Das von Bund und Kanton geplante Flüchtlingszentrum auf dem Muttenzer Feldreben-Areal für bis zu 900 Asylsuchende wird in der Standortgemeinde mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Gemeinderat begrüsst, dass diese Pläne «vertieft geprüft werden», wie es Gemeindepräsident Peter Vogt formuliert. Der Standort des Registrierzentrums auf einer Brache mitten in einem Gewerbegebiet hält Vogt gar für ideal, wie er auf Anfrage der bz betont.

«Schockiert» über die Grösse

Mit dem Zentrum wird Muttenz die vom Kanton vorgeschriebene Asylquote übererfüllen, muss also zu den aktuell 110 Flüchtlingen keine weiteren mehr aufnehmen. Vogt sagt aber auch: «Sollte aus der Bevölkerung ein Sturm der Entrüstung über uns hinwegfegen, müssten wir nochmals über die Bücher.» Bund und Kanton könnten das Projekt der Gemeinde nicht aufs Auge drücken. Dreh- und Angelpunkt ist das Baugesuch, das Anfang Januar publiziert wird. Zwar werden auf dem Areal keine grösseren Bauten errichtet, aber einige Container aufgestellt. Auch wird das Areal umgestaltet. Ist die Baubewilligung erteilt, sind rechtlich die Möglichkeiten ausgeschöpft, das Zentrum zu verhindern.

Auf Fundamentalopposition ist die bz gestern in Muttenz nicht gestossen; am Abend wurde die Bevölkerung an der Budget-Gemeindeversammlung informiert. Dennoch mischt sich in die Zustimmung Skepsis: Überrascht von den Plänen und «schockiert» über die Grösse reagiert der Muttenzer SVP-Präsident Markus Brunner. «Dass dort mehrere hundert Personen einquartiert werden sollen, scheint mir etwas gar viel.» Brunner gibt zu bedenken, dass die nahe Primarschule Donnerbaum und die Fachhochschule unter der schieren Zahl an Flüchtlingen leiden könnten. Noch ist laut Brunner unklar, ob sich die SVP zur Wehr setzt.

Zuletzt vom Militär verwendet

Skepsis äussert auch Hanspeter Meier. In seiner Brust schlagen zwei Herzen: Als Mitglied der neu gegründeten Arbeitsgruppe Asyl macht er sich für eine offene Flüchtlingspolitik stark. Als Co-Präsident der Allianz Deponien Muttenz (ADM) ärgert er sich aber über die Haltung des Kantons. Für Meier hat die «Sanierung der Deponie Feldreben gemäss Altlastenverordnung des Bundes Vorrang» vor anderen Nutzungen auf dem Areal. Er befürchtet, dass mit der Zwischennutzung die Sanierung weiter hinausgeschoben wird. Zudem ist für ihn eine ehemalige Chemiemülldeponie als Standort für ein Flüchtlingszentrum «nicht gerade ideal». Der belastete Untergrund sorge im Gebäude für ein Gefährdungspotenzial. «Die Behauptung, die Schadstoffe seien allesamt Dutzende Meter unter dem Boden, ist reine Augenwischerei», findet er.

«Vom Deponiekörper geht keinerlei Gefährdung aus», entgegnet Torsten Schrodt, Leiter der kantonalen Immobilienverwaltung. Die Stoffe seien tief im Erdreich oder im Felsen drin, an die Oberfläche gelange nichts, «sonst hätten wir schon bisher einen anderen Umgang mit dem Gelände gepflegt». Das Feldreben-Areal wurde in den vergangenen Jahren immer wieder für Anlässe verwendet, erst im September vom Militär während der Übung Conex. «Die Schweizer Armee ist nicht dafür bekannt, dass sie ihre Angehörigen gefährdet», sagt Schrodt. Auch behindere die Unterbringung von Asylbewerbern den Sanierungsprozess nicht. So könne die Grundwasser-Analyse ungestört weiterlaufen.

Regierungsrat Anton Lauber verweist die Kritik ins Reich der Behauptungen: «Es ist eine ausdrückliche Bedingung der Regierung, dass der Betrieb des Flüchtlingszentrums die Pläne zur Sanierung der Deponie nicht behindern darf.» Deshalb sei der Mietvertrag mit dem Bund auf zwei Jahre befristet. Für eine allfällige Verlängerung wäre eine neue Lagebeurteilung nötig.