Kräuterbonbons

Ricola-CEO Felix Richterich: «Laufen liegt strategisch gut»

«Wir wollen schon wachsen, aber nachhaltig und ausgeglichen.» Felix Richterich, Geschäftsführer Ricola

«Wir wollen schon wachsen, aber nachhaltig und ausgeglichen.» Felix Richterich, Geschäftsführer Ricola

Der Leiter des Familienunternehmens spricht im Interview mit der bz über seine Mitarbeiter, den Frankenschock und den Standort Laufen. Ausserdem verrät er, welche Bonbons auf der ganzen Welt gut ankommen.

Felix Richterich leitet seit 2011 in dritter Generation die Geschicke des Familienunternehmens Ricola in Laufen. Seither ist es ihm gelungen, die Bedeutung der Kräuterbonbons als international bekannte Marke weiter zu festigen. Im Interview erklärt der Geschäftsführer, wie sich die Geschmäcker der Kunden in den verschiedenen Teilen der Welt unterscheiden.

Felix Richterich, Hand aufs Herz: Lutschen Sie noch Ricola-Bonbons?

Felix Richterich: Ja, natürlich.

Wieso ist Ihnen die Lust noch nicht vergangen?

Unsere Bonbons sind einfach gut, da sie dank unserer Kräuter ein ganz spezielles Geschmackserlebnis bieten. Zudem haben wir zahlreiche Geschmacksrichtungen, die Abwechslung bieten.

Wie geht Ricola bei der Ausarbeitung neuer Produkte vor?

Im Zentrum bei der Entwicklung neuer Produkte stehen unsere Konsumenten. Wir schauen zum Beispiel, wo es Bedürfnisse gibt, die noch nicht abgedeckt sind. Dann entwickeln wir in unseren eigenen Labors in Laufen Versuchsmuster, die dann zunächst mit einer internen Sensorikgruppe getestet werden, bevor das beste Produkt auf den Markt kommt.

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe und wo verarbeiten Sie diese?

Unsere Rohstoffe kommen wenn möglich aus der Schweiz, aber teilweise auch aus anderen Ländern. Wichtig für uns ist, dass die Kräuter unserer Ricola-13-Kräutermischung, welche die Grundlage für alle Ricola Bonbons bildet, aus der Schweiz kommen. Ricola hat mit über 100 Bauern aus Schweizer Berggebieten fixe Abnehmerverträge geschlossen. Geschnitten, gereinigt und gemischt werden die Kräuter im Kräuterzentrum in Laufen. Die Herstellung der Kräuterbonbons findet in der benachbarten Fabrik statt.

Ein Erfolgsrezept von Ricola ist, dass man sich trotz internationaler Bekanntheit entschieden hat, nicht mehr enorm zu wachsen. Wieso?

Wir wollen schon wachsen, aber nachhaltig und ausgeglichen. Wir wählen die Märkte, in denen wir wachsen wollen, sorgfältig aus und investieren langfristig in den Markenaufbau.

Trotz steuergünstigeren Ortschaften sind Sie mit Ihrem Unternehmen bis heute Laufen treu geblieben. Weshalb?

Ricola wurde vor über 85 Jahren von meinem Grossvater Emil Richterich in Laufen gegründet. Meine Eltern haben das Unternehmen aufgebaut und wohnen noch heute in Laufen. Obwohl ich selbst nicht in Laufen lebe, bin ich mit Laufen verbunden, und als Familienunternehmen sind wir in der Region stark verwurzelt. Wir engagieren uns auch in kulturellen Projekten und nehmen Anteil am gesellschaftlichen und politischen Leben. Als wichtige Arbeitgeberin im Laufental nehmen wir die damit verbundene Verantwortung ernst. Viele Mitarbeitende kommen aus Laufen und Umgebung. Mit dem Bau des Kräuterzentrums haben wir das Bekenntnis zum Standort Laufen bekräftigt. Laufen liegt durch die Nachbarschaft zu Basel, dem Dreiländereck und der internationalen Anbindung an den Euro-Airport auch strategisch gut. Wir finden hier motivierte und qualifizierte Mitarbeitende, sowohl aus der Region als auch aus dem grenznahen Ausland.

Als international tätige Firma waren auch Sie vom Frankenschock betroffen. Welche Auswirkungen hatte dieser auf Ihren Betrieb?

Diese Situation hat für uns als Schweizer Unternehmen mit Produktion in der Schweiz und einer Exportquote von rund 90 Prozent einen starken Einfluss auf unser operationelles Geschäft. Unsere langfristige Strategie bleibt jedoch trotz starkem Franken unverändert. Wir konzentrieren uns auf die Erfolgsfaktoren Qualität, unsere Schweizer Wurzeln und die Produktvorteile als Kräuterspezialistin. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Konsumentinnen und Konsumenten diese Werte schätzen.

Ricola stellt bekanntlich für einzelne Länder unterschiedliche Produkte her. Inwiefern unterscheiden sich die Präferenzen?

Unser Sortiment umfasst mehr als 60 Sorten Kräuterbonbons und Teespezialitäten, vom Klassiker, dem Original Schweizer Kräuterzucker, über minzige bis hin zu fruchtigen Sorten. Je nach Region gibt es unterschiedliche Vorlieben bei den Verbrauchern. Die asiatischen Konsumenten mögen die fruchtigen Sorten mehr als die Amerikaner.

Wie würden Sie den typischen Schweizer Geschmack beschreiben?

Alle unsere Kräuterbonbons vereinen in sich immer eine wohltuende Wirkung und den guten Geschmack. Ich denke, die Schweizer lieben das Kräutrig-herbe von Ricola, auch in Kombination mit fruchtigen Geschmacksrichtungen.

Welche Bonbons kommen überall gut an?

Der Kräuterzucker und Zitronenmelisse kommen weltweit gut an.

Ricola ist bekannt für gute Sozialleistungen und für zahlreiche Anlässe für die Mitarbeitenden. Welche Gedanken stecken hinter dieser Philosophie?

Wir haben Ricola immer schon als Unternehmen gesehen, in dem alle einen wichtigen Beitrag leisten und mit Freude und Begeisterung mitarbeiten an einem gemeinsamen Ziel. Bereits meine Eltern haben das Gemeinschaftserlebnis mit den Mitarbeitenden sehr gepflegt und es war ihnen stets sehr wichtig, allen Mitarbeitenden respektvoll zu begegnen. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir unsere Mitarbeitenden fördern in ihrer professionellen Entwicklung. Unsere internen Anlässe, wie unser Mitarbeiter-Picknick oder die Weihnachtsfeier, bieten auch die Möglichkeit zum persönlichen Austausch unter verschiedenen Abteilungen und Standorten.

Können Sie uns einen Einblick geben, welche neuen Produkte derzeit in der Pipeline stehen?

Unser neuestes Produkt «Kräuter-Caramel» ist etwas ganz Besonderes. Es ist nicht so süss wie manche herkömmlichen Karamellbonbons und so wohltuend und erfrischend wie unsere bisherigen Kräuterbonbons.

In acht Jahren werden Sie pensioniert. Wissen sie schon, wie Ihre Nachfolge aussieht?

Die Nachfolge wird langfristig und sorgfältig vorbereitet und zur gegebenen Zeit kommuniziert.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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