Jugendarbeit

Prattler Jugendliche treffen die boxende Kobra

Im Jugi Pratteln treffen sich Jugendliche und der Boxer Arnold «The Cobra» Gjergjaj zum Diskussionsabend. In der Mitte des Raumes: Arnold Gjergjaj und der Jugileiter Geleg Chodak. Martin Töngi

Im Jugi Pratteln treffen sich Jugendliche und der Boxer Arnold «The Cobra» Gjergjaj zum Diskussionsabend. In der Mitte des Raumes: Arnold Gjergjaj und der Jugileiter Geleg Chodak. Martin Töngi

Boxer Arnold Gjergjaj, alias «The Cobra», spricht mit Jugendlichen über Sport und Gewalt. Und natürlich führt der 28-Jährige auch vor, wie er seine Gegner innerhalb von wenigen Minuten auf die Bretter schickt – allerdings nur am Sandsack.

Begegnungen mit Arnold Gjergjaj dauern nicht sehr lange. Der 28-Jährige Boxer «The Cobra» braucht in der Regel wenige Minuten, um einen Gegner auf die Bretter zu schicken. 18 Siege aus ebenso vielen Profikämpfen sprechen für sich.

Einen guten Ruf geniesst Gjergjaj aber nicht nur in der Boxszene, sondern auch in Pratteln, wo er seit seinem 14. Altersjahr lebt. Albert Dani von der katholischen Jugendarbeit Pratteln-Augst erzählt, dass er seit seinem Amtsantritt vor rund zwei Jahren ständig auf den Boxer angesprochen wurde. «‹Als Albaner musst du doch Arnold kennen›, hiess es immer wieder», erinnert sich Dani, der die Idee hatte, einen Anlass mit dem Lokalhelden auf die Beine zu stellen.

Schüchterne Jugendliche

Letzten Samstagabend ist es dann so weit: Der Schwergewichtler und sein Trainer Angelo Gallina kommen in den Jugendtreffpunkt Pratteln, um mit rund 20 Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, viele mit Migrationshintergrund, zu diskutieren. Thema des Anlasses: «Respekt! Sport überwindet Grenzen». «Wir wollten uns an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren, die sich in einem Alter befinden, in dem sie schwierige Entscheidungen zu Berufswahl, Schule oder der Abnabelung von zu Hause treffen müssen», erklärt Geleg Chodak, der Leiter des Jugendtreffpunkts. Weil in solchen Momenten ein Sozialpädagoge nicht so gut ankomme, könnten Vorbilder wie Gjergjaj Orientierung bieten.

Weil die Jugendlichen zu Beginn ziemlich schüchtern sind, stellen Chodak und Gemeinderätin Elisabeth Schiltknecht Fragen. Arnold Gjergjaj wirkt ebenfalls scheu und überlässt seinem Trainer die längeren Antworten. Angelo Gallina versteht es, die Teenager nach und nach einzubeziehen, sodass die Atmosphäre immer lockerer wird. Als Gallina beispielsweise erklärt, dass ein Kopfball beim Fussball genauso gefährlich sein könne, wie ein Schlag an den Kopf, unterbricht ihn Gjergjaj: «An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich in meiner Freizeit sehr gern Fussball spiele!»

«Boxen ist keine Gewalt»

Auch ernstere Themen kommen zur Sprache. So will Dani von Gjergjaj wissen, wie es sei, als Boxer das Klischee vom gewalttätigen Albaner zu bedienen. Der gebürtige Kosovare, der mit seiner Familie 1998 in die Schweiz geflüchtet ist, relativiert: «Boxen ist keine Gewalt. Wir kämpfen zwar im Ring gegeneinander, doch vor- und nachher sind wir Kollegen.»

Auch dem Vorurteil des gewaltbereiten Albaners widerspricht er: «Wir sind sieben Geschwister und ich bin der Einzige, der boxt. Meine Familie wollte es mir aus Angst vor Verletzungen sogar ausreden. An meinem Beispiel funktioniert die Theorie, dass die Albaner ein gewalttätiges Volk sind, schon mal nicht.» Der Sportler sieht die Wurzeln der Gewalt in Familien, «bei denen die Eltern fast nie zu Hause sind und kaum mit ihren Kindern sprechen.»

Nach der Diskussion demonstriert der Boxer am Sandsack, den er in seiner Jugend regelmässig bearbeitet hat, seine Fähigkeiten. Beim gemeinsamen Essen, bei dem es in Anspielung auf Gjergjajs «zwei Herzen» albanische und Schweizer Spezialitäten gibt, weiter diskutiert. Vor albanischem Essen «warnt» der Boxer: «Jedes Mal, wenn ich über Weihnachten meine Verwandten im Kosovo besuche, nehme ich zehn Kilo zu!»

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