Neujahrsapéro SVP

Rösti nimmt den Hut und sucht nun den Super-Chrampfer – Selfies gibts später

Der SVP-Präsident schwörte die Baselbieter Sektion auf die Gemeindewahlen ein. Im Publikum fehlte ein Gesicht.

Eine solche Selfie-Session gibt es in der Politik nicht alle Tage. Albert Rösti kam fast nicht mehr nach mit In-die-Kamera-Grinsen. Wie ein Popstar wurde der Präsident der SVP Schweiz verabschiedet nach seiner Rede am Mittwoch im Reinacher Heimatmuseum. Kaum jemand, der sich nicht ablichten wollte mit dem gmögigen Berner Oberländer. Die Medienvertreter hatten sich hinten anzustellen, und als sie Rösti endlich interviewen durften, wurden sie selbst dann unterbrochen: «Ich will ihn auch noch, gäll?»

Dass Albert Rösti gar nicht mehr lange SVP-Präsident ist, schien keine Rolle zu spielen. Im kommenden März gibt er den Job ab. Das verkündete Rösti, der das Amt 2016 übernommen hatte, kurz vor Weihnachten. Am Mittwochabend am Neujahrsapéro der SVP Reinach tat der Scheidende genau das, was er seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin ans Herzen legt: rausgehen zu den Leuten, die Basis stärken, die Sektionen begleiten. Oder wie es Rösti ausdrückte: Büeze und chrampfe.

Die Partei sei sehr stark gewachsen in den vergangenen Jahren. Die Aufbauarbeit habe aber nicht überall Schritt halten können. «Wenn wir Schwierigkeiten hatten bei der SVP, dann auf kantonaler Ebene. Wenn uns die Leute fehlen in den Sektionen, haben wir ein Problem.»

«GLP wird irgendwann wieder verschwinden»

Rösti nimmt den Hut. Aber nicht, weil er nicht beliebt wäre oder nicht mehr getragen würde von der Basis. Er zog selber die Konsequenzen aus den Nationalratswahlen im vergangenen Oktober. Die SVP blieb zwar stärkste Kraft in Bundesbern, musste aber die grössten Sitzverluste hinnehmen.

Auf seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin warte eine Riesenarbeit, sagte Rösti nach Bekanntgabe seines Rücktritts: Die Sektionen wieder aufbauen. Jetzt müsse jemand anderes ran: «Neue Besen kehren besser.»

Die Gemeindewahlen im Baselbiet vom 9. Februar seien so wichtig wie die Bundesratswahlen, sagte Rösti, «und das meine ich wirklich ernst!» Die SVP brauche gut aufgestellte Ortssektionen, die SVP Reinach sei ein gutes Beispiel. Dabei blickte er seinen Gastgeber an, Csaba Zvekan. Der Präsident der SVP Reinach hat sich selber hohe Ziele gesteckt. «Ich kenne Dich schon», sagte Rösti zu Zvekan. «Ich habe bei der Fahrt hierher viele Deiner Plakate gesehen. Es hatte auch viele GLP-Plakate. Aber die Partei wird irgendwann schon wieder verschwinden.» Die Lacher waren dem 52-Jährigen sicher.

Im Publikum war das Who-is-who der Volkspartei der Nordwestschweiz versammelt. Zu Dominik Straumann, Präsident der Baselbieter SVP, gesellten sich dessen Amtskollegen aus Basel-Stadt (Eduard Rutschmann) und Solothurn (Christian Imark), der selber kürzlich sagte, das nationale Präsidium komme für ihn nicht in Frage. Andere mögliche Kandidaten sind parteiintern bereits in die Kritik geraten. Ebenso gesichtet wurden in Reinach der Baselbieter Nationalrat Thomas de Courten sowie zahlreiche Land- und Gemeinderäte. Ein Gesicht fehlte aber: jenes von Sandra Sollberger.

Sollberger gibt sich weiter zugeknöpft

Die Nationalrätin wurde als eine mögliche Nachfolgerin Röstis gehandelt. Die Malermeisterin sagt auf Nachfrage der bz, es sei ihr am Mittwochabend noch ein Kundentermin dazwischen gekommen. «Ich wäre aber sehr gerne nach Reinach gekommen.»

Bislang gab sich die 46-Jährige zugeknöpft, was ihre Ambitionen auf das nationale Parteipräsidium betrifft. «Es ist weiterhin alles offen. Es gibt keine News», winkte sie am Donnerstag ab. «Ich müsste eine Kandidatur gut abwägen.»

Sollberger sah Rösti schon am Donnerstagabend wieder. Die Bubendörferin gehört zum Ausschuss der SVP-Parteileitung. Der trifft sich bis Freitagmittag in Bad Horn am Bodensee. Thema der Sitzung: Präsidentensuche.

Für den Job braucht es vor allem eines: viel Zeit

Eine Präsidentin wäre «natürlich hervorragend», sagte Rösti am Mittwoch zur bz. «Aber auch eine Frau muss die Grundvoraussetzungen erfüllen: Zeit, Bereitschaft und Durchsetzungskraft. Abstriche können wir keine machen. Dafür ist der Job zu aufwendig und wichtig.»

Dann musste Rösti weiter. Sich den angenehmen Seiten des Präsidiums widmen – das nächste Selfie wartete auf ihn.

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