Mepha

Produktionsbetrieb der Mepha in Aesch ist gefährdet

Betriebsgebäude von Mepha in Aesch

Betriebsgebäude von Mepha in Aesch

Eine Lösung für den Erhalt der Produktion der Mepha in Aesch könnten Gespräche mit Acino bringen. Es würden «weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Acino» geprüft, heisst es.

Die Mitarbeitenden der 1949 gegründeten Firma Mepha in Aesch haben in jüngster Zeit nichts zu lachen. Schon zwei Übernahmen innert kurzer Zeit haben sie hinter sich. Vergangenes Jahr übernahm die amerikanische Cephalon den grössten Generika-Betrieb der Schweiz. Grosse Umwälzungen in der Organisation waren die Folge. Kaum war dies vorüber, kam es schon wieder zu einer Umwälzung aller Pläne: Mitte Oktober gab in Jerusalem die Teva, der weltweit grösste Generika-Produzent bekannt, dass sie für 6,8 Milliarden Dollar Cephalon inklusive Mepha übernimmt.

Schon wieder beginnt für Mepha ein Integrationsprozess. Nur ist der Partner diesmal ein Riese: Teva beschäftigt weltweit 42000 Mitarbeitende und erzielte 2010 einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar. Mepha ist dagegen ein Zwerg, der in der Schweiz mit 520 Mitarbeitenden 2010 175 Millionen Franken umsetzte. Nun müssen sich erst Mepha und die bisherige Tochter Teva Schweiz zusammenschliessen. Immerhin: Die Teva-Gruppe will die Marken Teva und Mepha in der Schweiz weiter verwenden.

Schwieriger wird es bei der Frage, ob der Mepha-Bereich Forschung und Entwicklung sowie vor allem die Produktion in Aesch gehalten werden können. Immerhin besitzt die Teva im nahen deutschen Ulm grosse Produktionskapazitäten ihrer ebenfalls vor kurzem übernommenen, effizienten Ratiopharm. Denn die Teva will gemäss israelischen Presseberichten mit der Übernahme von Cephalon/Mepha massive Kostensynergien von mindestens 500 Millionen Dollar erzielen. Branchenkenner sagen, dass dies nur mit Stellenabbau zu erreichen sei. Kein Wunder fürchtet sich die Gemeinde Aesch vor solchen Folgen.

Bosshard nimmt Stellung

Erstmals nimmt jetzt Andreas Bosshard, General Manager der Teva in der Schweiz, Stellung zu diesen Berichten. Die Angaben über einen angeblich massiven Jobabbau bei Cephalon und Mepha seien reine Spekulationen, sagt der frühere Mepha-Schweiz-Chef. Begründung: Der Integrationsprozess Mepha/Cephalon in die Teva habe erst Mitte Oktober begonnen. Vorher habe der israelische Konzern über keine Möglichkeiten verfügt, tiefer gehende Einblicke in die Daten von Mepha/Cephalon zu erhalten: «Deshalb ist es derzeit noch zu früh für weiterführende Aussagen», sagt er.

Bosshard macht aber klar, dass Teva vor allem im Bereich der Marketing- und Verkaufsaktivitäten in die Marke Mepha investieren werde. «Dank der Zugehörigkeit zur internationalen Teva-Gruppe kann Mepha ihre führende Marktstellung in der Schweiz weiter ausbauen», betont der General Manager. Wird die Mepha somit zur reinen Vertriebsgesellschaft in der Schweiz wie andere Tochterfirmen ausländischer Pharmafirmen? Ist es nur noch eine Frage, der Zeit, bis die Produktion in Aesch mit 250 Mitarbeitenden geschlossen wird?

Bosshard schweigt

Diese Fragen wollte Bosshard nicht beantworten. «Der Sonntag» weiss aber: Es gibt einen Hoffnungsschimmer dank der Basler Pharmagruppe Acino. Diese Gruppe hat bereits den CephalonMepha-Geschäftsbereich Afrika und Naher Osten übernommen. Zudem wechselt der frühere Mepha- und Cephalon-Direktor Jürgen Betzing, ein Experte in der Herstellung von Pharmazeutika, im Februar 2012 als neuer Chief Operations Officer zu Acino. Es würden «weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Acino» geprüft, gibt Bosshard denn auch zu.

Eine Stellungnahme verweigert aber Peter Burema, CEO der Acino-Gruppe. Auf die direkte Frage, ob Acino den bisherigen Produktionsbetrieb der Mepha in Aesch übernehmen wolle, sagt Peter Burema nur: «Wir können diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten, weil die Gespräche mit Teva immer noch laufen.»

Dieses Zeitspiel ist für die Mepha-Mitarbeitenden gar nicht lustig. Sie sind verunsichert über die Zukunft des Produktionsbetriebs. Bosshard ist dies bewusst: «Trotzdem sehen wir uns dazu verpflichtet, die Integrationsmassnahmen seriös und mit der notwendigen Sorgfalt umzusetzen», sagt der TevaGeneral Manager für die Schweiz.

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