Waldenburg hat etwas, was im Baselbiet nur ganz wenige Orte besitzen: eine historische Kernstadt. Deshalb sollte man sich davor hüten, Waldenburg als Dorf zu bezeichnen, was es mit seiner bescheidenen Einwohnerzahl von knapp 1100 eigentlich ist. Die Waldenburger sprechen denn auch stolz von ihrem Stedtli, obwohl viele mit diesem nicht mehr so richtig glücklich sind. Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann sagt es so: «Wir machen uns im Gemeinderat schon lange Gedanken, wie wir unseren Stadtkern mit den vielen alten Bauten attraktiver machen können.»

Doch sich immer nur in seiner eigenen Gedankenwelt drehen wollte der Gemeinderat nicht. Deshalb griff er zu, als sich die Chance einer professionellen Aussensicht bot. Und diese kommt gerade im Doppelpack: Espace Suisse, der Verband für Raumplanung, führte eine – bezahlte – Stadtanalyse durch, und der Baselbieter Heimatschutz leuchtete zusammen mit Architektur-Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz – unbezahlt – das Zukunftspotenzial des unmittelbar an die Altstadt angrenzenden Bereichs Schulanlage-Gemeindeverwaltung aus.

«Riesiges Aufwertungspotenzial»

Am kommenden Freitag werden die Resultate an einer öffentlichen Veranstaltung um 18 Uhr im Gemeindesaal vorgestellt. Danach können die Modelle der Studenten noch bis zum 10. Juli besichtigt werden. Kaufmann, die auch erst einen Teil der Resultate kennt, sagt: «Ich bin sehr gespannt, was präsentiert wird.» Sie selbst sieht den grössten Handlungsbedarf darin, die alten Liegenschaften im Stadtkern «aufzuhübschen» und den Nadelberg begegnungsfreundlicher zu gestalten.

Bei der Stadtanalyse war Anna Borer federführend. Die Agronomin mit Zusatzausbildung in Raumplanung ist hauptberuflich beim Stadtbauamt Aarau für die Stadtentwicklung zuständig und wirkt bei Espace Suisse als Expertin. Sie sagt: «Wir haben in erster Linie die Altstadt, aber auch das ganze Gebiet bis zum Bahnhof angeschaut. In diesem Raum herrscht ein Riesenpotenzial für eine Aufwertung.» Ganz wichtig sei, das Wohnen im Stedtli, zum Beispiel mittels Einbezug des öffentlichen Raums, zu stärken.

Verwaltungsgebäude missfällt

Mehr will Borer zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten. Sie räumt aber mit Illusionen, wie sie offenbar noch viele Waldenburger hegen, auf: «Die Idee, dass die Altstadt eines Tages wieder durch zahlreiche Geschäfte belebt wird, ist unrealistisch.»

Beim zweiten Projekt von Heimatschutz und Fachhochschule hält Heimatschutz-Präsident Ruedi Riesen die Fäden in den Händen. Wir treffen ihn auf dem riesigen Asphaltplatz, der im Normalfall als Pausenplatz, jetzt aber vorübergehend als Parkplatz für eine Waldenburger Firma im Umbau dient. Er liegt mitten im Perimeter, für den sieben Studenten-Gruppen Verbesserungsvorschläge erarbeitet haben. Vor uns sehen wir das pittoreske, geschützte Primarschulhaus, links die Gemeindeverwaltung, die Riesen als «Katastrophen-Gebäude» bezeichnet, rechts die kaum attraktivere, ehemalige Post. Die Vorgabe an die Studenten hiess, diesen Raum planerisch mit einem kleinen Seminarhotel mit Café, einem neuen Verwaltungsgebäude mit Saal und einem kleinen Museum aufzuwerten.

In Liestal hats auch funktioniert

Ist das realistisch für das finanzschwache Waldenburg? Riesen winkt ab: «Wir wollen Akzente setzen, ohne zu fragen, ob das möglich ist.» In einem Ort, in dem alles gut laufe, verpuffe der Effekt von neuen Vorschlägen rasch. Aber in Waldenburg, das in den vergangenen Jahrzehnten fast nur verloren habe, sei die Situation anders: «Hier braucht es den Kick von aussen.»

Riesen, der in Liestal lange als Stadtrat fürs Bauliche zuständig war, erinnert an den Werdegang des neu gestalteten Wasserturmplatzes in Liestal. Auch da seien die ersten Impulse von aussen in Form von Studenten-Vorschlägen gekommen, die dann eingeflossen seien in die Rahmenbedingungen für den späteren Architekturwettbewerb. Aber Riesen ist auch Realist: «Bis die Arbeiten der Studenten in Waldenburg in irgendeiner Art umgesetzt sind, ist ein langer Weg. Aber wir müssen dranbleiben.»

Das sieht Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann ganz ähnlich: «Wir stehen am Beginn eines langen Prozesses. Als Nächstes wollen wir Arbeitsgruppen bilden.» In der kommenden Legislatur würden die Stadtanalyse und die StudentenVorschläge dann auch den Gemeinderat beschäftigen. Immerhin eine Aufwertungsmassnahme hat Waldenburg auf sicher: den neuen Bahnhof für das neue Waldenburgerli.