Winzerglück

Reiche Weinernte im Baselbiet dank heissem Sommer

Jede Weintraube sollte mit einem bestimmten Zuckergehalt geerntet werden. (Symbolbild)

Jede Weintraube sollte mit einem bestimmten Zuckergehalt geerntet werden. (Symbolbild)

Bei fast idealen Bedingungen sind viele Baselbieter Winzer bereits an der Weinlese. Dank des heissen Sommers sind die Trauben im Reifungsprozess acht Tage voraus. Ausserdem hat die Kirschessigfliege bisher keine grösseren Schäden angerichtet.

Vor knapp zwei Wochen haben die ersten Rebbauern in der Region begonnen, ihre Sylvaner-Trauben zu ernten. «Mittlerweile ist die Ernte voll im Gange», sagt Paul Leisi, Präsident der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn. Sie muss ein erleichterndes Ereignis sein, denn «solange die Trauben nicht im Keller sind, kann kein Winzer so richtig entspannen». Jede Traubensorte hat ihre Erntezeit. Viele Winzer müssen sich aber noch gedulden und auf gutes Wetter hoffen.

Kaum Ernteschäden

Die beiden Hauptgefahren, die die Ernte jetzt noch bedrohen können, sind der Hagel und die Kirschessigfliege. «Das Insekt ist zwar immer noch in der Region und wird auch nicht mehr verschwinden», sagt Andreas Buser, Rebbaukommissär der Region Basel/Solothurn. «Anders als im vergangenem Jahr wurden bis jetzt aber noch keine Schäden im Rebbau durch die Fliege registriert.» Buser kontrolliert die Trauben wöchentlich. An sechs verschiedenen Standorten werden einzelne Beeren abgenommen und im sogenannten Monitoring auf Eiablagen der unbeliebten Fliege untersucht. Zusätzlich stehen Fallen in den Rebhängen. Erfreulich ist, dass zwar viele Fliegen gefangen, auf den Beeren bis jetzt aber keine einzige Eiablage gefunden wurde. Warum das so ist, weiss Buser nicht genau. Er vermutet aber, die Schalen der Früchte seien durch den heissen Sommer härter als gewöhnlich, sodass nicht einmal die Kirschessigfliege mit ihrem kräftigen Ei-Ablageapparat durchstechen und ihre Eier im Fruchtinneren ablegen könne.

Das Ausbleiben von Ernteschäden durch die Kirschessigfliege ist nicht die einzige erfreuliche Nachricht, die die Weinproduzenten der Region heuer zu vermelden haben. Auch das Wetter bereitet ihnen dieses Jahr Freude. Nachdem die Knospen im Vergleich zum letzten Jahr erst eine gute Woche später aufgebrochen waren, und die Pflanzen im Mai noch nicht so richtig wüchsig waren, legten sie im Juni umso stärker los. «Wir hatten erst einen Rückstand von knapp zwei Wochen, unterdessen sind wir acht Tage im Vorsprung», sagt Buser. Die starke Hitze und die Trockenheit im Juli und August haben den Reben im Vergleich zu anderen Pflanzen kaum geschadet. Einzig an Tagen mit 35 Grad und mehr sei das Wachstum der Trauben gehemmt.

Von grün zu rotblau

Aber wie merkt ein Winzer, wann der richtige Zeitpunkt zur Ernte gekommen ist? «Dafür hat jeder Produzent sein eigenes Gespür», so Buser. Ein Rebstock durchläuft definierte Stadien. Die Reifephase beginnt mit dem Farbumschlag der Beeren. Die Weissweinsorten nehmen eine gelbliche Tönung an, die Roten färben sich von grün zu rotblau. Der Zeitpunkt des Farbumschlags variiert je nach Vegetation und Höhenlage. So sei das Oberbaselbiet gewöhnlich später dran als das untere. Dieses Jahr seien diese Unterschiede aber sehr klein gewesen. Mitte August setzte bei den ersten Trauben bereits der Farbumschlag ein. «Zu diesem Zeitpunkt merkten wir plötzlich einen schnellen Anstieg des Zuckergehalts bei den Beeren», so Buser. Der Zuckergehalt ist ein entscheidender Faktor zur Bestimmung des Erntezeitpunktes. Er wird in Oechsle-Graden ausgedrückt. Beim Messverfahren lässt man Licht durch den unvergorenen Traubensaft scheinen und bestimmt anhand des Brechungswinkels den Anteil gelöster Stoffe; also des Zuckers in der Flüssigkeit. Für jede Weinsorte gibt es Richtwerte. Je höher die Zahl, desto süsser der Saft und desto höher der Alkoholgehalt des Endproduktes.

Viele Auszeichnungen

Auch Leisi erntet diese Woche seine Sylvaner-Trauben. Für spätere Traubensorten bleibt zu hoffen, dass das Wetter weiter mitspielt. Das heisst konkret: viel Sonnenschein, damit die Reife fortschreitet. Das Aroma der Frucht breitet sich erst in den letzten Wochen der Reife aus. Die Nächte sollten hingegen kühl sein. Ansonsten baut die Traube zu viel Säure ab. Die Folge wäre ein zu hoher pH-Wert, was den mikrobakteriellen Schutz gefährden würde. Ebenso ungünstig wären längere Regenperioden. Die Pflanze nimmt zu viel Wasser auf, leitet dieses in die Trauben ab und weicht die Schale der Beeren auf. Diese wiederum sind dann anfällig auf Risse und Fäulnis.

Die Region Basel/Solothurn ist mit ihren rund 130 Hektaren ein sehr kleines Anbaugebiet. Im Verhältnis zur Rebfläche gewinne man aber viele Auszeichnungen, sagt Leisi stolz. «Das zeigt, dass wir in der Region einen guten Boden für gute Trauben und gute Produzenten haben.»

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