Liestal

«Rebgarten» genügt architektonisch nicht

So wurde das Projekt «Rebgarten» präsentiert. Ob der Götterbaum in der Bildmitte stehen bleibt und wie die überholte Fassade aussehen wird, ist offen. Visualisierung zVg

So wurde das Projekt «Rebgarten» präsentiert. Ob der Götterbaum in der Bildmitte stehen bleibt und wie die überholte Fassade aussehen wird, ist offen. Visualisierung zVg

Der Bauherr muss bei der Fassadengestaltung über die Bücher; offen ist auch das Schicksal des Götterbaums.

Dass an ein Projekt an prominentester Lage in Liestal grössere architektonische Anforderungen gestellt werden als an eines in einem Aussenquartier, muss derzeit die Swiss Prime Anlagestiftung in Olten erfahren. Ihre geplante Alterssiedlung «Rebgarten» am untern Stedtli-Eingang muss in eine gestalterische Ehrenrunde, weil die Stadt Einsprache gemacht hat.

Der zuständige Stadtrat Franz Kaufmann, der auch die in solchen Fragen federführende Stadtbaukommission präsidiert, sagt: «Es geht um die Fassadengestaltung des ‹Rebgartens›. Die Quartierplan-Bestimmungen schreiben eine gute städtebauliche Einpassung vor. Das fordern wir nun ein, denn wir sind nicht zufrieden mit der vorgelegten Architektur an dieser prominenten Stelle.» Das zuständige Architekturbüro wird nun an der nächsten gemeinsamen Sitzung mit der Stadtbaukommission von Mitte September verschiedene Varianten präsentieren.

Götterbaum heikel für Stadtrat

Das ist aber nicht die einzige Baustelle beim Baugesuchverfahren zum «Rebgarten» mit geplanten 66 Alterswohnungen und 40 Pflegebetten: Nach wie vor wird um den geschützten Götterbaum am oberen Ende des Bauprojekts gestritten. Einsprecher Fritz Strub bezeichnet das mittlerweile erstellte Baumgutachten als «einseitig und ohne zusätzliche Erkenntnisse». Das Gutachten sage, dass der Baum teilweise hohl und die Krone zu gross sei und zurückgeschnitten werden müsse und der Baum nicht länger als hundert Jahre lebe. Der Bauherr habe vergangenen Freitag neue Pläne vorgelegt, unter anderem mit einer freischwebenden Stahltreppe neben dem Baum, die dessen Wurzeln schone. Er habe aufgrund dieser neuen Ausgangslage noch nicht entschieden, ob er an der Einsprache festhalte, sagt Strub.

Der Götterbaum beschäftigt aber auch den Stadtrat. Kaufmann sagt dazu: «Das ist ein heikles Thema. Darüber entscheidet der Gesamt-Stadtrat an seiner Sitzung von dieser Woche.» Für Kaufmann ist der geschützte Baum weniger durch das Bauprojekt als durch die bevorstehende Renaturierung des Orisbachs gefährdet, die dessen Hauptwurzelbereich tangiere. Dazu komme ein anderer Aspekt: Naturschutzkreise monierten, dass es sich beim Götterbaum um einen Neophyten und zudem um ein weibliches Exemplar handle, das eine grosse Zahl Samen verfrachte.

Grosses Restaurant geplant

Der Stadtrat wolle deshalb nun über das Angebot der Bauherrschaft befinden, anstelle des Götterbaums einen grossen, einheimischen Baum zu pflanzen, so Kaufmann. Als unproblematisch stuft er dagegen ein weiteres, letzte Woche eingereichtes Baugesuch zum «Rebgarten» ein: Die Bauherrschaft will eine «öffentlich zugängliche Gastwirtschaft als Bistro» mit 53 Innen- und
80 Aussenplätzen einbauen.

Dieses Restaurant komme auf die Seite Rheinstrasse zu liegen, sei Teil des Konzepts und werde wie die gesamte Liegenschaft an Tertianum vermietet, sagt Thomas Grossenbacher von der Swiss Prime Anlagestiftung. Die Einsprache des Stadtrats gegen die Fassadengestaltung taxiert er als «üblichen Prozess in der Lösungsfindung».

Zum «Rebgarten»-Fahrplan sagt Grossenbacher: «Wir starten, sobald die Baubewilligung vorliegt. Ich gehe davon aus, dass wir im November mit dem Rückbau der Altbauten und Anfang 2017 mit dem Aushub für den Neubau beginnen können.» Bezugsbereit wären die Alterswohnungen dann etwa Mitte 2019.

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