Strafgericht

Rentner im Rollstuhl ausgeraubt: Täter werden wohl ausgeschafft

(Symbolbild)

Die Täter stiegen durch die eingeschlagene Fensterscheibe ein.

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Eine Einbrecherbande stieg im Dezember 2014 in Münchenstein bei einem bettlägerigen Mann ein. Die Täter müssen sich nun vor dem Strafgericht Baselland verantworten.

Eigentlich ist es eine typische Einbrechertruppe, die sich seit Montag vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz verantworten muss: Insbesondere der 40-jährige Hilfsgärtner aus Albanien ist entsprechend vorbestraft, hat Pokerschulden und lotste seine Kumpel auch schon zu lohnenden Häusern in der Region, die er von früheren Einbrüchen kannte. Doch die Geschichte vor Weihnachten 2014 war kein gewöhnlicher Einbruch: Am Freitag beobachtete der Mann einen Tag lang ein Haus in Münchenstein, er kannte den gebrechlichen und an seinen Rollstuhl gebundenen 83-jährigen Bewohner bereits. Am Abend fuhr er in eine Kleinbasler Rotlichtbar und heckte mit Kumpeln zusammen den Einbruch weiter aus. In der Nacht auf Samstag setzten die vier Männer dann ihren Plan um: Sie fuhren nach Münchenstein, schlugen eine Wohnzimmerscheibe ein und stiegen in das Haus.

Bettdecke aufs Gesicht gedrückt

Tatsächlich schlief der Hausbewohner wie erwartet in seinem Bett, der 40-jährige Mann hielt den Mann fest und drückte ihm die Bettdecke auf den Kopf. Die Kumpel durchsuchten die Wohnung nach Wertsachen, transportierten den Fernseher ab und zogen dem verängstigten Mann auch die Uhr und das Armband ab. Das Opfer sagte später aus, es habe sich nach vergeblicher Gegenwehr bewusst totgestellt. Die Truppe entkam mit einer Beute von insgesamt rund 19 000 Franken. «Ich wollte diesem Mann nicht wehtun», betonte der 40-Jährige vor Gericht diese Woche mehrfach. In der darauffolgenden Nacht nahmen sie noch einen fünften Bekannten mit, um nur wenige hundert Meter entfernt einen weiteren Einbruch im Migros-Restaurant Seegarten zu begehen. Mit einer Winkelschleifmaschine versuchten sie dabei vergeblich, den Tresor zu öffnen.

Der 40-Jährige hinterliess beim Raubüberfall seine DNA, ihn erwischte man rasch, nach und nach gab er die Sache zu. Später hat er auch seine Kumpel verpfiffen, diese bestreiten die Vorwürfe allerdings nach wie vor. «Ohne ihn wären weder Täter noch Taten in diesem Ausmass aufgedeckt worden», sagte Staatsanwalt Marin Hälg dazu. Die Verteidiger betonten allerdings, der 40-jährige sei nicht glaubwürdig und habe seine Aussagen mehrmals geändert. Die DNA eines weiteren Mittäters fand man allerdings auf einer im Seegarten zurückgelassenen Tasche, und auch die Schleifmaschine gehörte einem Onkel eines anderen Angeklagten.

Bereits einiges auf dem Kerbholz

Die Vorgeschichten der Angeklagten sind beeindruckend: So wird ein 33-jähriger Mann aus Albanien bereits in Italien gesucht, dort wurde er nach einer Schlägerei wegen versuchten Mordes zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Um die Strafe nicht antreten zu müssen, flüchtete er nach Deutschland und schlug sich mit Schwarzarbeit durch, bis er dort wegen Drogendelikten aufflog. «Die Drogen gehörten nicht mir», beteuerte er dazu vor Gericht.

Ein weiterer 23-jähriger Beteiligter hingegen wird im Kosovo gesucht, weil er dort einem Mann an einer Bushaltestelle eine Kugel in dessen Knie gejagt hat. Er flüchtete damals nach Kanada und schlich sich zu Fuss über Vancouver in die USA. Dort spürte man ihn aufgrund seines Facebook-Profiles auf und lieferte ihn in die Schweiz aus. Im Gefängnis in Liestal provozierte er einen grösseren Polizeieinsatz, weil er damit drohte, sich in seiner Zelle heisses Wasser aus einem Wasserkocher über den Körper zu schütten. Der Chauffeur der Truppe hingegen ist ein nicht vorbestrafter, relativ gut integrierter Mann, allerdings läuft ein Verfahren wegen einer Vergewaltigung gegen ihn. Seine Beteiligung am Raub streitet er ab: Er verstieg sich vor Gericht gar zur Aussage, man könne ihn lebenslang einbuchten, wenn man dort seine DNA finde.

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