Geologie

Salinen suchen in Arisdorf per Vibrator neue Salzvorkommen

Der Vibrator der Firma DMT erzeugt das Echo vom Salzstock.

Der Vibrator der Firma DMT erzeugt das Echo vom Salzstock.

Mittels eines Vibrationsfahrzeuges sucht die Schweizer Salinen AG rund um Arisdorf nach guten Salzvorkommen. Dabei wird das Echo unterirdischer Schallwellen gemessen, die Ergebnisse werden bis 2017 ausgewertet.

Das bullige Monster drückt den Stempel in der Fahrzeugmitte hydraulisch so kräftig auf den Asphalt, dass die mannshohen Pneus fast den Kontakt mit dem Boden verlieren. Der Lärm schwillt an, der Boden zittert. «Die tiefen Frequenzen spürt man am besten», erklärt Peter Jordan, Geologe der Gruner AG aus Oberwil. Mittlerweile hat sich der Vibrator wieder auf seine vier Räder abgesetzt und ist auf dem Strässchen westlich der Autobahn bei Arisdorf 15 Meter weiter gefahren, wo er die Operation wiederholt.

Schichten im Boden vermessen

Am Strassenrand stecken Geophone im Boden, welche die unterirdischen Schallwellen und deren Echo registrieren und an den Messwagen weiterleiten. Dort erscheinen die aufgefangenen Signale als teppichartiges Muster auf dem Bildschirm. Dass dieses an einigen Stellen deutlich dichter ist, freut die Experten: «Daran erkennen wir die Schichten im Boden.» An den Schichtgrenzen wird nämlich ein Teil der Schallwellen reflektiert. Und aus der um Millisekunden differierenden Laufzeit der Schallwellen werden die Geologen später ein Schichtprofil errechnen: Deckschicht, Gipskeuper, Muschelkalk, Sulfatzone und – hoffentlich – Salz. Um dieses geht es der Schweizer Salinen AG: Sie sucht neue Vorkommen, denn die Vorkommen unter den aktuell in Pratteln und Möhlin aktiven Bohrlöchern reichen bis rund 2025.

In der Nordwestschweiz ist die Salzschicht in rund 300 Meter Tiefe im Schnitt 50 Meter dick. Der Durchschnitt sagt allerdings wenig. So hat man in den 80er-Jahren bei einer Bohrung beim Hof Gründen in Arisdorf eine 100 Meter mächtige, vielversprechende Salzschicht gefunden. Im Gebiet Hopfern ergab eine zweite Bohrung dagegen praktisch kein Salz. Bohrungen bezeichnet Salinen-Geschäftsführer Urs Hofmeier als «Nadelstiche», die nur eine punktuelle Information liefern.

Mit dem Profil, das die seismischen Vibrator-Messungen liefern werden, wollen die Salinen Aufschluss darüber, wo die Salzschicht im Boden verläuft und ob es Verwerfungen gibt, also die Schichten abgesackt sind. Dafür wird künftig im Raum Arisdorf auch gebohrt. Erste Resultate über Tiefe, Dicke, Lage und Reinheit der Salzvorkommen sollen 2017 vorliegen.

Salzkarte vervollständigen

Beauftragt mit dieser unterirdischen Salz-Kartierung ist die Gruner AG aus Oberwil. Die seismischen Vibrationsmessungen führt die deutsche DMT GmbH & Co KG durch, denn in der Schweiz gibt es dafür keine Firma.

Auf offenem Feld sind die Vibrationen kein Problem. Sie seien für Mensch, Tiere und Umwelt ungefährlich, hiess es am Dienstag an einer Medienkonferenz. Im Siedlungsgebiet wird hingegen mit Prüfgeräten die Schwingung von Häusern kontrolliert: Würde ein Haus durch den Vibrator in Resonanz versetzt, könnte es zu Schäden kommen. Dann wird die Messung vorher abgebrochen.

Die Schweizer Salinen AG gehört den Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein. Sie gewinnt Salz im Baselbiet, im Aargau und in Bex VD. Ihr Auftrag ist, die Schweiz bis zur hintersten Gemeinde zu einem einheitlichen Preis mit Salz zu versorgen. Sie produziert jährlich rund 600 000 Tonnen Salz. In der Nordwestschweiz geschieht dies, indem man Bohrungen in den Salzstock abteuft, Wasser hinunter pumpt, welches das Salz löst und diese Sole dann einkocht, bis das Salz auskristallisiert. Im Salzstock werden so Kavernen von rund 75 Meter Durchmesser und 40 Meter Höhe ausgewaschen. Neben Speise- und Auftausalz produzieren die Salinen auch Rohstoff für die Chemie.

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