Münchenstein/Arlesheim

Sammeleinsprachen gegen 5G-Antennen – deshalb wehren sich rund 1000 Personen dagegen

Bauprofil für eine neue 5G-Mobilfunkantenne bei der Neuen Welt.

Bauprofil für eine neue 5G-Mobilfunkantenne bei der Neuen Welt.

In Münchenstein und Arlesheim wehren sich rund 1000 Personen gegen Projekte für die neue Mobilfunktechnologie.

Gleich zwei lange Leserbriefe füllten am vergangenen Donnerstag die Spalten des «Wochenblatts für das Birseck und Dorneck». Darin richten Martin Müller und Tatiana Garcia-Cuerva mahnende Worte im Hinblick auf die von der Swisscom geplanten 5G-Mobilfunkantennen bei der Neuen Welt in Münchenstein und am Schorenweg 10 in Arlesheim.

«Hunderte besorgter Einwohnerinnen und Einwohner sind überzeugt, dass die von solchen Antennen abgegebene Strahlung die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen schädigt», schreibt Müller. Gegen die Antenne in Münchenstein wurde kürzlich beim Bauinspektorat in Liestal eine Sammeleinsprache mit 346 Unterschriften eingereicht. Gegen die Antenne in Arlesheim wurden laut Garcia-Cuerva für eine Sammeleinsprache bis gestern Mittag rund 650 Unterschriften gesammelt.

Neben den allgemeinen Ängsten vor der 5G-Technologie kritisiert der pensionierte reformierte Pfarrer auch den Standort der geplanten Antenne rund 250 Meter vom Gymnasium Münchenstein entfernt. «Neben der Anwohnerschaft – im betreffenden Quartier sind mehrere Wohnbauprojekte in Planung – sind auch hunderte Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen der Gefahr ausgesetzt.» Auch die alten Bäume im Ehingerpark, der Parkanlage beim Gymnasium, würden unter der 5G-Strahlung leiden, ist Martin Müller überzeugt. So wie die Antenne momentan ausgesteckt ist, würde es auch nicht deren tatsächlichen Ausmassen entsprechen. «Die Antenne wird viel höher, als es den Anschein macht.» Mit einem Aktionskomitee will Müller die Bevölkerung aufklären und darüber diskutieren, wie die Mobilfunktechnologie technisch umgesetzt werden kann, damit sie nachhaltig und gefahrenlos funktioniert.

Sammeleinsprachen erhöhen den Druck

Juristisch ist eine Sammeleinsprache nicht mehr wert als eine Einsprache einer Einzelperson. Das sind sich Martin Müller und auch Isabelle Viva, die schon mehrfach an Sammeleinsprachen gegen Mobilfunkantennen beteiligt war und sich auch diesmal wieder engagiert, bewusst. Für sie sind Sammeleinsprachen aber ein probates Mittel, um den Druck zu erhöhen. Elektroingenieur und 5G-Kritiker Philipp Merz aus Arlesheim hat bei anderen Einsprachen die Erfahrung gemacht, dass man als Einzelperson eher mal belächelt und als Spinner abgetan wird. «Sind es aber viele Einsprechende, wird man auf einmal ernst genommen.»

Isabelle Viva fordert einen Stopp der Aufrüstung der Mobilfunktechnologie. «Man kennt die Gefahren von 5G noch überhaupt nicht. Noch nicht einmal die Auswirkungen der 4G-Technologie sind vollends geklärt. Bevor 5G-Antennen gebaut werden, müssen wir wissen, wie die Gefahren tatsächlich aussehen.»

Gym-Rektor hat keine Bedenken

Von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), die für die meisten Baugesuche von 5G-Antennen im Kanton zuständig ist, kommen beschwichtigende Worte. Die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung begrenze die Intensität der Strahlung mit Grenzwerten, die sich nach der verwendeten Frequenz unterscheiden, schreibt BUD-Sprecher Nico Buschauer auf Anfrage. «Die zurzeit laufende Einführung von 5G erfolgt in Frequenzbereichen, wie sie bereits jetzt für den Mobilfunk und für WLAN verwendet werden.» Mit den Anlagegrenzwerten werde die Langzeitbelastung der Bevölkerung möglichst gering gehalten.

Auch Gabriel Hänggi, Rektor des Gymnasiums Münchenstein und Physiker, macht sich keine Sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen einer Gefahr ausgesetzt würden. «Die stärkste Strahlenbelastung kommt nicht von den Antennen, sondern von den eigenen Handys.» Ist der Empfang der Handys besser, verringere sich die Strahlung, erklärt Hänggi. «Mit der 5G-Antenne wird bei uns am Gymnasium die Strahlenbelastung daher eher abnehmen.»

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