«Den Bus beerdigt»

Prattler Einwohnerrat manövriert den Ortsbus in die Sackgasse

«Mit diesem Antrag habt ihr den Bus beerdigt. Und wenn ihr jetzt die Vorlage zurückweist, dann reicht die Zeit nicht mehr», warnte Gemeindepräsident Beat Stingelin.

«Mit diesem Antrag habt ihr den Bus beerdigt. Und wenn ihr jetzt die Vorlage zurückweist, dann reicht die Zeit nicht mehr», warnte Gemeindepräsident Beat Stingelin.

Das Gemeindeparlament von Pratteln legt die Vorlage zur Weiterführung des Ortsbusses auf Eis. Wegen knapper Fristen für den neuen Fahrplan bedeutet dies wohl das Aus.

Der Prattler Ortsbus war der SVP schon bei dessen Einführung ein Dorn im Auge. Die geplante Weiterführung des Versuchsbetriebes wollte sie am Montag im Prattler Einwohnerrat nun mit Nichteintretens- und Rückweisungsanträgen sowie einer Kürzung des weiteren Probebetriebes auf zwei statt drei Jahre verhindern.

Alle SVP-Anträge scheiterten, aber nach zweistündiger Debatte gelang der Partei das Kunststück dennoch: Mithilfe der Unabhängigen Pratteln erreichte sie eine Sistierung der Vorlage, und damit ist der Ortsbus wegen der knappen Fristen für die vorgeschriebene Fahrplanabstimmung wohl Geschichte.

Schulterzucken im Parlament

Konkret sollte die heutige Linie 79 künftig nicht mehr via Lachmatt zum Erlebnisbad Aquabasilea verkehren, sondern nach der Haltestelle Rosenmatt südlich über die Wartenbergstrasse via Schmittiplatz zum nördlichen Bahnhofseingang zurückkehren. So könnte mit nur einem Bus gleich auch das Gebiet Grüssen (Linie 82) bedient werden, womit sich die Kosten von bislang 825'000 Franken auf jährlich rund 480'000 Franken verringern würden.

Dass das Aquabasilea nicht mehr bedient werden soll, sorgte am Montag im Gemeindeparlament bloss für Schulterzucken, doch auf Antrag von Christoph Zwahlen (Unabhängige) verlangte die Mehrheit weitere Haltestellen beim Bahnhof, am Lumimarkt sowie bei der Aegelmatt. Der verhängnisvolle Entscheid fiel mit 18 zu 17 Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Damit ist der Fahrplan aber wohl Makulatur: «Mit diesem Antrag habt ihr den Bus beerdigt. Und wenn ihr jetzt die Vorlage zurückweist, dann reicht die Zeit nicht mehr», warnte Gemeindepräsident Beat Stingelin. Die zusätzlichen Haltestellen sowie insbesondere der Umweg via Aegelmatt sei mit nur einem Bus ohne Verspätungen nicht machbar. Damit wäre man kostenmässig wieder bei zwei Bussen angelangt.

Danach beschloss der das Parlament, das Geschäft zu sistieren: Bis zur nächsten Sitzung im Juni soll der Gemeinderat aufzeigen, welche Fahrplanänderungen möglich sind. Die Vernehmlassung für den Fahrplan ab Dezember läuft allerdings bereits, es ist unklar, ob grobe Änderungen noch möglich sind. Im schlimmsten Fall würde der Ortsbusbetrieb im Dezember eingestellt.

Nur zwölf Fahrgäste pro Stunde

Der Probebetrieb läuft bereits seit Dezember 2012, die Linie 79 transportiert allerdings im Durchschnitt nur zwölf Fahrgäste pro Stunde. Die Fahrgastzahlen wurden allerdings nur pauschal pro Quartal mitgeteilt, der Rat verlangte künftig genauere Zahlen, zum Beispiel pro Haltestelle. Nach einem weiteren dreijährigen Probebetrieb hätte vor dem Dezember 2018 über die definitive Einführung des Ortsbusses entschieden werden sollen.

Unklar sind die Folgen nun auch für die kaum umstrittene und besser ausgelastete Linie 82 im Gebiet Grüssen: Deren Weiterführung hängt vom gleichen Kreditbeschluss ab, den der Einwohnerrat am Montag vertagte.

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