Sparmassnahme

Rotstift macht vor dem Tod nicht Halt: Muttenz schafft Gratis-Sarg ab

Soll abgeschafft werden: Der Muttenzer Gratis-Sarg (Symbolbild).Fotolia

Soll abgeschafft werden: Der Muttenzer Gratis-Sarg (Symbolbild).Fotolia

Die Baselbieter Gemeinden müssen sparen. Diese Sparmassnahmen treffen in Muttenz eine Dienstleistung, die von den Bürgern stark genutzt wurde. Die Gemeinde schafft den Gratis-Sarg ab.

480 Franken ist der Muttenzer Gemeindesarg wert. Mit «einfacher Innenausstattung», wie es auf einem Informationsblatt der Verwaltung heisst. Nicht dazu gehören das Einbetten der Verstorbenen, das Sterbehemd oder das Kissen. Auch Übergrösse kostet extra: Dafür wird ein Zuschlag von 106 Franken fällig.

Doch der kostenlose Gemeindesarg gehört in Muttenz bald der Vergangenheit an. In Folge einer Totalrevision des Bestattungs- und Friedhofreglements ist er gestrichen worden. Zusammen mit dem Leichentransport und der Kremation, die bisher beide ebenfalls unentgeltlich waren. Am Dienstag genehmigte die Gemeindeversammlung die Totalrevision mit grossem Mehr.

Damit spart Muttenz 200 000 Franken pro Jahr, alleine bei den Särgen sind es 80 000. Rund 170 Beisetzungen gebe es jährlich in Muttenz, teilte der Gemeinderat mit. Multipliziert man die 170 Beisetzungen mit dem Preis des Gemeindesargs, so kommt man ziemlich genau auf den eingesparten Betrag – oder anders gesagt: In der Regel wird in Muttenz mit dem Gemeindesarg bestattet.

Sargstreichen als Sparmassnahme

Das weiss auch der zuständige Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne): «Die Sparmassnahme ist nicht populär. Die Dienstleistung wurde stark in Anspruch genommen. Das ist dem Gemeinderat bewusst. Aber mit Blick auf die kommenden Investitionen der Gemeinde sind wir dort zum Sparen gezwungen, wo wir den entsprechenden Handlungsspielraum haben.»

Laut Hausammann ist die Streichung der drei Dienste, geplant per Januar 2014, sozialverträglich: «Schon heute werden die meisten Bestattungen aus Nachlässen finanziert.» Trotzdem sieht die Gemeinde eine Härtefall-Regelung vor. «So ist für alle ein würdevolles Begräbnis gewährleistet», sagt Hausammann – und ergänzt, dass diese Härtefall-Regel selten angewandt werde. Ergeben habe dies ein Vergleich mit Nachbargemeinden.

Nur Binningen hat Gemeindesarg

Ein Blick auf die Reglemente ähnlich grosser Gemeinden im Kanton zeigt ausserdem: Muttenz gehörte bisher zu einer Minderheit. Denn ansonsten kennt nur Binningen einen Gemeindesarg. Pratteln beteiligt sich mit 400 Franken an den Sargkosten, Arlesheim sogar mit 660 Franken. Dieser Betrag ist hoch, wenn man ihn mit dem Basler Staatssarg vergleicht: Dieser kostet 135 Franken. Der Versuch, ihn abzuschaffen, scheiterte 2004.

In Birsfelden, Münchenstein, Reinach, Aesch, Allschwil, Bottmingen, Therwil und Oberwil finden sich in den entsprechenden Reglementen keine Gemeindesärge. Bei anderen Kosten, die ein Todesfall mit sich bringt, wird die Situation unübersichtlich. Je nach Gemeinde werden Transport, Aufbahrung, Personal, Benützung des Abdankungsraums oder der Kapelle und Weiteres mehr in Rechnung gestellt – oder eben nicht.

Möglich sind die grossen Differenzen deshalb, weil nirgends fest gehalten ist, ob und in welchem Umfang sich die Gemeinden an Bestattungen beteiligen müssen. Das kantonale Gesetz über das Begräbniswesen aus dem Jahr 1931 legt lediglich fest, dass die Gemeinden einen Friedhof unterhalten müssen.

Wie in Basel scheiterte auch in Binningen der Versuch, den Gemeindesarg abzuschaffen. Im Gegensatz zur Muttenzer Gemeindeversammlung lehnte der Binninger Einwohnerrat 2011 den Antrag mit grossem Mehr ab. Der Binninger Sarg ist bei der Bevölkerung akzeptiert. Laut Nicolas Kaufmann, Leiter Behördendienste und Kommunikation, wird dort bei den meisten Bestattungen auf den Gemeindesarg zurück gegriffen. Und das wird in näherer Zukunft auch so bleiben: «Zur Zeit sind uns keine Bestrebungen bekannt, den Gemeindesarg abzuschaffen.»

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