René Steinle tritt überraschend per Ende August als Präsident der Bürgergemeinde Liestal sowie auch als Bürgerrat zurück. Dies verkündet der 71-Jährige auf der Homepage der Bürgergemeinde. Etwas verklausuliert schreibt er: «Dieser Entscheid ist das Resultat verschiedener Entwicklungen in den letzten Wochen und Monaten, insbesondere auch was die Deponie Höli AG und meine Doppelfunktion als Verwaltungsratspräsident und Bürgergemeindepräsident anbelangt.»

Bei den Verhandlungen über die Erweiterungen der «Höli» habe er gespürt, dass seine Person immer mehr infrage gestellt werde und ein «schleichender Vertrauensverlust» entstehe. Und der Freisinnige folgert: «Ohne Vertrauen kann man nicht führen und deshalb bleibt mir nur noch eine Möglichkeit: aus dem Bürgerrat auszutreten.» Das lässt auf interne Differenzen im fünfköpfigen Gremium schliessen. Darauf angesprochen sagt Steinle nur: «Ich will, dass es der Bürgergemeinde weiterhin gut geht. Mit mir geht das nicht, obwohl mir keine Fehler bewusst sind, die ich gemacht hätte. Aber ich kann die entstandenen Knüppel nicht lösen.»

Konkreter will er nicht werden. Nichts habe sein Rücktritt aber mit den Diskussionen mit dem Kanton und dem Liestaler Stadtrat um die Erweiterung der «Höli» zu tun. Hierzu ist bekannt, dass die Meinungen über den künftigen Perimeter auseinandergehen. Seinen Rücktrittsentschluss hat Steinle Anfang August gefasst, an der heutigen Verwaltungsratssitzung der Deponie Höli wird sich entscheiden, ob er weiterhin dem Gremium angehören wird. Er würde gerne noch bleiben. Die Bürgergemeinde ist Hauptaktionärin der Deponie, die ihr in den letzten Jahren einen riesigen Geldsegen bereitet und sie damit zu einem wichtigen Player in Liestal gemacht hat. Die viel schnellere Auffüllung der Deponie als geplant bescherte ihr aber auch Kritik.

Steinles bisherige Stellvertreterin Karin Jeitziner wird nun per Anfang September das Präsidium der Bürgergemeinde übernehmen. Gleichzeitig tritt die Freisinnige als Liestaler Einwohnerrätin zurück. Auf der Homepage bedauert der Bürgerrat Steinles «völlig unerwarteten» Rücktritt sehr. Steinle gehörte neun Jahre dem Bürgerrat an und präsidierte ihn während der letzten drei Jahre.