Läufelfingen

Sanierung ohne lokales Unternehmen: eine Dorf-Komödie mit Lerneffekt

Firmenchef Erich Rickenbacher wartet weiterhin auf eine nachvollziehbare Erklärung des Gemeinderats.

Firmenchef Erich Rickenbacher wartet weiterhin auf eine nachvollziehbare Erklärung des Gemeinderats.

Bei der knapp vier Millionen Franken teuren Sanierung der Läufelfinger Mehrzweckhalle Herrenmatt (MZH) ist der Wurm drin. Zuerst fast wortwörtlich, mittlerweile auch im übertragenen Sinn. Denn es gibt Ärger, weil die Gemeinde bei der Auftragsvergabe nicht mit dem lokalem Unternehmer kommunizierte.

Beim Baustart stiessen die Arbeiter auf Ameisenbefall, Wasserschäden und zu Staub verfallene Unterlagsböden. Dann im Frühherbst gings schon fast um Leben und Tod; wurde doch festgestellt, dass sich die Hallendecke verschoben hat und Einsturzgefahr droht, wie dem neusten Läufelfinger Mitteilungsblatt zu entnehmen ist.

Dieses Malheur wird derzeit notfallmässig behoben, was den Terminplan durcheinander bringt und Mehrkosten in der Grössenordnung von 150000 Franken verursacht. Und jetzt gerät der Gemeinderat wegen der MZH auch noch in die Kritik, weil er den grössten ortsansässigen Gewerbebetrieb verärgert hat.

Lokales Unternehmen wurde nicht angefragt

Bei dem Betrieb handelt es sich um das knapp 70 Jahre alte Schreinerunternehmen Hans Rickenbacher AG, das derzeit 47 Mitarbeitende beschäftigt. Patron Erich Rickenbacher, der das Unternehmen in zweiter Generation führt, hat sich an die bz gewandt.

Er versteht die – lokale – Welt nicht mehr: «Wir arbeiten für Weltkonzerne wie Novartis, Roche oder Patek Philippe und beliefern in der ganzen Schweiz zahlreiche zufriedene Kunden. Doch im heimischen Läufelfingen werden wir für die Schreinerarbeiten bei der Mehrzweckhalle nicht mal für die Erstellung einer Offerte angefragt.» Rickenbacher: «Das ist unanständig und ich habe keine Erklärung dafür.»

Und als er eine habe suchen wollen, sei er mit dem zuständigen Gemeinderat trotz wiederholter Anrufversuche und Hinterlassen einer Nachricht, dringend zurückzurufen, nicht in Kontakt gekommen. Einmal sei die Rückmeldung «Sitzung», ein anderes Mal «Ferien» gekommen.

Und plötzlich konnten sie miteinander reden

Dieser Gemeinderat namens Markus Hunziker ist ähnlich fassungslos wie Rickenbacher: «Das enttäuscht mich. Hätte Erich zuerst mit mir gesprochen, hätten wir einvernehmlich alles klären können. Ich bin übers Handy praktisch immer erreichbar.» Hunziker verweist darauf, dass es einen Beschluss des Gemeinderats gebe, Rickenbacher die Erneuerung der Vereinskästen in der Höhe von 20000 Franken freihändig zu vergeben.

Die Vergabe sei noch nicht erfolgt, weil zuerst die genauen Kostenfolgen der unerwarteten Deckenreparatur abgewartet werden müssten. Das sei etwa in einem Monat der Fall. Dann müsse man schauen, ob allenfalls Abstriche am Projekt nötig seien. Denn das Ziel heisse, das gesprochene Kostendach von 3,9 Millionen Franken keinesfalls zu überschreiten. Andere Schreinerarbeiten wie etwa das Abschleifen und Neuspritzen der Garderoben, die für Rickenbacher nicht interessant seien, weil er sie nicht selbst ausführen würde, habe man an Dritte vergeben, erzählt Hunziker weiter. Insgesamt bewegten sich die Schreineraufträge irgendwo im fünfstelligen Bereich.

Und siehe da: Kaum hatte die bz mit den beiden geredet, rief Hunziker Rickenbacher an. Doch zu einem Konsens kam es offensichtlich nicht. Rickenbacher sagt: «Er ist von mir enttäuscht. Und für mich gibt es nach wie vor keine vernünftige Erklärung, wieso wir nicht informiert wurden.» Hunziker sagt: «Ein Kommunikationsproblem wurde erkannt und gelöst.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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