Asylheim-Affäre

Reinacher Interims-Gemeindepräsidentin: «Sicherlich ist nicht alles ganz rund gelaufen»

Béatrix von Sury d'Aspremont hat das Gemeindepräsidium interimistisch von Urs Hintermann übernommen.

Nach Urs Hintermanns Rücktritt als Reinacher Gemeindepräsident hat Béatrix von Sury d’Aspremont als Interims-Gemeindepräsidentin den Lead in der Asylheim-Affäre übernommen. Im Interview erklärt sie, wie es nun weitergehen soll.

Frau von Sury, hat Sie Urs Hintermanns Rücktritt überrascht?

Béatrix von Sury d’Aspremont: Ja, sehr. Denn Herr Hintermann hatte keinen Grund für einen Rücktritt. Aber es ist nachvollziehbar, dass er jetzt sagt: Es reicht.

Wieso ist Hintermann zurückgetreten?

Es liegt kein Eingeständnis eines Fehlers vor. Er möchte, dass in der Gemeinde wieder Ruhe einkehrt, damit man wieder konstruktiv arbeiten kann. Jetzt solle man sich bewusst werden, was passiert ist, wie viel Geschirr zerschlagen worden ist.

Hintermann möchte «die blockierte Situation für einen Neuanfang frei machen».

Der Sachverhalt hat sich nicht geändert, und es laufen noch die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK). Auch der Gemeinderat hat eine eigene Untersuchung lanciert. Aber immerhin ist jetzt die Person nicht mehr da, auf die geschossen worden ist.

Hätten Sie die Affäre bisher anders gehandhabt als Hintermann?

Im Moment wüsste ich nicht wieso. Vielleicht gibt es das eine oder andere, von dem man im Nachhinein sagen kann, dass man es anders hätte machen sollen. Denn sicherlich ist nicht alles immer ganz rund gelaufen. Das ist auch nicht einfach in einer solchen Auseinandersetzung. Es wurde von den Medien, vor allem von einem Medium, ständig auf uns geschossen. Wir durften aus personalrechtlichen Gründen nicht alles sagen, deshalb wurde uns Intransparenz vorgeworfen. Als wir dann trotzdem zu viel an die Öffentlichkeit brachten, war das auch wieder nicht recht und es wurde gegen uns Strafanzeige eingereicht.

Sehen Sie Spielraum, in Zukunft die Affäre anders zu handhaben als Hintermann?

Als Erstes müssen wir alle Untersuchungen abwarten und schauen, ob etwas falsch gelaufen ist und wenn ja was. Es macht keinen Sinn, einfach mal ins Blaue etwas anders zu machen als bisher.

Sie könnten anders kommunizieren als Hintermann. Er galt als autoritärer Dorfkönig und sprach nicht mit der «Basler Zeitung».

Mir ist Herr Hintermann nie als autoritär aufgefallen. Jeder hat seinen eignen Stil, aber das sollen andere beurteilen. Wenn man mit einem Medium spricht und dieses dann das Gegenteil bringt von dem, was man gesagt hat, dann finde ich es legitim, nichts mehr zu sagen.

Die Auseinandersetzung war geprägt von persönlichen Animositäten. Werden diese nach Hintermanns Rücktritt ausbleiben?

Auf jeden Fall hoffe ich, dass Ruhe einkehrt. In den Gemeinderatssitzungen haben wir in den vergangenen Monaten jedes Mal mindestens eine Stunde mit der Asylaffäre verbracht. Das band unnötig Ressourcen, die wir für die Zukunft Reinachs aufwenden sollten.

Sie haben als CVP-Vertreterin nicht den Konflikt innerhalb Ihrer eigenen Partei, den die SP hatte. Sehen Sie das als Vorteil?

Zur SP will ich mich nicht äussern. Aber es ist sicher gut, dass bei uns in der CVP keine Fronten entstanden sind.

Hintermann hofft, dass mit seinem Rücktritt der Einwohnerrat dem Gemeinderat wieder vertraut. Sie auch?

Das hoffe ich sehr, denn es wäre sehr wichtig. In meiner Zeit als Gemeinderätin hatte ich die Zusammenarbeit immer als gut empfunden, mit der Asylaffäre ist sie in den vergangenen Monaten so schlecht wie noch nie geworden. Wir müssen wieder miteinander anstatt gegeneinander arbeiten.

Wann wird man in Reinach wieder über wichtige Sachthemen reden können?

Es ist unser Wunsch und Ziel, dass dies bald möglich ist. Als Erstes müssen wir im Gemeinderat die Ressourcen auf fünf Köpfe verteilen und möglichst bald Ersatzwahlen organisieren.

Sie sind jetzt als Vizepräsidentin interimistisch Gemeindepräsidentin. Möchten Sie das Amt definitiv übernehmen?

Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht habe. Erstmal müssen wir die aktuelle Situation überbrücken. In den kommenden Wochen werde ich vielleicht Zeit haben, mir zu überlegen, wie meine persönliche Zukunft aussehen könnte.

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