Datenschutz

Rundtelefon statt «WhatsApp»: Baselbieter Bildungsdirektorin warnt vor Nachrichtendienst

Nicht Datenschutz-kompatibel: Auch an Baselbieter Schulen wird «WhatsApp» verbannt.

Nicht Datenschutz-kompatibel: Auch an Baselbieter Schulen wird «WhatsApp» verbannt.

Im Baselbiet müssen Lehrer wohl bald die beliebten «WhatsApp»-Klassenchats löschen. Regierungsrätin Monica Gschwind hat zwar bereits eine Alternative in peto – doch durchsetzen wird sie sich kaum.

Weltweit nutzen rund 1,5 Milliarden Menschen «WhatsApp». Bald dürften es ein paar weniger sein. Der Nachrichtendienst hat das Nutzeralter von 13 auf 16 Jahre erhöht. An etlichen Schulen müssen Klassenchat-Gruppen gelöscht werden, so auch im Kanton Baselland: Die Baselbieter Bildungsdirektion empfiehlt den Primarschulen, auf den Einsatz von «WhatsApp» zu verzichten. Die Klassenchats sind bei den Lehrkräften als Kommunikationskanal beliebt. Sie teilten darin etwa mit, wenn am anderen Tag Lektionen ausfallen.

Vergangene Woche hat das Baselbieter Amt für Volksschulen (AVS) sämtlichen Schulleitungen der Primarschulen eine Empfehlung verschickt. Demnach seien nicht nur die Klassenchats aufzulösen. Auch die Gruppen, in denen Lehrer mit Eltern in Kontakt stünden, sollten nicht mehr genutzt werden.

Zurück zum Rundtelefon?

Schon Anfang Juni hatten die Datenschutzbeauftragten beider Basel vor dem Gebrauch von «WhatsApp» für Schulzwecke gewarnt. Die Verwendung des Nachrichtendienstes verstosse gegen Datenschutzrichtlinien.

Im Landrat gab der «WhatsApp»-Bann in den Klassenzimmern zu Reden. Bildungsdirektorin Monica Gschwind wurde an der Sitzung von vergangenem Donnerstag nach Alternativen gefragt. Sie empfahl etwas, an das sich die meisten im Saal wohl noch gut erinnern konnten. «Das gute, alte Rundtelefon – das gibt es halt immer noch», sagte die FDP-Regierungsrätin. Diese Methode sei «vielleicht mühsam, aber es muss auch so gehen.»

Unter Lehrerinnen und Lehrern stösst der Vorschlag der Bildungsdirektorin auf wenig Begeisterung. Michael Weiss, Geschäftsführer des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) sagte zum «Regionaljournal Basel», es solle eine Lösung gefunden werden, «die dem 21. Jahrhundert entspricht». Auch für Pascal Ryf ist das Rundtelefon nicht mehr zeitgemäss. Der CVP-Landrat ist Schulleiter der Primarschule Allschwil. «Die Rundtelefone haben schon vor Jahren nicht mehr richtig funktioniert», sagt der Oberwiler zur bz. «Etliche Familien haben keinen Festnetzanschluss mehr, viele Schüler sind auch unter der Handynummer kaum erreichbar. Fällt nur ein Glied in der Kette aus, kommt es zu Verzögerungen.» Ganz anders «WhatsApp»: «Da reichte eine Nachricht», sagt Ryf, «und die Sache war erledigt.»

Es gibt aber auch weitere Alternativen neben dem Rundtelefon. Das AVS stellt in seinem Schreiben ein «Merkblatt zur digitalen Kommunikation» in Aussicht. Es werde rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahrs Mitte August zugestellt, «im Sinne einer Handlungsempfehlung».
Beat Lüthy, Leiter des AVS, sagt auf Anfrage, er könne noch nicht vorgreifen, welche Dienste oder Möglichkeiten auf dem Merkblatt aufgeführt sein werden. Es würden bereits Merkblätter existieren, etwa im Kanton Zürich. Tatsächlich hat der Zürcher Datenschutzbeauftragte die Vor- und Nachteile von Kommunikationssoftware analysiert. Darunter sind «Threema», ein Angebot aus der Schweiz, und «Signal».

SMS von Eltern – spätnachts

Neben Baselland wollen auch andere Kantone «WhatsApp» von den Schulen fernhalten. Die Heraufsetzung des Nutzeralters beim Programm scheint jedoch nur der Anlass zu sein, den Schritt rasch zu vollziehen.

Die Probleme mit dem Datenschutz sind seit längerem bekannt. «WhatsApp» gehört seit 2014 Facebook. Wer die App des Dienstes installiert, muss damit rechnen, dass seine Kontakte ausgespäht werden. Das AVS schreibt in seinem Brief an die Primarschulen, «WhatsApp» sei nicht konform mit kantonalen Datenschutzbestimmungen.

Neutrale Klassenhandys als Lösung

Für Pascal Ryf wären ohne «WhatsApp» aber längst nicht alle Probleme gelöst. Er bezeichnet es als problematisch, dass Lehrerinnen und Lehrer auch bei Alternativdiensten ihre privaten Handynummern bekannt geben müssten – mit unangenehmen Folgen: «Viele Schüler, aber auch Eltern respektieren die Privatsphäre der Lehrpersonen nicht mehr», sagt Ryf. «Es ist schon vorgekommen, dass Eltern einem Lehrer spätnachts eine SMS schrieben, um mitzuteilen, die Tochter könne am nächsten Tag nicht im Unterricht erscheinen.»

Ryf schlägt vor, die Lehrkräfte künftig mit einem Klassenhandy auszustatten. «Vorerst kann man auf das System mit einem E-Mail-Verteiler umstellen.»

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