Strafgericht

Räuber mischt Mann K.o.-Tropfen ins Bier und bestiehlt ihn - Opfer stirbt

Der Angeklagte mischte dem Opfer K.O.-Tropfen ins Bier. (Symbolbild)

Der Angeklagte mischte dem Opfer K.O.-Tropfen ins Bier. (Symbolbild)

Ein 39-jähriger Mann steht in Liestal vor Gericht, weil er mehrere Männer betäubt und beraubt hat. 2010 ist eines der Opfer in Oberwil dabei gestorben. Die Staatsanwaltschaft fordert nun 20 Jahre Gefängnis wegen Mordes.

Es war die Mutter, die am Weihnachtsmorgen im Jahr 2010 in Oberwil den toten Körper ihres 46-jährigen Sohnes fand: Erstickt im Schlaf, so der oberflächliche Eindruck, tatsächlich aber wirkten laut den Rechtsmedizinern eine akute Bronchitis, knapp zwei Promille Blutalkohol sowie eine kräftige Dosis eines Benzodiazepins zusammen - und diese Dreierombination war schliesslich tödlich.

Für das Benzo war ein 39-jähriger Mann verantwortlich, der gestern vor Gericht in Liestal offen zugab, das Fläschchen mit den "K.o.-Tropfen" von einem Drogensüchtigen gekauft und seinem Opfer schliesslich ins Glas gekippt zu haben. Kennengelernt hatte er den 46-Jährigen spätabends in einer Bar in der Basler Rheingasse, danach ging man zum Opfer nach Hause.

«Ich wollte ihn nur betäuben»

"Wieviel haben sie ihm denn ins Bier gekippt?", fragte Gerichtspräsident Adrian Jent gestern den Angeklagten. "Nur ganz wenig, Herr Präsident. Ich wollte ihn nur betäuben", betonte der 39-jährige Angeklagte gestenreich. Seine Antworten kamen jeweils wie aus der Pistole geschossen, und so reuig er sich gab, so selbstverständlich und schulterzuckend schilderte er sein Motiv: "Ich brauchte Geld".

Die Masche ist für ihn nicht neu, er sass wegen zweier solcher Überfälle bereits in Deutschland für über fünf Jahre im Gefängnis. Auch in Zürich trieb er schon sein Unwesen, dort betäubte er im Januar 2010 einen Wirt und verschwand mit rund 6000 Franken, dieser Fall ist nun ebenfalls angeklagt. In Österreich ist ein weiterer Fall hängig, auch hier geht es um einen Raub an einem betäubten Wirt.

Offene Fragen

Viele Fragen zum Oberwiler Fall blieben vor Gericht gestern offen: Der Angeklagte beteuerte, er habe sein Opfer in Kleidung und schnarchend in Seitenlage verlassen, die Mutter hingegen fand ihren Sohn am nächsten Morgen nackt, in Bauchlage und mit einem Kissen auf dem Kopf. Ein Rechtsmediziner betonte, der Mann könne sich in seinem Zustand keinesfalls selbst ausgezogen haben. Der Angeklagte bestritt, dass es zwischen ihm und seinem Opfer zu Sex gekommen sei.

Staatsanwältin Andrea Vollenweider erweiterte ihre Anklage nebst einer eventualvorsätzlichen Tötung gestern gar auf Mord und forderte für den Mann eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. "Es war ihm schlicht egal, was mit den Opfern passiert", sagt Vollenweider. "Den Opfern wurde nie eine lebensgefährliche Menge verabreicht", betonte hingegen die Verteidigerin des Angeklagten. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen mehrfachen Raubes. Der Mann anerkannte die Genugtuungsforderungen der Angehörigen: Je Elternteil bezahlt er 50'000 Franken, dazu übernimmt er die Bestattungskosten. Das Fünfergericht wird sein Urteil am Donnerstag bekanntgeben.

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