Es sah nach einem Kompromiss aus, mit dem alle leben können: Die Langmattstrasse wird nicht zur vierten Talquerung im Mittleren Leimental ausgebaut. Dafür darf die kantonale Baudirektion das Projekt in den Richtplan eintragen und das Trassee sichern. So entschied am Donnerstag der Landrat.

Doch die Gegner der Strasse meinen es ernst: Sie wollen selbst den Richtplan-Eintrag nicht. Eine Gruppe von Leimentalern, die ein noch namenloses Komitee bilden, stellt in Aussicht, das Planungsreferendum zu ergreifen gegen den Beschluss des Kantonsparlaments. Grünen-Landrätin und Komiteemitglied Lotti Stokar sagt auf Anfrage, definitiv entschieden werde zwar erst heute Montagabend. Doch das Referendum sei «sehr wahrscheinlich».

«Wir haben verschiedene Optionen geprüft», sagt Stokar, die bis 2016 als Oberwils Gemeindepräsidentin amtete. «Das Referendum erscheint uns der sinnvollste Weg.» Bis acht Wochen nach der Publikation des Landratsbeschlusses hätte das Komitee Zeit, die 1500 Unterschriften zu sammeln.

Ursprünglich hatte das Komitee angekündigt, ein Ja des Landrats zum konkreten Projekt zu bekämpfen. Für den 260 Meter langen Abschnitt waren 13 Millionen Franken vorgesehen.

SP, VCS und Grüne mit im Boot

Das Komitee darf mit breiter Unterstützung rechnen: Bereits am Donnerstag, kurz nach Ende der Landratssitzung, gaben die Baselbieter Grünen, die SP Baselland und der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) beider Basel bekannt, sie stünden hinter einem allfälligen Referendum. VCS-Geschäftsführerin Stephanie Fuchs sagt, der Vorstand habe die Unterstützung vorsorglich beschlossen. «Die Langmattstrasse ist eines von vielen Projekten des Kantons, die bloss den Autoverkehr weiter ankurbeln.» Die überbordenden Fahrten aus dem Raum Mühlematt müsse man konsequenter auf Tram und Bus verlagern und nicht auf zusätzlichen Asphalt verteilen. «Die neue Strasse wird als Lösung verkauft – als wüsste man es nicht längst besser.»

FDP-Landrat Andreas Dürr hatte sich bei der Debatte im Landrat über die Strassengegner enerviert. Sie würden mit den hohen Kosten argumentieren, klagte der Präsident der regionalen Sektion des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS). Dabei gehe es nur darum, eine Strasse zu verhindern. «Diese Ankündigung für das Referendum ist demaskierend. SP und Grüne zeigen ihr wahres Gesicht: Sie wollen selbst eine sinnvolle Strasse à tout prix nicht.»

Zwischen den Fronten befindet sich CVP-Landrat Pascal Ryf. Der Oberwiler hatte im Kantonsparlament den Antrag für ein 15-jähriges Baumoratorium für die Langmattstrasse gestellt – ohne Erfolg. Mit dem Richtplaneintrag ist ein neues Projekt innerhalb von fünf Jahren möglich. «Ich bin der Meinung, dass die Strasse erst gebaut werden soll, wenn die Gemeinde die Strasse im Zusammenhang mit der Erschliessung der Wilmatt als sinnvoll erachtet. Das vorliegende Projekt war mit klar zu gross.»