SVP-Präsidium

Sandra Sollberger zögert, zu kandidieren: «Ohne mein Geschäft kann ich nicht sein»

Die Baselbieter Nationalrätin hat sich noch immer nicht entschieden, ob sie Präsidentin der SVP Schweiz werden will. Was sie weiss: Ihr Malergeschäft gibt sie nicht auf. Kantonalparteipräsident Dominik Straumann fordert von ihr nun bis Freitag eine Entscheidung.

Nein, Sandra Sollberger hat sich noch immer nicht entschieden. Aber im Gegensatz zum Vortag nimmt sich die Baselbieter SVP-Nationalrätin nun Zeit, um zu erklären, was sie noch davon abhält, fürs Präsidium der SVP Schweiz zu kandidieren. Im Gespräch mit der bz wird deutlich: Diese Frau hat zwei Herzen in ihrer Brust.

«Ich kann meinen Beruf nicht an den Nagel hängen. Dann wäre ich nicht mehr ich selbst», sagt die Malermeisterin, die in Bubendorf zusammen mit ihrem Mann den eigenen Familienbetrieb führt. «Ich bin leidenschaftlich gerne Unternehmerin. Ohne mein Geschäft kann ich nicht sein», sagt sie weiter. Damit sorgt Sollberger immerhin insofern für Klarheit, als dass sie sich beruflich nicht komplett zurückziehen wird. Ob und wie genau ein Spagat zwischen dem Parteipräsidium und ihrem Malergeschäft möglich ist, wisse sie noch nicht. Ende Woche führe sie genau deswegen noch zwei Gespräche, die «ziemlich entscheidend sein werden». Sollberger ist sich aber bewusst: Ohne grosse strukturelle Anpassungen ginge es nicht. «Es muss einfach eine Lösung sein, bei der ich mich noch wohlfühle.»

Für Land oder Kanton: Sollberger im Dilemma

Diese Zwickmühle ist auch dem Präsidenten der SVP Baselland, Dominik Straumann, nicht entgangen: «Ich habe grosses Verständnis für die schwierige Situation von Sandra Sollberger. Sie möchte nicht ihre Hauptexistenz aufs Spiel setzen und quasi zur Berufspolitikerin werden», sagt er. Gleichzeitig warnt er davor, das nationale Präsidium zu unterschätzen: «Es bedeutet einen riesigen Zeitaufwand und benötigt sehr viel Flexibilität.»

Das weiss auch Sollberger. Und sie wäre auch bereit, einige Abstriche zu machen. «Es kommt darauf an, wie viele andere Ämter man daneben noch ausübt.» Im Nationalrat in Bern sitzt die 46-Jährige in der Finanzkommission und in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. Dazu ist sie seit kurzem Vizepräsidentin der SVP-Fraktion. «Mein Nationalratsmandat steht nicht zur Diskussion, aber vielleicht meine Kommissionssitze», sagt sie, nur um einzuwerfen: «Ich sitze in Bundesbern, um etwas fürs Baselbiet zu tun und vielleicht kann ich das in den Kommissionen besser als durch das Parteipräsidium.» Es sei eben alles eine Frage des Abwägens. Aussagen, die nicht gerade wie eine Liebesbotschaft ans SVP-Präsidium klingen. Was sie auf keinen Fall sein wolle, sei die Quoten-Frau auf dem SVP-Ticket. «Ganz schrecklich» sei so eine Diskussion, in der SVP zähle die Qualität des Menschen und nicht sein Geschlecht.

Und schon bringt sich Sollberger doch wieder in Stellung, denn von ihren Qualitäten ist sie überzeugt. Dass Nationalrat Roger Köppel in seiner «Weltwoche» kürzlich jemanden mit «Einschüchterungskompetenz» forderte, schreckt sie nicht ab: «Also sucht er eine Unternehmerin, denn wir müssen hart durchgreifen können. Das ist eine Grundvoraussetzung», sagt sie keck.

Parteipräsident fordert Entscheidung bis Freitag

Straumann wiederum gibt ehrlich zu: «Beim Stichwort ‹Einschüchtern› fällt mir spontan schon weniger Sandra ein.» Er wolle aber auch keinen «Angstkulturpräsidenten» wie es vielleicht Köppel selbst oder der Aargauer Andreas Glarner wäre. Dagegenhalten, das könne Sollberger allerdings schon.

Ende Woche läuft die Frist ab, bis zu der Kantonalsektionen der Mutterpartei von ihnen offiziell unterstützte Kandidierende melden können. Zwar kann die Findungskommission auch danach noch selbst auf valable Personen zugehen, doch Straumann hielte es für ein starkes Zeichen, wenn Sollberger von der Partei portiert werden könnte. Und: «Irgendwann muss sich Sandra auch festlegen. Ich finde, dass sie sich bis Freitag entscheiden sollte.»

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