Psychiatrie Baselland

Protest der Psychiatrie-Mitarbeiter hat Wirkung gezeigt

Der CEO der Psychiatrie Baselland Hans-Peter Ulmann (Mitte) mit den beiden Klinikleitern Paul Bächtold (l.) und Joachim Küchenhoff.

Der CEO der Psychiatrie Baselland Hans-Peter Ulmann (Mitte) mit den beiden Klinikleitern Paul Bächtold (l.) und Joachim Küchenhoff.

Die Psychiatrie Baselland schafft auf den am stärksten belasteten Akutabteilungen der Klinik 2,1 neue Stellen. Die Belastung des Personals hatte 2012 stark zugenommen bis dieses nicht mehr konnte und sich wehrte. Nun haben die Bemühungen Früchte getragen.

Der Spagat war nicht zu schaffen. 2012, im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit, versuchte die Psychiatrie Baselland (PBL), trotz verminderter personeller und finanzieller Ressourcen, nicht an den Dienstleistungen zu schrauben. Zuvor hatte der Landrat die Leistungsvereinbarung für gemeinwirtschaftliche Leistungen, die nicht von der Krankenkasse abgedeckt werden, um rund drei auf 5,6 Millionen Franken pro Jahr gekürzt.

Nach einem Einbruch der Belegungszahlen 2011 entschloss sich zudem die Klinikleitung, auf den drei Akutabteilungen jeweils von 13,4 auf 13 Stellen zu kürzen. Noch prekärer wurde die Lage für das Personal, weil 2012 die Bettenauslastung wieder markant zunahm. «Wir haben zuhauf Überstunden geleistet, um den Patienten weiter das ganze therapeutische und pflegerische Angebot bieten zu können», sagt Philipp Eich, leitender Arzt der Akutabteilung B 2.

Akutabteilungen mit Stellenausbau

Bis es vergangenen Herbst nicht mehr ging und sich einige Angestellte in einem Brief an die bz wandten. Es kam zur Krisensitzung der Angestellten mit CEO Hans-Peter Ulmann, Chefarzt Joachim Küchenhoff und Paul Bächtold, dem Leiter Pflegedienst. Nun steht fest: Der Protest hat sich gelohnt. Auf drei besonders belasteten Akutabteilungen wird personell wieder aufgestockt, und zwar um je 0,7 Stellen. Damit sind es nun sogar je 0,3 Stellen mehr als 2011. Dies bestätigen Ulmann, Küchenhoff und Bächtold im Gespräch mit der bz. Momentan laufen die Bewerbungsgespräche. «Nach der Gewerkschaftsversammlung haben wir weitere Gespräche mit Exponenten der Personalverbände geführt. Küchenhoff und Bächtold sprachen zudem mit den Mitarbeitenden der am stärksten belasteten Klinikabteilungen. Die Folge ist nun diese Aufstockung», sagt Ulmann.

PBL bittet Landrat um mehr Geld

«Das ist sogar mehr als erwartet», freut sich Eich. Die 2,1 zusätzlichen Stellen kann die PBL selbst stemmen, eben weil die Auslastung 2012 stark zunahm und so mehr Geld in die Kassen floss. Die Abteilung B 2 etwa erreichte vergangenes Jahr eine Auslastung von 107 Prozent. «Wir haben auf der Akutstation einen Aufnahmezwang», erklärt Eich. Auch zurzeit seien 19 Betten belegt, obwohl die Abteilung im Prinzip nur 18 Plätze aufweise.

«Letztlich können wir bei der Stellenbewirtschaftung erst im Nachhinein reagieren, da wir uns bei der Planung jeweils auf die vorangehende Bettenauslastung stützen müssen», sagt Ulmann. Eine Reaktion, die noch aussteht, ist, ob der Landrat dem Antrag von Verwaltungsrat und CEO der PBL zustimmt, bei den gemeinwirtschaftlichen Leistungen wieder um jene rund drei Millionen Franken aufzustocken, die 2012 gekürzt worden sind. Der Regierungsrat bereitet momentan eine entsprechende Vorlage vor. Die grundlegende Frage sei im Prinzip simpel, sagt Küchenhoff: «Möchte der Kanton Baselland in der Psychiatrie sein traditionell stark beziehungsfokussiertes Therapiekonzept beibehalten? Falls ja, darf man die Ressourcen nicht kürzen.»

Dass dieses Konzept sich letztlich auszahlt, würde einerseits die hohe Auslastung zeigen. Dies gerade in Zeiten des stärkeren Wettbewerbs dank freier Klinikwahl. «Viele Patienten aus Basel-Stadt, Solothurn oder dem Aargau entscheiden sich für uns», sagt Küchenhoff. Andere Kantone müssten Psychiatriebetten abbauen, während die PBL über einen Ausbau von Eichs Akutabteilung nachdenke. Erfreulich sei auch, dass man sich nicht gross um den ärztlichen und pflegerischen Nachwuchs sorgen müsse – trotz steigenden Therapeutenmangels. Küchenhoff: «Wir haben einen guten Ruf, daher kommen Mitarbeitende gerne zu uns. Diesen Ruf gilt es, zu schützen.»

Krankenkassen üben Druck aus

Keine Freude an den hohen Taxen der PBL haben die Krankenversicherer. Während mit Helsana, Sanitas, KPT und weiteren, die rund 30 Prozent der Klinikpatienten umfassen, für 2012 und 2013 Tarifverträge abgeschlossen werden konnten, kamen mit den Versicherern von Tarifsuisse keine Verträge zustande. «Einige Kassen drängen nun darauf, dass die Patienten früher entlassen werden oder sie verlangen ausführlichere Patientendossiers», erzählt Küchenhoff. Oder die Kassen drängen darauf, pro Pflegetag weniger Geld zu zahlen. Ulmann rechnet vor: «Bei rund 75 000 Pflegetagen wären schon 50 Franken weniger äusserst einschneidend.» Küchenhoff betont derweil, dass er sich zwar durch den Druck der Krankenkassen noch nicht in seiner Arbeit gehindert fühle, aber: «Ich sehe die Gefahr.»

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