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Raiffeisen verlässt Nuglar – Wieder eine Bankschliessung im ländlichen Raum

Die Raiffeisenbank in Nuglar hat noch bis Ende Jahr geöffnet. Ob danach der Bancomat im Dorf bleibt, steht noch nicht fest.

Die Raiffeisenbank in Nuglar hat noch bis Ende Jahr geöffnet. Ob danach der Bancomat im Dorf bleibt, steht noch nicht fest.

Erneut schliesst die Raiffeisenbank eine Filiale im ländlichen Raum. Das sorgt für Kritik auch wenn die Bank betont die Nähe zu ihren Kunden aufrecht erhalten zu wollen.

Wenn die Kundenberaterin Doris Wohlgemuth in Pension geht, endet mit ihrer Berufskarriere auch die Existenz ihres Arbeitgebers. Die Filiale der Raiffeisenbank in Nuglar hat an Silvester zum letzten Mal geöffnet. Nach 84 Jahren schliesst die Geschäftsstelle auf dem Dorneckberg.
Vor wenigen Tagen wurden die Kundinnen und Kunden der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet über die baldige Schliessung informiert. Auch der Nuglarer Bruno Baud fand in seinem Briefkasten ein Schreiben vor.

Der Pensionär war einst während neun Jahren Präsident der Raiffeisenbank Nuglar, als diese noch eigenständig agierte. Im Jahr 2002 wurde sie Teil der Raiffeisenbank Liestal und später der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet. Nun geht die Filiale im Schwarzbubenland zu, diejenigen in Sissach, Gelterkinden und der Hauptsitz in Liestal existieren weiter. Die Geschäftsstelle in Büren, einem Nachbardorf der Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon machte bereits vor einigen Jahren dicht.

Beratungen als Ersatz für Schalter

Als Bruno Baud den Brief der Raiffeisenbank durchlas, verstand er die Welt nicht mehr. Im Schreiben teilt das Unternehmen den Kunden mit, dass der Grund für die Schliessung der Ruhestand der Kundenberaterin sei. «Aufgrund dieser personellen Veränderung haben die verantwortlichen Organe der Bank das Raiffeisen-Geschäftsstellennetz einer Prüfung unterzogen und sind dabei zum Schluss gekommen, die Geschäftsstelle Nuglar zu schliessen», heisst es.

Mit dieser Argumentation sei die Bank nicht ehrlich zu ihren Kunden, findet Baud. Die Verantwortlichen sollten den Genossenschaftern reinen Wein einschenken und ihnen erklären, dass die Filiale schlicht und einfach nicht rentiere.

Der frühere Präsident der Raiffeisenbank Nuglar stellt sogar einen Wortbruch des Unternehmens fest: «Bei der Gründung der Raiffeisenbank Liestal wurde uns zugesagt, dass die beiden Banken in Nuglar und in Büren offen bleiben und ihre Vertreter immer im Verwaltungsrat vertreten sein werden», erklärt Bruno Baud. Bleiben würden zwei geschlossene Banken und hinters Licht geführte Genossenschafterinnen und Genossenschafter.

Er kenne viele ältere Menschen aus Nuglar und Umgebung, für die der Wegfall der Filiale schwerwiegend sei. Cécile Bachmann, Mediensprecherin der Raiffeisen Schweiz, betont: «Die Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet hat Vorkehrungen getroffen, um die Kunden wie gewohnt weiter betreuen zu können.» Zu diesem Zweck biete die Bank an, Beratungen in den anderen Filialen oder dort durchzuführen, wo der Kunde dies wünsche.

Zudem werde nach Wunsch auch Bargeld nach Hause gesendet. Bis zum kommenden Herbst würden der Verwaltungsrat und die Bankleitung über die künftigen Standorte der Bancomaten im gesamten Geschäftsgebiet entscheiden. In Nuglar kann man momentan Geld an einem Automaten der Raiffeisenbank abheben.

Viele Banken gingen zu

In den letzten Jahren haben in Dörfern im Dorneck-Thierstein zahlreiche Raiffeisenbanken ihre Türen geschlossen. So gibt es unter anderem die Filialen in Meltingen, Zullwil, Rodersdorf und in Himmelried nicht mehr. Nichtsdestotrotz hebt Mediensprecherin Bachmann hervor: «Raiffeisen ist und bleibt die Bank mit der höchsten geografischen Nähe zu ihren Kunden und betreibt auch in Zukunft das dichteste Geschäftsstellennetz der Schweiz.» In der Region Basel sei es, im Vergleich zur Gesamtschweiz, nicht zu überproportional vielen Geschäftsstellen-Schliessungen gekommen.

Für Bruno Baud, der durchschnittlich einmal pro Monat die Raiffeisenbank Nuglar besucht, sind diese Worte nur ein schwacher Trost. «Dass die Genossenschafter nicht über die Schliessung abstimmen konnten, widerspricht dem Gedanken der Raiffeisenbank», ist für ihn klar. Jeder Kunde habe durch seinen Genossenschaftsschein ein Mitbestimmungsrecht. Auch wenn er enttäuscht von der Raiffeisenbank sei, werde er sein Konto nicht auflösen. Vorläufig.

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