GGS Holzbau

Preisgekrönt: Diese Firma aus Gelterkinden setzt auf nachhaltige Unternehmensnachfolge

Preisgekrönt: Christoph Gasser (von links), Daniel Ritter, Patron Rolf Gasser, Marc Buess und Bernhard Thommen.

Preisgekrönt: Christoph Gasser (von links), Daniel Ritter, Patron Rolf Gasser, Marc Buess und Bernhard Thommen.

Keine Rede von Schnellschuss: Wie die GGS Holzbau ihre Nachfolge geregelt hat und weshalb sie dafür ausgezeichnet worden ist.

Die 1982 von Rolf Gasser gegründete GGS Holzbau AG ist eine Erfolgsgeschichte. In diese Kategorie gehört auch die Nachfolgeregelung, die der Patron vor etwa vier Jahren angestossen hat. Neu bildet ein Quartett die Geschäftsleitung, Gasser ist Verwaltungsratspräsident. Die Firma aus Gelterkinden ist am Tag der Wirtschaft Ende November 2017 mit dem «Swiss Next Challenge» ausgezeichnet worden. Dieser Preis steht für nachhaltige Unternehmensnachfolge.

«Er ist die Bestätigung, dass wir das vorgegebene Konzept eines Treuhandunternehmens, wie wir es durchführen könnten, richtig umgesetzt haben», freut sich Rolf Gasser. Er weist auch stolz auf das «hochstehende» Gremium hin, das ihr Projekt bewertet hat. Die Jury besteht unter anderem aus Fachhochschul-Professoren. Für den 65-jährigen Bauingenieur war klar, dass eine Aussensicht erforderlich ist, um seine Nachfolge zu sichern. «Selber ist man wie in einer Blase gefangen», meint Gasser. Deshalb liess er sich extern beraten.

«Emotionen spielen mit»

Der Nachfolgeprozess wurde von langer Hand vorbereitet, von einem Schnellschuss keine Rede. Rund dreieinhalb Jahre dauerte er, in der Regel werden dafür fünf Jahre benötigt. Die GGS war schneller, weil das ganze Prozedere von Beginn weg gut funktioniert hat. Es gab in der Führungsetage keine personellen Wechsel. «Die erste Konstellation ging voll auf», resümiert Rolf Gasser.

Dass der Firmengründer nun allmählich loslassen muss, ist für ihn nicht ganz einfach. Er habe das anfänglich «völlig unterschätzt», gesteht er. Er müsse aber akzeptieren, dass die jungen Leute anders arbeiteten, teils auch viel besser – aus einer Aussensicht heraus eben. «Emotionen spielen ebenfalls mit», so der Patron, «meine Firma war neben der Familie mein Leben, mit Hochs und Tiefs wie überall.» Und wenn man von so was loslassen müsse, sei dies das Hauptproblem im Übernahmeprozess. Bis spätestens in fünf Jahren will sich Gasser vollständig aus dem Geschäft zurückziehen. Vorläufig braucht er den Arbeitsalltag noch.

Erleichtert ist der GGS-Gründer, weil er seine vier Nachfolger schon bestens kennt. Sohn Christoph Gasser (34), Bernhard Thommen (34) und Daniel Ritter (37) haben ihre Lehre als Zimmermann bei ihm absolviert. Danach arbeiteten sie in anderen Betrieben, kehrten jedoch zur GGS zurück. Haben die drei während ihrer Ausbildung als Stifte unter heute langjährigen Mitarbeitern gearbeitet, so sind sie nun plötzlich deren Chefs. Der vierte im Bunde ist der gelernte Spengler-Sanitär-Installateur Marc Buess (35). Die Kompetenzen in der neuen Führungsriege sind nach fachlichen Kriterien zugeteilt. Später soll nach einem bestimmten Turnus jeweils einer der vier das Verwaltungsratspräsidium innehaben.

Neue Halle wird gebaut

Der 65-jährige Gasser hat während der Nachfolgeplanung realisiert, «dass er für zu viele Sachen viel zu wenig Zeit gehabt hat». Das laufe nun viel besser. Vier Personen hätten mehr Möglichkeiten für einzelne Dinge in ihren Bereichen. Kommt hinzu, dass die Firma sich vor kurzem um zwei weitere Sparten erweitert hat: Montage von Photovoltaik- und Solaranlagen sowie Angebote für Umbauten und Gebäudesanierungen. Heuer wird neben dem bestehenden Firmengebäude eine neue Halle für die Spenglerei erstellt.

Angst wegen Spannungen innerhalb des Quartetts besteht nicht. «Das hat viel mit unserer Firmenkultur zu tun», erklärt Christoph Gasser. «Wir reden viel und offen miteinander und diskutieren die Themen immer aus.» Für Bernhard Thommen ist es gar ein Vorteil, zu viert zu sein. «Manchmal bin ich richtig froh um kritische Gegenfragen, wenn ich etwas vorbringe. Und wenn ich von meinen Kollegen das Okay habe, stärkt mich das.» Alle Geschäftsleitungsmitglieder schauten jede Sache von einer anderen Seite an, ergänzt Rolf Gasser. «Daraus ergeben sich Fragen und schliesslich auch gute Lösungen.»

Nicht immer eitel Sonnenschein

Der Patron und seine Nachfolger sind zu je 20 Prozent an der AG beteiligt. Gemäss Aktionärsbindungsvertrag wird jede Aktie nur zum Nominalwert gehandelt und zu gleichen Teilen. Die Wertpapiere gehen automatisch an die anderen Firmenbesitzer über, sollte jemand austreten.

Das Gelterkinder Holzbau-Unternehmen ist derzeit gut ausgelastet. Das neue Jahr habe gut begonnen, konstatiert Bernhard Thommen. «Der Preiskampf ist hart, aber es braucht ihn.» Ihre Stärke sei, dass sie rund um die Gebäudehülle ganze Pakete anbieten könnten. «Ein Idealfall», propagiert Thommen. Christoph Gasser weist auf den Wettbewerb hin. Dieser sei in der Region «sehr gross». Wegen des harten Markts gebe es immer wieder Konkurrenten, die mit tiefen Preisen lockten. «Wir haben eine klare Linie und versuchen, diese durchzuziehen», betont Christoph Gasser.

Aber nicht immer herrschte bei der GGS eitel Sonnenschein. Der Gründer erzählt von früher, als die Wirtschaft schwächelte und er deswegen sieben Leute entlassen musste. «Das war eine ganz schwierige Zeit. Ich kannte alle sehr gut, das war auch für mich hart, eine echte Krise», erinnert er sich.

«Seid mutig», gibt Rolf Gasser seinen Nachfolgern mit auf den Weg. Und er rät diesen, die offene Kommunikation und die Firmenkultur beizubehalten.

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