Hochschulpolitik

Regierungen prüfen nun auch Allschwil als möglichen Standort für Uni Basel

Mit der Auslagerung von Teilen der Universität Basel ins Baselbiet befassen sich nun die Regierungen beider Basel. Sie nehmen vier mögliche Standorte im Kanton Baselland genauer unter die Lupe: Muttenz, Münchenstein, Liestal und Allschwil.

In der Frage um eine namhafte Präsenz der Universität Basel im Landkanton wird nun ein erster Pflock eingeschlagen: Die Regierungen beider Basel wollen vier mögliche Uni-Standorte im Baselbiet einer näheren Prüfung unterziehen, wie sie gestern mitteilten. Es sind dies Liestal (Bahnhof), Münchenstein (Dreispitz), Muttenz (Polyfeld) sowie Allschwil (Bachgraben). Über die drei erstgenannten Standorte und das Vorhaben der Regierung hat die bz bereits berichtet; nun ist offenbar noch – nicht völlig überraschend – Allschwil hinzugekommen. Ende Jahr wollen die Regierungen der beiden Uni-Trägerkantone das Verfahren abschliessen und über das weitere Vorgehen informieren. Ob dann tatsächlich ein Teil der Uni verlagert wird, werden die beiden Kantonsregierungen anhand des Standortantrags des Universitätsrats bis Sommer 2017 entscheiden.

BS und BL mit derselben Agenda

Bemerkenswert an der kurzen Mitteilung: Es handelt sich um die erste koordinierte Stellungnahme der beiden Kantonsregierungen zu einem möglichen Baselbieter Uni-Campus überhaupt. Dies, nachdem ein erster Anlauf für eine substanzielle Ansiedlung 2007 von der Regierung des Landkantons ergebnislos abgebrochen worden war. Erreichbarkeit, Verfügbarkeit von Land und Eignung aus betrieblicher Sicht: Anhand dieser drei Kriterien haben die beiden Regierungen zusammen mit der Uni die Vorauswahl getroffen, wie Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, erläutert.

Alle vier Standorte sollen nun auf den gleichen Planungsstand gebracht werden – was noch nicht der Fall ist. Am weitesten fortgeschritten ist gemäss den bz-Recherchen der vergangenen Wochen der Prozess in Liestal. Hier arbeitet man bereits seit zwei Jahren am Projekt Uni-Campus, es existiert ein Steuerungsausschuss unter Federführung der SBB, die stark daran interessiert sind, ihre Räume am Bahnhof vermieten zu können. Liestal ist ferner der einzige der vier Standorte, der bereits mit der Universität verhandelt.

Im Fall Münchensteins liegt ein «Bewerbungsschreiben» von Gemeindepräsident Giorgio Lüthi an die Adresse der Regierungen und der Universität vor. Die Standorte Polyfeld und Bachgraben haben die Regierungen von sich aus in die Evaluation aufgenommen, wie BUD-Sprecher Leutwyler bestätigt. Hier bestanden bisher keine nennenswerten Vorleistungen seitens der Gemeinden. Das Verfahren ist komplex: Je nach Standort kommen nicht dieselben Fakultäten für eine Auslagerung infrage. Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann begrüsst es, dass nach den vielen Mutmassungen der vergangenen Monate nun relativ rasch Fakten geschaffen werden. Eymann will der Evaluation nicht vorgreifen, stellt aber klar: «Ein Baselbieter Uni-Standort käme dann nicht infrage, wenn er gegenüber dem Status quo deutliche Mehrkosten verursacht.» In der Mitteilung der Regierungen ist davon die Rede, dass ein Baselbieter Standort «wirtschaftlich interessant» sein müsse. Dies lässt einigen Interpretationsspielraum zu.

Das von den Regierungen gewählte Vorgehen kommt sowohl in der Stadt als auch auf dem Land mehrheitlich gut an. Die vier angeführten Standorte seien zwar nicht alle gleichwertig, sagt der Basler FDP-Präsident und Bildungspolitiker Luca Urgese. Jedoch fügt er an: «Es ist wichtig und richtig, dass gerade wir Städter unvoreingenommen in diesen Prozess gehen und dann den für die Uni und die Studierenden besten Entscheid treffen.»

Liestal hat noch nicht gewonnen

Auch Christoph Hänggi, Präsident der landrätlichen Bildungskommission, findet, dass die Regierungen auf dem richtigen Weg seien. «Es ist auch jener Weg, den man bereits vor dem vorzeitigen Bekanntwerden der Bestrebungen Liestals gehen wollte.» Den Entscheid der Regierung, nun die vier Standorte auf denselben Planungsstand zu bringen, empfindet Hänggi nicht als Schwächung Liestals, das in der Debatte um einen Baselbieter Uni-Standort einige Vorarbeit geleistet hat: «Liestal trägt wegen des Regierungsentscheids nun nicht die Zwei am Rücken. Die Stadt ist aber umgekehrt auch nicht vorzeitige Siegerin des Verfahrens», stellt der Therwiler SP-Landrat klar.

Der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott zeigt sich «hocherfreut», dass die beiden Regierungen die Relevanz und das Potenzial des Projekts für einen Baselbieter Uni-Campus anerkennen. Zentral sei nun, dass im Wettbewerbsverfahren alle Standorte über die gleich langen Spiesse verfügen, und es einen transparenten Kriterienkatalog gibt. Ott betont: «Dieser Prozess darf politisch nicht übersteuert werden.»

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