Baselland

Rothenfluh macht den Anfang: Das Pfarrhaus geht an die Stiftung Kirchengut zurück

Die reformierte Kirchgemeinde Rothenfluh - im Bild die Kirche - hat das Pfarrhaus zurückgegeben.

Die reformierte Kirchgemeinde Rothenfluh - im Bild die Kirche - hat das Pfarrhaus zurückgegeben.

Die reformierte Kirchgemeinde hat das Traktandum an der Versammlung im Rekordtempo abgesegnet.

So rasch geht kein Gottesdienst vorüber. Nach bloss einer halben Stunde war die Kirchgemeindeversammlung in Rothenfluh vom Donnerstagabend beendet. Dabei stand mit der Rückgabe des Pfarrhauses an die Stiftung Kirchengut Baselland ein gewichtiges Geschäft auf der Traktandenliste. Aber die Meinungen waren offenbar bereits gemacht. Ohne Wortbegehren und einstimmig winkten die Versammlungsteilnehmenden den Antrag der Kirchenpflege durch. Was bedeutet dieser Entscheid?

Seit Anfang Jahr ermöglicht die Stiftung, der die reformierten Gottes- und Pfarrhäuser im Baselbiet gehören, den Kirchgemeinden, diese Gebäude an sie zurückzugeben. Damit treten die Kirchgemeinden ihr Nutzniessungsrecht ab und trennen sich von der Pflicht, für Unterhalt und Bewirtschaftung zu sorgen. Mit ihrem Beschluss macht jetzt Rothenfluh als erste Kirchgemeinde davon Gebrauch. Damit entlastet sie sich künftig finanziell stark.

Die Kirchgemeinde muss für die Rückgabe gemäss Inventar und Berechnung 35'000 Franken an die Stiftung Kirchengut überweisen. Für sie geschieht das jedoch kostenneutral, weil sie vom Härtefonds der kantonalen Landeskirche 22'900 Franken erhält und diese mit 12'100 Franken einen weiteren Beitrag gesprochen hat. Die Kirchgemeinde wird künftig Räumlichkeiten im Pfarrhaus mieten – für 9'600 Franken jährlich.

Präsidentin Heidi Bader zeigt sich nach der Versammlung erleichtert, dass der Entscheid so deutlich und diskussionslos ausgefallen ist. Nun gelte es, die 30-tägige Referendumsfrist abzuwarten, meint sie. Alt Regierungsrat Erich Straumann, der für mehrere Monate als Zwangsverwalter geamtet hat, gratuliert der Kirchgemeinde «zu diesem mutigen und zukunftsweisenden Entscheid». Und betont: «Das Pfarrhaus bleibt ja im Dorf.» Pfarrerin Birgit Schmidhalter sagt zur Tatsache, dass die Pfarrperson nicht mehr im Pfarrhaus wohnt: «Ich werde meine Präsenz nun auf andere Art markieren.»

Unfreiwillig in den Schlagzeilen

Das Gebäude im Dorfkern aus dem 16.Jahrhundert ist nicht nur imposant, sondern hat 2015 unfreiwillig auch nationale Bekanntheit erlangt. Der damalige Pfarrer Lukas Baumann hielt zusammen mit seiner Frau in einem Sitzungszimmer Kaninchen. Dies spaltete die Kirchenpflege, sorgte im Dorf für viel Ärger und brachte ihm den Beinamen «Chüngeli-Pfarrer» ein. Später wurde das Pfarrhaus noch von einer Mäuseplage heimgesucht. Damit war das Band zwischen dem Pfarrehepaar und einem grossen Teil der Dorfbevölkerung endgültig zerschnitten. Vor gut drei Jahren musste Baumann den Hut nehmen.

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