Baselbieter Strafgericht

Profi-Hanfzüchter mit sieben Indoor-Anlagen muss ins Gefängnis

Eine Indoor-Hanfanlage (Symbolbild).

Eine Indoor-Hanfanlage (Symbolbild).

Er hatte sich schon ein kleines Imperium aufgebaut: Insgesamt sieben Indoor-Anlagen für die Hanfzüchtung in Basel und im Baselbiet betreute der Mann aus der Region. Jetzt hat das Strafgericht ein Schlussstrich darunter gezogen.

Ein Mann aus der Region hat jahrelang Hanfstauden mit einem THC-Gehalt von 2 bis 17 Prozent grossgezogen (erlaubt waren früher maximal 0,3, inzwischen 1 Prozent) und ist mehrmals dabei erwischt worden: Das Strafgericht in Liestal zog einen Schlussstrich unter die zweifelhafte Karriere des heute 31-jährigen Mannes.

Die Staatsanwaltschaft sah ihn als Mittäter in insgesamt sieben Indoor-Hanfanlagen: Je zwei in Grellingen und Basel sowie Anlagen in Aesch, Laufen und Liestal. Teilweise war er bei Polizeirazzien aufgegriffen worden, als er gerade daran war, die Hanfstecklinge zu hegen und pflegen. Warnschüsse gab es genug: Nach der Razzia in einer der Anlagen in Grellingen im Dezember 2007 sass er zwei Tage in Untersuchungshaft. Im Sommer 2008 wurde in einer zweiten Anlage in Grellingen seine DNA gefunden, später flog eine weitere kleine Anlage in Liestal auf. Zwei Monate lang sass er danach in Untersuchungshaft, danach liess er offenbar mindestens ein Jahr lang die Finger von Hanf.

Wollte nur mitgeholfen haben

Die Abstinenz währte nicht lange: Im Februar 2011 geriet er erneut in eine Polizeirazzia – diesmal in einer Indoor-Anlage in Basel. Er habe dort beim Pflegen der Pflanzen geholfen. Das sei ein reiner Hilfsdienst gewesen, betonte er diese Woche vor Gericht. Danach sass er erneut zwei Monate in Haft. Einen Monat nach der Entlassung griff er im Basler Rotlichtviertel mit über zwei Promille im Blut frühmorgens einen Mann mit einer Whiskyflasche an. Er betonte vor Gericht, er trinke inzwischen weniger Alkohol.

Eine zweite Hanfanlage in Basel wollte er allerdings nie von innen gesehen haben, auch mit einer Anlage eines Kumpels in Aesch habe er nichts zu tun gehabt: Das Dreiergericht glaubte ihm, und so gab es gestern in einigen Anklagepunkten auch Freisprüche. Vorwürfe zum persönlichen Drogenkonsum waren sowieso längst verjährt.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von über vier Jahren für den Mann gefordert, doch das Gericht beliess es gestern bei einer teilbedingten Strafe von 30 Monaten: 10 Monate davon unbedingt. Nach Abzug der Untersuchungshaft verbleiben davon noch knapp acht Monate, diese wird er möglicherweise mit der elektronischen Fussfessel oder in Halbgefangenschaft absitzen können.

Seit über zwei Jahren deliktfrei

Seit Jahren lebt er von Sozialhilfe, ist derzeit in psychischer Behandlung und macht eine Umschulung, künftig möchte er im Bereich Verkauf arbeiten. Das Gericht gab ihm mit der milden Strafe auch deshalb eine Chance, weil er inzwischen seit über zwei Jahren deliktfrei lebt. Die Staatsanwaltschaft wollte sich gestern noch nicht dazu äussern, ob sie den Fall weiterzieht -- sie dürfte indes ganz froh darüber sein, dass die teilweise sieben Jahre alten Vorwürfe nun endlich erledigt sind.

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