Herr Weber, Sie haben nun vier Szenarien für die Zukunft des Kantonsspitals Baselland (KSBL) auf dem Tisch. Kommt eine dieser Varianten für Sie a priori nicht infrage?

Thomas Weber: Nein. Was für mich aber klar nicht infrage kommt, ist die Beibehaltung des Status quo. Mit dem heutigen Leistungsangebot an den drei Standorten Bruderholz, Laufen und Liestal schreibt das KSBL Jahr für Jahr rote Zahlen. Das kann nicht so weiter gehen.

Wie schlimm steht es ums KSBL?

Das Spital hat kurzfristig keine Liquiditätsprobleme. Allerdings sind die Kosten im Vergleich zu den Erträgen zu hoch, die eingeschlagenen Massnahmen zur Kostensenkung halten mit den ebenfalls sinkenden Erträgen nicht Schritt. Auch das Eigenkapital ist mit 64 Millionen Franken zu tief. Die Regierung hat bereits im Februar beim Landrat die Umwidmung eines Darlehens von 153 Millionen Franken ins Eigenkapital des KSBL beantragt. Damit erhält das KSBL die Möglichkeit, in Zukunftsprojekte wie in den vier Szenarien beschrieben zu investieren und die dafür nötigen Kredite aufzunehmen.

Warum dieser buchhalterische Trick?

Andere Kantone haben bei der Verselbstständigung 2012 den Spitälern die Immobilien geschenkt. Baselland hat das nicht getan, sondern ein Darlehen gesprochen. Die Umwidmung in Eigenkapital ist aus Sicht der Regierung in Ordnung, denn dieses Geld ist bereits heute beim Spital. Klar ist aber auch: Es kommt für den Regierungsrat nicht infrage, dass der Kanton Geld für Investitionen oder Betriebsdefizite ins KSBL einschiesst. Das wäre nicht im Sinne des Krankenversicherungsgesetzes und gäbe ungleichlange Spiesse mit den Privatspitälern.

Laut Regierungsmitteilung ist auch eine Neuauflage der gescheiterten Spitalfusion denkbar. Ist das nach dem Basler Nein keine Zwängerei?

Achtung: Es ist von einer Neuauflage eines Fusionsprojekts die Rede. Partner müsste nicht zwingend das Universitätsspital Basel (USB) sein. Es gibt auch Privatspitäler oder öffentliche Spitäler aus anderen Kantonen, die infrage kämen.

So viele potenzielle Partner gibts nun auch wieder nicht. Läufts nicht doch auf eine Fusion mit dem USB hinaus?

Das steht derzeit nicht im Vordergrund. Aber je nachdem, wie sich das KSBL nun aufstellt, kann mittelfristig ein Zusammenschluss mit dem USB unter neuen Vorzeichen wieder ein Thema werden. Für die Regierung ist es wichtig, den Optionenfächer nochmals zu öffnen. Dazu gehört auch der Verkauf des KSBL an Private.

Eine Privatisierung des KSBL dürfte politisch umstritten sein.

Das ist der Regierung bewusst. Für uns ist wichtig, die Frage jetzt zu stellen: Ist es noch richtig, dass der Kanton Eigentümer von Spitälern ist? Ein Verkauf würde allerdings eine Änderung der Kantonsverfassung bedingen. Darin steht: «Der Kanton betreibt medizinische Anstalten.» Entscheiden würde letztlich also das Baselbieter Stimmvolk.