Burg

Röttelns intensive Beziehungen zu Basel

Gross und sehr gut erhalten: Die Burg Rötteln bei Lörrach lohnt einen Besuch.

Gross und sehr gut erhalten: Die Burg Rötteln bei Lörrach lohnt einen Besuch.

Die Burg über dem Wiesental wird in einem neuen Buch historisch beleuchtet. Sie soll künftig wieder mehr Touristen anziehen.

Die persönlichen Bindungen seien spätestens im 17. Jahrhundert abgebrochen, sagt Werner Meyer. Doch viele Jahrhunderte lang hatten die Basler intensiven, zum Teil verwandtschaftlichen Kontakt mit den Herren von Rötteln auf der gleichnamigen Burg im unteren Wiesental.

Bis zur Jahrhundertwende 1100 zurück kann Meyer, der emeritierte Geschichtsprofessor aus Basel, diese Beziehungen zurückverfolgen. Immerhin drei Bischöfe von Basel stellten die Herren von Rötteln, Walther von Rötteln (ca. 1180–1232), Lüthold II von Rötteln (†1249) und Lüthold III von Rötteln (†1316).

Röttler Wappen findet sich auch am Basler Münster

Das Röttler Wappen mit dem aufsteigenden Löwen findet sich deshalb auch in einen Strebepfeiler des Basler Münsters gehauen. Stark seien die Bindungen auch nach der Reformation gewesen, sagt Meyer, als das badische Markgräflerland die einzige reformierte Region rund um die Stadt Basel gewesen sei.

Nicht immer jedoch waren die Beziehungen familiärer Natur: 1332 belagerten die Basler sogar Burg Rötteln, «weil ein margroff von Rotelen ein Burgermeister von Basel erstochen hatt», wie Meyer in seinem Aufsatz «Die Freiherren von Rötteln und der Basler Adel» zitiert.

2019 zeigte das Dreiländermuseum in Lörrach eine grosse Ausstellung zur Burg Rötteln, die im April von einer wissenschaftlichen Tagung begleitet worden war. Aus den Beiträgen dieser Tagung ist ein aufwendiger Bildband mit dem Titel «Herrschaft zwischen Basel und Frankreich: Burg Rötteln» entstanden, der gestern Donnerstag im Dreiländermuseum vorgestellt wurde und ab sofort im Handel erhältlich ist. Verantwortlich für die Veröffentlichung sind die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg; neben Werner Meyer wirkten viele andere regionale Autoren von der deutschen Seite mit.

Historische Verflechtungen über Landesgrenzen hinaus

Die Oberburg mit 50 000 zahlenden Besuchern jährlich ist im Besitz der Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die Unterburg mit der Schenke und den jährlichen Burgfestspielen gehört der Stadt Lörrach, die ihr Wahrzeichen laut Oberbürgermeister Jörg Lutz wieder mehr touristisch bewerben will, als das in den vergangenen Jahren der Fall war. Seit 1926 kümmert sich der Röttelnbund um den Unterhalt der Burg; unter den rund 600 Vereinsmitgliedern sind laut dem Burgvogt und Vereinsvorsitzenden Uwe Gimpel etwa 40 Schweizer aus der Nordwestschweiz sowie 20 Elsässer.

Das relativ breite Engagement von Schweizern und Elsässern für die Burg Rötteln verwundert den Leiter des Dreiländermuseums, Markus Moehring, nicht: «Wer bei der Betrachtung in den heutigen Grenzen von Baden-Württemberg, der Schweiz oder von Frankreich stecken bleibt, wird den historischen Verflechtungen von Rötteln und ihrer zentralen Lage nahe dem Rheinknie von Basel nicht gerecht», schreibt er in seinem Vorwort im Buch. Er freue sich deshalb, dass für das Buch der Titel der Tagung 2019 «Herrschaft zwischen Basel und Frankreich» als Untertitel übernommen wurde.

Das Dreiländermuseum hat die wissenschaftliche Verantwortung für die Burg Rötteln inne und betreut über 1000 Objekte, von denen viele während Grabungen in den 1920er- und 1930er-Jahren gefunden wurden. Auch in den vergangenen Jahren fanden Grabungen statt. Moehring hofft, dass sie auch weiterhin fortgeführt werden, denn, wie Oberbürgermeister Lutz sagt: «Es ist überraschend, wie wenig man eigentlich über Rötteln weiss.»

Grösste Burgruine am Oberrhein

Moehring betont, dass Rötteln die grösste mittelalterliche Burgruine am Oberrhein und in der Nordwestschweiz ist: «Dem Potenzial ist sich die Region nicht vollständig bewusst.» Auch Meyer nennt auf die Frage, warum sich ein Besuch auch für Nordwestschweizer lohnt, die Grösse der Burgruine und ihren guten Erhaltungszustand. Die Geschichte von Burg Rötteln selbst, meint er allerdings, sei eher Insiderwissen.

Wer sich nicht so sehr für die mittelalterlichen Fehden und Politik interessiert, der lauscht vielleicht lieber den Sagen, die es zu so einer grossen und alten Burg selbstverständlich gibt: die Sage vom Geheimgang zum Beispiel, der von der Burg angeblich unter dem ganzen Wiesental bis zum Lörracher Stadtteil Brombach hindurch verlaufen soll, oder jene Geschichte von einem der Herren von Rötteln, der mit seinem Pferd vom belagerten Bergfried in die Tiefe sprang – und im Gegensatz zu seinem Pferd überlebt haben soll.

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