Reinach

Referendumskomitee stellt Verdichtungsstrategie in Frage

Irene Maag (links), Nicole Wehrli und Roger Leu (rechts) überreichten Thomas Sauter von der Gemeinde letztes Jahr 1'099 Unterschriften.

Irene Maag (links), Nicole Wehrli und Roger Leu (rechts) überreichten Thomas Sauter von der Gemeinde letztes Jahr 1'099 Unterschriften.

Das Referendum gegen den Quartierplan Jupiterstrasse soll eine Grundsatzdiskussion auslösen, die der Gemeindepräsident für bereits geführt hält.

Es ist nicht einfach, die Übersicht zu behalten über all die Quartierpläne, über die in Reinach aktuell diskutiert wird oder in den vergangenen Jahren diskutiert worden ist: Oerin, Schönenbach, Stockacker, Coop, Alter Werkhof, Taunerquartier, Dornacherweg, Buchlochweg, Stöcklin-Areal, Bruggstrasse, Merkurstrasse, Bärenweg.

Der Quartierplan Jupiterstrasse, über den die Reinacher Stimmberechtigten am 21. Mai abstimmen, ist für die Referendumsführer aber der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie kritisieren zwar die Details der bis zu achtstöckigen Überbauung: Sie sei zu hoch und passe nicht ins Quartier; und um den Mehrverkehr tobt derzeit ein heftiger Zahlenstreit, inklusive Vertuschungs- und Fake-News-Vorwürfen.

Doch vor allem wollen die Referendumsführer mit der Abstimmung eine Grundsatzfrage stellen: Wie stark soll man Reinach verdichten? «Viele Leute haben genug von der ewigen Bauerei», sagt Nicole Wehrli, Mitglied des Referendumskomitees. Beim Unterschriftensammeln hat das Komitee in der Bevölkerung einen sehr grossen Unmut festgestellt. «Es wird immer grösser, immer höher gebaut, und der Gemeinderat redet vieles klein.»

Es gab Diskussion über Zonenplan

22 Quartierpläne sollen gemäss Zonenplan die Entwicklung Reinachs vorantreiben. Das Komitee stört, dass für jeden die Auswirkungen einzeln angeschaut würden. Folglich fordert es ein übergeordnetes Verdichtungs- und Verkehrskonzept für Reinach. Wehrli meint: «Wir sollten das Puzzle als Ganzes anschauen und überlegen: Geht das überhaupt auf?»

Für Gemeindepräsident Urs Hintermann (SP) hingegen ist klar: Diese Gesamtsicht gibt es bereits, nämlich im Zonenplan. Diesen habe der Einwohnerrat vor zwei Jahren verabschiedet, man habe es intensiv diskutiert. «Die verdichtete Entwicklung Reinachs basiert auf einer Strategie, die demokratisch gutgeheissen worden ist.» Den Weg über Quartierpläne habe man bewusst gewählt, um an das jeweilige Areal angepasste Lösungen zu finden. Und er erinnert an das Raumplanungsgesetz, welches das Schweizer Volk 2013 mit 63 Prozent deutlich angenommen hat (Reinach: 73 Prozent). «Das ist für uns ein Auftrag, verdichtet zu bauen.»

Die Kritiker der Quartierplanflut betonen, dass sie nicht grundsätzlich gegen Verdichtung seien. «Aber nirgends steht, dass praktisch maximal verdichtet und achtstöckig gebaut werden muss», sagt Wehrli. Für das Komitee ist klar: Sagen die Reinacher am 21. Mai Nein, ist das ein Zeichen, dass die rasante Entwicklung Reinachs gedrosselt werden muss. Hintermann seinerseits sieht im Referendum keine Grundsatzfrage über Verdichtung. «Ein Nein hätte überhaupt keine Auswirkungen auf die übrigen Quartierpläne.»

Meistgesehen

Artboard 1