«Ein bisschen unwirklich ist es noch immer, so viel schon mal zum Anfang als Fazit. Am Freitag ist mit der letzten Sessionswoche meine erste Woche als Nationalrätin zu Ende gegangen. Es war gleichzeitig wahnsinnig anstrengend und extrem spannend: So viele neue Gesichter im ganzen Parlamentsbetrieb, die man sich merken muss. Dazu kamen zahlreiche Medienanfragen. Fürs SRF musste ich am Morgen um sieben Uhr im Studio Bern sein. Um acht begann meist der Ratsbetrieb, der oft bis spät abends andauerte – und dann folgten noch die Vorbereitungen der nächsten Geschäfte. Ein Tag dauerte so locker mal zwölf Stunden.

Und dennoch: Ich fühle mich sehr wohl unter der Bundeshauskuppel. Ich glaube, hierhin zu gehören. Auch wenn ich bereits seit Monaten weiss, dass ich nachrücken werde: Die Verantwortung spürte ich ganz besonders mit der Vereidigung am Montag. Ein grossartiger Moment, Familie und Freunde auf der Tribüne im Rücken zu wissen. Nach der Vereidigung gabs einen Apéro. Nur kurz, und schon ging es los mit dem Ratsbetrieb. Schliesslich wollte ich nicht meine erste Abstimmung verpassen.

In der ersten Woche hat man noch keine eigenen Geschäfte, da hatte ich Zeit, alles genau zu beobachten. Speziell die Debatte um das CO2-Gesetz war ernüchternd. Wir verloren nonstop, eine neuere Erfahrung. Und wenn ich hinüber zur Gewinnerseite blickte, sah ich dort Männer, viele mit grauen Haaren, für die der Klimawandel eine Verschwörungstheorie ist. Das hat mich empört, geht doch das Klima der Zukunft vor allem meine Generation etwas an. Als jüngste Nationalrätin kann man sich schon etwas seltsam fühlen: Wenn Schulklassen vorbeikommen, und das tun sie eigentlich immer, bin ich nicht viel älter als die Schülerinnen. Schräg.

Aber eigentlich gehts auch gar nicht um mich. Ich weiss, woher ich komme, weiss, was ich den Wählenden schuldig bin. Darauf kommt es an. Ich habe jetzt die Möglichkeit, für mehr Gerechtigkeit einzustehen und mit diesem Amt sind meine Hebel grösser geworden. Es ist mir eine Ehre.»