Kein Investor

Pratteln kann aufatmen: Das Rohner-Areal wird definitiv chemiefrei

Der alte Rohner-Turm (Bildmitte) liegt näher an den Prattler Wohnquartieren als andere Chemiebetriebe. Nun wird er zurückgebaut und macht Wohnraum Platz.

Die Besitzerin des Areals der Rohner AG, Hiag, bestätigt, dass die Verhandlungen mit dem letzten interessierten Investor gescheitert sind. Die chemischen Anlagen werden nicht weiterbetrieben. Jetzt entsteht nahe des Prattler Bahnhofs lukrativer Wohnraum.

Nie wieder. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Prattler Bevölkerung mit Sorge auf das Areal zwischen dem Wohnquartier Hexmatt und den Bahngleisen geblickt hat. Wo es 2016 zu einer grossen Explosion kam, immer wieder üble chemische Gerüche entstanden – und wo höchstwahrscheinlich auch die Quelle der Grundwasserverschmutzung liegt. Denn das Gelände, auf dem der Chemiebetrieb Rohner bis zu seinem Konkurs vergangenen Juni aktiv war, wird zu Wohnraum entwickelt.

Die Basler Arealbesitzerin Hiag AG bestätigte heute Montag gegenüber der bz, dass die letzten Verhandlungen mit einem potenziellen Investor, der die chemischen Anlagen hätte weiterbetreiben können, gescheitert sind.

Interessierte Investoren wollten zu wenig zahlen

«Der Interessent war nicht bereit, uns die nötigen Sicherheiten eines langfristigen Investments zu bieten und für uns war stets klar, dass wir keinen zweiten Fall Rohner wollen», sagt Ralf Küng, Leiter des Portfoliomanagement der Hiag. Dabei wäre das Szenario Weiterführung des Chemiebetriebs für die Arealentwicklerin Hiag wünschenswert gewesen, um die Mietverluste gering zu halten und den eigenen Entwicklungszeitplan nicht vorziehen zu müssen. Doch Küng hält fest: «Nicht zu jedem Preis.»

Auch das Betreibungs- und Konkursamt Baselland bestätigt das Scheitern. Für das Amt, das in erster Linie bedacht ist, die Gläubiger zu befriedigen, die zusammen über zwölf Millionen Franken einfordern, war etwas anderes entscheidend: «Keiner der Interessenten war bereit, den von uns geforderten Preis zu bezahlen», sagt Amtsleiter Reto Tschudin. Jetzt werden die Vermögenswerte der Rohner AG einzeln veräussern.

Dass aus dem Chemie- nun ein Wohnareal werden soll, bekräftigt Küng: «Wir sind schliesslich keine Chemie-, sondern eine Immobilienfirma.» Der Prozess wird allerdings dauern. Schon bald wird Hiag beginnen, alle Gebäude und Anlagen «chemiefrei» zu machen, also sie professionell säubern zu lassen. Neun bis zwölf Monate soll dies laut Küng dauern. Dazu gehört auch, die immer noch auf dem Areal gelagerten chemischen Flüssigabfälle fachgerecht zu entsorgen. «Das Gebiet für Bevölkerung und Umwelt sicher zu machen, hat für uns oberste Priorität.»

Altlastensanierung dauert noch drei Jahre

Darauf achtet auch das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE), das den Prozess eng begleiten wird. Leiter Yves Zimmermann verlangt von der Hiag ein Vorgehens- und Entsorgungskonzept. Erst danach folgen der Rückbau der Gebäude und die altlastenrechtliche Sanierung des Bodens. Letztere läuft laut AUE bereits seit 2005 und werde «in den kommenden drei Jahren intensiviert». Im Fokus stehe eine Bodenluftabsaugung zur Behebung älterer Schäden mit chlorierten Lösungsmitteln. Kostenpunkt: zwei Millionen Franken. Dafür liegt eine Bankgarantie vor. Zimmermann betont, dass bei eventuellen Neubauvorhaben der Aushub dann ebenfalls «gesetzeskonform entsorgt werden muss».

Gross ist die Erleichterung derweil in Pratteln. Von der bz über die neusten Entwicklungen informiert, sagt Gemeindepräsident Stephan Burgunder: «Gut, besteht nun endlich Klarheit. Ich begrüsse die Stossrichtung der Hiag.» Für die Gemeinde stehe im Vordergrund, dass das Areal nun möglichst rasch chemiefrei gemacht werde. Parallel dazu solle Hiag die Arealplanung anpacken, denn Burgunder weiss: «Bis die ersten Bagger auffahren können, dauert es sicher vier Jahre.»

Deutlich euphorischer ist Stephan Ackermann von den Unabhängigen Pratteln: «Ich bin froh, fällt nun die ständige Unsicherheit weg. Ich kenne Anwohner, die kurz bevor die Explosion von 2016 Gebäudehüllenteile auf die Strasse schleuderte, dort durchgelaufen waren.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1