse Hoffnung hege er keine. «Die Beziehungen zur Türkei sind angespannt.»

Sohn will trotz Bedenken in die Türkei reisen

Der Sohn will nicht auf die Politik warten. «Ich fliege am Dienstag nach Istanbul», sagt der 27-Jährige. Von dort gehe es weiter nach Elazig, wo sich das Gefängnis befindet. «Ich will meinen Vater besuchen und kann nur hoffen, dass alles gut geht. Aber einfach hierbleiben und nichts tun, ist keine Option.»

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