Liestaler Moschee

Salafisten verlassen Liestal

Nach den schweizweiten Schlagzeilen hat der Kandil-Verein seine Räume an der Oristalstrasse 85 verlassen.

Nach den schweizweiten Schlagzeilen hat der Kandil-Verein seine Räume an der Oristalstrasse 85 verlassen.

Schweizweit hatte der Kandil-Verein Liestal den Ruf als «Hotspot für Islamisten» eingebrockt – nun ist die Moschee geschlossen. Über die Aktivitäten der Vereinsmitglieder aber scheint kaum etwas bekannt zu sein.

Lukas Ott macht kein Geheimnis daraus: Der Liestaler Stadtpräsident ist froh, dass der umstrittene Kandil Verein den Baselbieter Hauptort verlassen hat. Erst im vergangenen Sommer hatte der Muslimverein schweizweit für Schlagzeilen gesorgt, nachdem der Basler Kriegsreporter und Journalist des Jahres 2014, Kurt Pelda, Liestal in der bz als «Hotspot für Islamisten» bezeichnet hatte.

Zwar hatten Stadt- wie Kantonsbehörden stets versucht, den Ball flach zu halten. Die Realität sehe weit weniger dramatisch aus, wurde beteuert. Gleichzeitig aber räumten sie ein, dass der Verein und sein damaliger Gebetsraum im Liestaler Oristal unter Beobachtung von Spezialisten der Baselbieter Polizei stünden. In einem sehr begrenzten Umfeld seien durchaus Gruppierungen wahrzunehmen, die im Verdacht stehen, extremistisch tätig zu sein oder sich zu radikalisieren.

Baselbieter Polizei intervenierte

Mittlerweile aber ist alles anders. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Verein sein Lokal an der Oristalstrasse 85 verlassen. «Ihm scheint die damalige mediale Publizität zuviel geworden zu sein, sodass er Liestal verlassen hat», sagt Ott. Aber erst nachdem der Mietvertrag gekündigt worden ist, habe die Baselbieter Polizei, die regional teilweise auch für den Nachrichtendienst Aufgaben übernimmt, Kontakt mit den Verantwortlichen aufgenommen: «Es wurde klargestellt, dass keine Imame geduldet würden, die in Moscheen Werte verbreiten, welche nicht unserer Gesellschaftsordnung entsprechen oder die Personen dazu animieren am Dschihad teilzunehmen», erklärt Adrian Baumgartner von der Baselbieter Sicherheitsdirektion.

Die Intervention blieb nicht ohne Folgen: Der Kandil-Verein wurde aufgelöst und existiert in dieser Form heute nicht mehr. «Wir gehen seither davon aus, dass in Liestal keine Nachfolgeaktivitäten stattfinden», sagt Stadtpräsident Ott. Obwohl Vereinsmitglieder bisher unter Beobachtung standen, scheint über allfällige heutige Aktivitäten wenig bekannt zu sein. Gerüchte, wonach neu in einem Liestaler Wohnquartier ein Gebetsraum betrieben werde, können von der Polizei nicht bestätigt werden. «Wir haben keinerlei Hinweise darauf», betont Baumgartner. «Wir wissen lediglich, dass der Gebetsraum des Kandil-Vereins nicht mehr im Oristal ist.»

Im Umfeld von Moscheen in der Schweiz sind immer wieder salafistische Strömungen wahrnehmbar. Als Anhänger einer fundamentalistischen Auslegung des Islam lehnen die Salafisten die demokratische Grundordnung der Schweiz ab, treten aber selten gewaltbereit auf. Auch in einer viel beachteten Studie der ETH-Forschungsstelle für Sicherheit ist der Kandil-Verein explizit erwähnt worden. Sein damaliger Gebetsraum wurde darin als einschlägig bekannter Versammlungsort für Schweizer Salafisten bezeichnet.

In dem Gebetsraum, der vor allem von Muslimen vom Balkan besucht worden ist, hatten laut Studie und Zeitungsberichten wiederholt radikale Prediger Vorträge gehalten. So etwa der Berliner Salafist Ahmud Abul Baraa oder der aus dem Kosovo stammende Imam Mazllam Mazllami.

Das ist auch den Behörden bekannt. Gleichzeitig aber warnen sie davor, alle bisherigen Moscheebesucher unter Generalverdacht zu stellen. In Liestal könne man nicht mal ansatzweise von «Winterthurer-Verhältnissen» sprechen, betont Baumgartner. Auch die Winterthurer An’Nur-Moschee steht im Fokus der Behörden. Schon mehrfach sollen sich dort Jugendliche und junge Erwachsene radikalisiert und dem Islamischen Staat angeschlossen haben.

Verwandte Themen:

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

Meistgesehen

Artboard 1