Dieses Hobby würde man nie mit dieser smarten Frau in Verbindung bringen – Pistolen schiessen. Sabine Eglin Buser lächelt ob des ungläubigen Blicks und sagt: «Das Schiessen hat mir viel gebracht, denn es hat für mich einen meditativen Aspekt. So habe ich gelernt, mich zu konzentrieren und ruhig zu werden.» Das nütze ihr sehr, wenn sie vor Leuten auftreten müsse; sie sei heute dabei viel weniger nervös als früher. Und vor Leuten auftreten, die ihr zudem weitgehend fremd sind, muss Eglin in nächster Zeit oft.

Denn die 48-jährige Muttenzerin beginnt am Montag gerade mit zwei neuen, anspruchsvollen Aufgaben: Beruflich startet sie als Betriebsleiterin bei der Salina Rehaklinik in Rheinfelden, wo sie gleichzeitig auch in der Geschäftsleitung der übergeordneten Parkresort Holding sitzt, zu der nebst der Rehaklinik die Bäderlandschaft und das Park-Hotel gehören. Gleichzeitig tritt sie auch ins öffentliche Rampenlicht: Die Delegierten des Spitex-Verbands Baselland wählten sie am Donnerstagabend einstimmig zur neuen Präsidentin. Und mit der Übernahme dieses Amts setzt sich Eglin auf einen Wackelstuhl. Denn bei der kantonalen Spitex gärte es in letzter Zeit. Zuerst trat im letzten Frühjahr die neue Geschäftsführerin nach nur fünf Monaten zurück, dann warf im Herbst Präsidentin Juliana Nufer entnervt das Handtuch, nachdem sie auch noch die Geschäftsführung ad interim übernommen hatte.

Sie kümmert sich um Babyboomer

Aber das kann Eglin nicht beunruhigen, denn sie hat Erfahrung mit Einsätzen in bewegter Umgebung: 24 Jahre lang arbeitete die gelernte Pflegefachfrau im Kantonsspital Baselland (KSBL), wo sie alle Stufen bis zur Pflegedienstleiterin und damit Chefin von 1300 Mitarbeiterinnen erklomm. Gleichzeitig sass sie die letzten drei Jahre in der Geschäftsleitung des KSBL. Eine Karriere, wie sie nur dank permanenter Weiterbildung möglich war. So schloss Eglin als vorerst letzten Ausbildungsschritt 2013 mit einem Master in Management Gesundheitswesen ab. Und das neben ihrer Rolle als Mutter von mittlerweile zwei Teenagern, «meiner kreativen Herausforderung», wie sie ergänzt.

Allerdings gesteht die viel Belastbare: «Der jetzige Doppelstart ist nicht ganz optimal. Aber es hat sich einfach so ergeben und dank der zugesagten Unterstützung habe ich keine Angst.» Das heisst, der neue Arbeitgeber befürwortet ihr Spitex-Engagement und der Spitex-Vorstand steht ihr mit dem nach dem Nufer-Abgang gebildeten Ausschuss, der noch ein paar Monate bestehen bleibt, zur Seite. Prioritäre Aufgabe bei der Spitex ist es nun für Eglin, einen Geschäftsführer zu finden: «Hier braucht es eine Person, die es schafft, die 20 Gemeinde-Spitex-Organisationen im Kanton so zusammenzubringen, dass sie mit einer Stimme auftreten.» Und sie hat noch weitergehende Pläne: «Es gibt in der Zukunft ein grosses Potenzial für die Spitex. Die Babyboom-Generation, die nun langsam ins Alter kommt, hat andere Erwartungen ans Gesundheitssystem und wir müssen das ambulante Angebot ausweiten.» Solche Aufgaben würden sie motivieren.

Ein weiteres Entwicklungsfeld sei die Palliativ-Pflege. Hier warte strategische Arbeit zur künftigen Rolle der Spitex, sagt Eglin mit dem Seitenhieb, dass der Kanton auf diesem Gebiet nicht eben eine planerische Vorreiterrolle einnehme. Eglin betont aber auch, dass sie nicht alles auf den Kopf stellen wolle, denn bei der Baselbieter Spitex sei gute Arbeit geleistet worden.

Man merkt: Die neue Präsidentin ist schon ziemlich Spitex-afin. Das hat auch damit zu tun, dass Eglin im KSBL das elektronische Patientenanmeldesystem eingeführt hat. Damit können die Spitäler die austretenden Patienten via Internet bei den nachbehandelnden Spitex-Organisationen anmelden und diese mit den wichtigsten Informationen bedienen. Zuvor musste das Spital zeitaufwendig jeder einzelnen Spitex nachtelefonieren.

Wer so viel unter einen Hut bringt, muss irgendwo Abstriche machen. Eglin hat unter anderem das Schiessen aufs Eis gelegt. Für das Herunterfahren dient ihr jetzt das weniger zeitaufwendige Yoga. Schiessen werde sie dann wieder als Rentnerin, meint sie lachend.