Aushubarbeiten

Rappenspalter im Oberbaselbiet: Wunderlicher Fund der Baselbieter Archäologen

Bei den meisten Münzen handelte es sich um 20-Rappenstücke.

Bei den meisten Münzen handelte es sich um 20-Rappenstücke.

In Läufelfingen wurden bei Aushubarbeiten viele zerschnittene Münzen aus dem 19. Jahrhundert entdeckt.

Ein ungewöhnlicher Fund beschäftigt die Mitarbeitenden von Archäologie Baselland: Gefälschte Schweizer Münzen aus den 1850er-Jahren, die bei Aushubarbeiten in Läufelfingen zum Vorschein kamen. Alle sind gespalten, was darauf schliessen lässt, dass sie einst konfisziert und zerstört worden waren.

Funde aus Läufelfingen enthalten kein Silber

Die Entdeckung in der Flur Hüslimatt ist bereits einige Monate her. Ende letzten Jahres fielen einem Polier in der Baggerschaufel einige Münzen auf. Eine Suchaktion förderte rund 170 Schweizer 20-Rappenstücke und zwei 10-Rappenstücke zu Tage. Ausgewählte Stücke kamen anschliessend nach Bern, wo sie am Institut für archäologische Wissenschaften der Universität auf ihre Metallzusammensetzung untersucht wurden.

Echte Rappenstücke aus der damaligen Zeit bestünden aus Billon, einer Legierung aus Kupfer und Silber. «Ganz anders die Läufelfinger Funde: keine Spur von Edelmetall», schreibt die Archäologie Baselland in einer Mitteilung. Für die Münzen aus dem Oberbaselbiet seien billigere Legierungen ohne Silber verwendet worden. Es handle sich demnach um Fälschungen.

«Wir können ausschliessen, dass die Münzen von Farinet gefälscht wurden»

Alle Münzen, die in Läufelfingen aus der Erde geholt wurden, sind gespalten. «Obwohl sie von hoher Qualität waren, ist davon auszugehen, dass sie als Fälschung entlarvt wurden», sagt der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti. Amtsstellen seien angewiesen worden, entdeckte und vermutete Fälschungen zu zerschneiden.

Die gefundenen Fälschungen stammen aus den ersten Jahren des Schweizer Bundesstaates. «Die Einführung eines einheitlichen Münzssystems führte dazu, dass alle alten Schweizer Münzen durch neue Prägungen ersetzt werden mussten. Millionen neuer 10- und 20-Räppler wurden in Umlauf gebracht», erklärt Marti. Viele Falschmünzer hätten sich dies zu Nutze gemacht.

Der wohl bekannteste Münzfälscher des Landes ist Joseph-Samuel Farinet. Dem legendären Walliser widmete der Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz Jahrzehnte später sogar einen Roman. «Wir können ausschliessen, dass die Münzen von Farinet gefälscht wurden. Sie wurden mit seinen 20-Rappenstücken verglichen», sagt Markus Peter, der als Numismatiker in Augusta Raurica tätig ist. Ihm sei nur ein ähnlicher Fall zerschnittener Münzen in St. Gallen bekannt.

Die gefundenen Münzen waren damals einiges wert

Wenn nicht Farinet dahinter steckt, stellt sich die Frage, wer sonst verantwortlich sein könnte. «Wahrscheinlich waren es Produkte von Handwerkern, die Geld benötigten», sagt Münzspezialist Peter. Banden konzentrierten sich eher auf grössere Münzeinheiten aus Edelmetall. Die Recherchen in den Archiven, um den Falschmünzer eineinhalb Jahrhunderte später zu finden, laufen.

Für Normalverdienende lohnte es sich damals übrigens durchaus, Münzen zu fälschen. «Um 1860 verdiente ein Textilarbeiter 17 Rappen pro Stunde, eine Textilarbeiterin sogar nur 10», heisst es in der Mitteilung von Archäologie Baselland. «Der Wert von rund 34 Franken, den die erhaltenen zerschnittenen Fälschungen darstellen, war also eine beachtliche Summe!»

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