Die vorgeschlagene Änderung des Bildungsgesetzes verdient es, abgelehnt zu werden. Das bedeutet nicht, dass die Argumente der Befürworter der Abschaffung der Privatschulpauschale falsch wären. Einer Gesetzesänderung aber mit derart unvorhersehbaren Auswirkungen ist der Status quo vorzuziehen.

Die Regierung hat es sich mit der reinen Abbauvorlage zu einfach gemacht und die Chance verpasst, in der Frage der Privatschulfinanzierung eine wirklich zukunftsfähige Lösung aufzugleisen. Für künftige neue Anläufe in dieser Frage darf nichts Geringeres der Anspruch sein. Dafür sind die Privatschulen in Baselland ein zu wichtiger Partner. Sollte allerdings Baselland am 24. September Ja zur Abschaffung der Elternbeiträge sagen, beendet der Kanton abrupt eine jahrzehntelange Partnerschaft und gibt mehrere der alteingesessenen Privatschulen mutwillig einer ungesicherten Zukunft preis. Das Argument, dass sich in Zeiten der Finanznot der Staat auf seine eigenen Schulen konzentrieren muss, ist an Kurzsicht kaum zu überbieten – ganz abgesehen davon, dass niemand belegen kann, ob es durch die Änderung des Bildungsgesetzes überhaupt zu irgendwelchen Einsparungen kommt.

Richtig ist, dass das Prinzip der bedingungslosen Pauschalbeiträge an alle Eltern («Giesskannenprinzip») überholt ist. Doch genau darin liegt das Problem der Debatte, wie sie bisher in Parlament und Abstimmungskampf geführt worden ist. Die Privatschulung wird heute automatisch mit reichen Expat-Familien assoziiert, für deren Sprösslinge die Staatsschulen nicht gut genug sein sollen und darum den Nachwuchs lieber an noble, teure «International Schools» schicken. Dass diese Haltung den Reflex provoziert, solchen Privilegierten nicht noch 2500 Franken an Steuergeldern nachzuwerfen, ist nur allzu verständlich.

Doch leider ist es ein verzerrtes Bild, die meisten/fast alle Familien könnten sich auch ohne Zuschuss vom Staat die Privatbeschulung leisten. Die Anzahl von Expat-Kindern unter den Privatschülern ist zwar hoch, aber nicht erdrückend: «Nur» 43 Prozent jener 1500 bis 1600 Privatschüler, für die in Baselland die jährliche Pauschale ausgeschüttet wird, besuchen eine internationale Schule. Als vor über zwei Jahrzehnten das Baselbiet die Mitfinanzierung der Privatschulen mittels Elterngeld einführte, weil der bis dahin gängige Steuerabzug wegfiel, dominierte noch nicht die Abneigung vor der Herausbildung einer parallelen Eliten-Schulung nach angelsächsischem Vorbild. Sondern in der öffentlichen Debatte überwog die Erkenntnis, dass Staat und Volksschulen den Privatschulen dankbar sein müssen für die verantwortungsvolle Übernahme all jener Kinder, die von der staatlichen Lehrplan-Dampfwalze überrollt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Privatschulen dem Kanton und den Gemeinden jedes Jahr bis zu 35 Millionen Franken an Bildungsausgaben abnehmen.

An diesem Grundsatz hat sich bis heute nichts geändert. Zwischen den Extremen von reichen Eliteschule-Zöglingen und schulpsychologisch oder medizinisch indizierten Sonderbeschulungen, deren Kosten vollständig vom Staat übernommen werden, gibt es eben noch eine andere Zielgruppe: Geschätzt ein Drittel der Eltern von Privatschülern haben den Kantonsbeitrag dringend nötig. In der Regel fällen sie den Entscheid zum Privatschulbesuch wegen des Leidensdrucks ihrer Kinder an der öffentlichen Schule, und für das Schulgeld müssen sie an ihre finanziellen Grenzen gehen. Die Privatschulen ihrerseits tragen den finanziellen Nöten Rechnung, indem sie auch Kinder ohne kostendeckendes Schulgeld aufnehmen. Der Wegfall der bisherigen Pauschale würde jene am stärksten treffen, die sie am nötigsten haben. Die als Alternative vorgesehene Härtefallregelung werden nur wenige Familien in vollem Umfang in Anspruch nehmen können.

Nur vier Kantone leisten heute gar keine Beiträge an Privatschulen. Alle anderen unterstützen die Privatschulung; entweder über Direktzahlungen an die Schulen oder die Entlastung der Eltern. Baselland darf sich nicht aus diesem Kreis verabschieden.