Interview

Prattler Musiker im Türkischen Knast – sein Sohn durfte ihn während einer Dreiviertelstunde besuchen

Das Foto stammt aus besseren Zeiten: Asmen (l.) und Yilmaz Celik, der in der Türkei im Gefängnis sitzt, angeblich wegen Agitation.

Das Foto stammt aus besseren Zeiten: Asmen (l.) und Yilmaz Celik, der in der Türkei im Gefängnis sitzt, angeblich wegen Agitation.

Der Prattler Musiker Yilmaz Celik sitzt in der Türkei in Haft. Sein Sohn konnte ihn jetzt besuchen. Er traf ihn, als er gerade aus der zehntägigen Isolationshaft kam.

Als er abreiste, konnte er nicht wissen, ob man ihn nicht auch gleich einbuchten würde. Asmen Celik aus Pratteln machte sich vergangene Woche auf nach Elazig in der Osttürkei. Der 27-Jährige wollte seinen inhaftierten Vater besuchen. Yilmaz Celik ist Musiker und gehört dem alevitischen Zweig der Minderheit der Zaza an. Im von zu grossen Teilen von Kurden bewohnten Ostanatolien geniesst Celik grosse Bekanntheit. Der 50-Jährige war Anfang Dezember nach einem Auftritt in der Stadt Tunceli von Polizisten abgeholt und verhaftet worden, angeblich wegen politischer Agitation. Er wurde in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht.

Nach einigen Schikanen durfte der Sohn am vergangenen Mittwoch während einer Dreiviertelstunde mit dem Inhaftierten sprechen – jedoch nur durch eine Glasscheibe und via eine Gegensprechanlage. Nach seiner Rückkehr hat Asmen Celik mit der bz über seine Eindrücke gesprochen.

Wie geht es Ihrem Vater?

Asmen Celik: Es geht ihm gut, den Umständen entsprechend. Er war emotional bei unserem Treffen, aber machte trotzdem einen gefassten Eindruck. Ich staunte – ich wüsste nicht, wie es mir gehen würde. Als ich ihn sehen durfte, kam er gerade aus der Isolationshaft.

Was bedeutet das?

Er war zuvor zehn Tage in einer Einzelzelle eingesperrt, ohne Tageslicht, ohne die Möglichkeit, nach draussen zu gehen. Es gab auch keine Dusche. Aber ich glaube nicht, dass man ihn geschlagen oder gedemütigt hat.

Konnten Sie mit ihm über die Haftbedingungen sprechen?

Nein. Das wäre wohl nicht so gut gewesen. Man konnte uns ja zuhören. Aber der Anwalt sagte, er werde einigermassen gut behandelt.

Ist das so, weil er ausschliesslich Schweizer ist?

Das kann ich mir gut vorstellen. Als Schweizer hat er einen gewissen Schutz. Die Bekanntheit spielt aber sicher auch eine Rolle. Musikerfreunde setzten sich für ihn ein. Auch haben Zeitungen wie «Cumhuriyet» und türkische TV-Sender über den Fall berichtet.

Aber beunruhigt ist er wohl trotzdem.

Ja. Er sagte, er könne nicht gut schlafen. Und das Essen sei grausam gewesen in der Isolationshaft. Ich hatte ein Medikament dabei, «Ramipril», gegen seinen Bluthochdruck. Doch ich durfte es ihm nicht geben. Es hiess, nur der Gefängnisarzt dürfe Tabletten verschreiben. Immerhin kann er jetzt, wo er in einer normalen Dreierzelle sitzt, auch Lebensmittel kaufen und sich zum Beispiel selber etwas aufwärmen.

Hatte Ihr Vater Unterstützung von Schweizer Behörden, wie etwa von Botschaftsangehörigen?

Ja. Leute von der Botschaft besuchten ihn. Das war aber nach meinem Besuch.

Vor Ihrer Abreise hatten Sie Bedenken, dass auch Sie in Schwierigkeiten kommen könnten. Wie gestaltete sich die Einreise?

Völlig problemlos. Ich bin Doppelbürger, anders als mein Vater, der seinen türkischen Pass schon lange abgegeben hat. Ich zeigte bei der Einreise meine beiden Pässe. Sie hätten ja sowieso gemerkt, dass ich Doppelbürger bin, die Namen sind im System hinterlegt. Zum Glück ging alles gut.

Hatten Sie Kontakt mit der Schweizer Botschaft?

Ja, vor der Abreise, mit dem Schweizer Konsulat in Istanbul und mit dem Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit. Sie machten mich darauf aufmerksam, dass ich auf eigenes Risiko reise.

Wurde Ihr Vater auch von Politikern kontaktiert?

Ja, von Sibel Arslan und Mustafa Atici (Grünen-Nationalrätin und SP-Nationalrat, beide Basel-Stadt, Anm. d. Red.).

Wie geht es weiter?

Es heisst, er werde Ende Dezember dem Richter vorgeführt. Die Anklage lautet noch immer auf Mitgliedschaft in einer linksgerichteten Organisation und Propaganda. Doch das trifft überhaupt nicht zu. Mein Vater ist kein politischer Mensch. Er war wirklich nur dort, um Musik zu machen. Aber offenbar reicht das derzeit schon, um verdächtigt zu werden.

Wann fliegen Sie wieder in die Türkei?

Vorerst gehen ihn mein Onkel und meine Grossmutter besuchen. Dann sehen wir weiter.

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